Sprech­stun­de

Wie man Kin­dern mit Schul­angst hel­fen kann

Kurier Magazine - Kinder - - Inhalt - VON JU­LIA GSCHMEIDLER

Ge­ra­de erst hat das neue Schul­jahr be­gon­nen. Wenn sich das Kind wei­gert, in die schu­le zu­ge­hen, wie kann man als El­tern­teil er­ken­nen, ob es ein­fach kei­ne Lust auf die Schu­le hat, oder ob die­ser Wei­ge­rung be­reits ei­ne Schul­angst zu­grun­de liegt? Da­nie­la Has­pel:

Grund­sätz­lich ist zu emp­feh­len, dass el­tern durch sen­si­ble Ge­sprä­che oder in Kon­takt mit den Kin­dern ei­ne Ein­schät­zung da­für ent­wi­ckeln, wo die sor­gen­des kin­des lie­gen. Für man­che Kin­der kann die all­täg­lich eS chul si­tua­ti­on aus un­ter­schied­li­chen grün­den wie leis­tung sangst, Sor­ge­vo run er­füll­ba­ren Leis­tungs an­for­de­run­gen mit Angst be­setzt sein. Der Schul­angst liegt ei­ne Angst zu­grun­de, die sich durch psy­chi­sche und kör­per­li­che (bzw. psy­cho­so­ma­ti­sche) Sym­pto­me, aber auch durch Ver­hal­tens auf­fäl­lig­kei­ten äu­ßern kann.

Was kön­nen die Ur­sa­chen ei­ner Schul­angst sein?

Die Ur­sa­chen für Schul­angst kön­nen man­nig­fal­tig sein. Ei­ner­seits kön­nen so­zio-kul­tu­rel­le Be­din­gun­gen aber auch fa­mi­liä­re fak­to­ren wie über­höh­te L eis tungs er­war­tun­gen der El­tern, fa­mi­liä­re Be­las­tun­gen un dein in­ad­äqua­ter er­zie­hungs stil zu über for­de­run­gen füh­ren. In Ab­gren­zung zur Schul­angst ste­hen bei der so­zia­len Angst Sym­pto­me wie V er­le­gen heits­ge­füh­le, Scham, die Sor­ge vor Ab­leh­nung und spott so­wie er­höht­eselb stun­si­cher­heit im Vor­der­grund. Die­se kön­nen­da­zu­füh­ren, dass­kin­de­r­und Ju­gend­li­che den Schul­be­such nicht be­wäl­ti­gen kön­nen. Ein wei­te­rer Aspekt ist aber auch die schu­li­sche Über­for­de­rung, die nicht nur mit Wis­sens­lü­cken oderLern schwie­rig­kei­ten in Zu­sam­men­hang steht, son­dern auch mit der Wahl ei­nes ge­eig­ne­ten Schul­typs. Hin­terSchul angst kön­nen sich aber auch vie­le an­de­re Ur­sa­chen ver­ber­gen, die es her­aus­zu­fin­den gilt. Hier kann die Ab­tei­lung Schul­psy­cho­lo­gie Bil­dungs­be­ra­tung im Zu­ge ei­ner Ein­zel­fall dia­gnos­tik mit dem Kind und be­ra­ten­den Ge­sprä­chen mit der Fa­mi­lie un­ter­stüt­zend be­hilf­lich sein.

Wel­che Rol­le spielt Mob­bing bei der Schul­angst?

Mob­bing, im eng­lisch­spra­chi­gen Raum als Bul­ly­ing be­zeich­net, ist ein Phä­no­men, bei dem ne­ga­ti­ve Hand­lun­gen sys­te­ma­tisch und wie­der­holt übe rei­ne län­ge­re Zeit mit Schä­di­gungs ab­sicht, ge­zielt den Schü­ler oder die schü­le­rin be­tref­fend ge­tä­tigt wer­den, wo­bei sich die an­ge­grif­fe­ne Per­son durch das Kräf­te­ungleich­ge­wicht nicht in­der La­ge sieht, sich zu weh­ren. Schü­ler, die­mob­bin­g­aus­ge­setzt sind, kön­nen auch angstv er­hal­ten zei­gen. In je­dem Fall muss das Mobb ing ge­sche­hens ei­tens­derLehr­per­so­nen auf­ge­grif­fen und be­ar­bei­tet wer­den. Schul­psy­cho­lo­gen und -psy­cho­lo­gin­nen un­ter­stüt­zen hier in der Be­glei­tung. Es geht dar­um, ein mög­lichst kon­flikt­ar­mes Klas­sen-, aber auch Schul­kli­ma zu schaf­fen und die Schü­ler dar­in zu un­ter­stüt­zen, Kon­flik­te in­der Klas­sen ge­mein­schaft kon­struk­tiv zu lö­sen. Mob­bing und Schul­angst sind zwei ver­schie­de­ne Phä­no­me­ne, müs­sen an­ge­spro­chen und be­ar­bei­tet wer­den.

Und was soll­te man als el­tern­teil als ers­tes tun, wenn­man­merkt, dass das Kind Angst hat, in die Schu­le zu ge­hen?

Wich­tig ist in je­dem Fall – un­ab­hän­gig vom Al­ter der Schü­ler – im Ge­spräch zu sein, sen­si­bel auf die fra­gen ein­zu­ge­hen, die Sor­gen ernst zu neh­men und al­ters ent­spre­chend dar­auf ein­zu­ge­hen. Die Schü­ler kön­nen auch kör­per­li­che Be­schwer­den wie Kopf-oder Bauch­schmer­zen, Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­chen in­der Schu­le, Leis­tungs­ab­fall und ver­hal­tens än­de­run­gen zei­gen. Er­war­tungs­hal­tun­gen der El­tern bzw. Be­las­tun­gen im Fa­mi­li­en­sys­tem und die schu­li­sche Si­tua­ti­on des Kin­des soll­ten er­ho­ben wer­den. Mit­zu­be­den­ken sind die psy­cho­so­zia­len Un­ter­stüt­zungs­sys­te­me, die so­wohl für Kin­der und Ju­gend­li­che, Er­zie­hungs­be­rech­tig­te als auch für Lehr­per­so­nen hilf­reich sein kön­nen.

Wel­che phy­si­schen Äu­ße­rungs­for­men sind bei Schul­angst ne­ben Bauch­weh und Kopf­schmer­zen noch ty­pisch?

Je­des Kind re­agiert un­ter­schied­lich. Aus un­se­rer Er­fah­rung sind die häu­figs­ten Sym­pto­me Bauch­weh und Kopf­schmer­zen, Übel­keit, Ap­pe­tit-

Wenn be­reits der all­täg­li­che Weg in die Schu­le für Kin­der zur Qual wird, kann das blei­ben­de Schä­den hin­ter­las­sen. Da­nie­laHas­pel von derSchul psy­cho­lo­gieBil­dungs­be­ra­tung er­klärt, wie El­tern ih­ren Kin­dern hel­fen kön­nen.

man­gel, Ess­stö­run­gen, Ein­näs­sen, Schlaf-und Kon­zen­trat ions stö­run­gen, aber auch Ver­hal­tens an­zei­chen wie leis­tungs­ab­fall, so­zia­ler rück­zug un­dVerm ei dungs ver­hal­ten, Auf­merk sam­keits- und Wahr­neh­mungs stö­rung so­wie de­pres­si­ve Ver­stim­mun­gen.

Wie vie­le Kin­der sind in Ös­ter­reich denn von Schul­angst be­trof­fen?

Im Jah­res­be­richt der Kin­der- und Ju­gend­ge­sund­heit von 2016 wird von 19 Pro­zent der 11- bis 15-jäh­ri­gen Schü­ler und Schü­le­rin­nen ge­spro­chen, die mit schu­li­schen An­for­de­run­gen stark be­las­tet sind. Mäd­chen sind ge­ne­rell in al­len Al­ters­grup­pen von psy­chi­schen Be­las­tun­gen mehr be­trof­fen als Bur­schen. Ei­ne Un­ter­richts gestal­tung, die un­ter an­de­rem durch ein ver­trau­li­ches Klas­sen­kli­ma mit ge­gen­sei­ti­ger Wert­schät­zung und ein­füh­len­dem Ver­ste­hen, För­de­rung des Selbst­ver­trau­ens, Er­ar­bei­ten vonKon­fli kt be­wäl­ti­gungs stra­te­gi­en und Stär­kung der so­zia­len Kom­pe­ten­zend er Schü­ler­ge kenn­zeich­net ist, be­ein­flusst das Lern­kli­ma po­si­tiv. Er­mu­ti­gung, po­si­ti­ve Rück­mel­dun­gen, und per­sön­li­che zu­wen­dung sind angst re­du­zie­ren­de Ele­men­te in je­dem so­zia­len Sys­tem.

Wenn sich die el­tern pro­fes­sio­nel­le hil­fe ho­len, wie­sieht­die Ar­beit­mit­dem­kind aus?

Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten fällt es un­ter­schied­lich schwer, pro­fes­sio­nel­le hil­fe in An­spruch zu neh­men. Scham und Hilf­lo­sig­keit kön­nen Ur­sa­che da­für sein, den­noch ist es in Fäl­len von aus­ge­präg­ter Schul­angst wich­tig, die Fach­ex­per­ti­se von nie­der­ge­las­se­nen Kin­der-und Ju­gend psych­ia­tern, Psy­cho­lo­gen bzw.Psy­cho the­ra­peu­ten her­an­zu­zie­hen. Auf­ga­be der Schul­psy­cho­lo­gie ist es in die­sen Fäl­len, Ver­mitt­ler und Be­ra­ter zwi­schen den Schul­part­nern und schulex­ter­nen In­sti­tu­tio­nen zu sein.

Was kön­nen El­tern ma­chen, wenn auch die pro­fes­sio­nel­le hil­fe nicht wei­ter­hilft und die Kin­der nach wie vor nicht in die Schu­le ge­hen wol­len?

Emp­feh­lens­wert ist es, bei aus­ge­präg­ter Schul­angst pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung zu su­chen. Bei­spiels­wei­se bei Fach­leu­ten an kin­der-und ju­gend psych­ia­tri­schen Ein­rich­tun­gen, wo in­ner­halb ei­nes mul­ti pro­fes­sio­nel­len teams die Pro­ble­ma­tik aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln um­fas­send be­han­delt wer­den kann. Der Trans­fer we­sent­li­cher In­for­ma­tio­nen in die Schu­le ist un­er­läss­lich. Die­ser kann bei­spiels­wei­se im rah­men von hel­fer kon­fe­ren­zen,di es ei­tens­derSchul psy­cho­lo­gie ein­be­ru­fen­wer­den, er­fol­gen. Zie­lis­tes un­ter an­de­rem, Ab­spra­chen und Ver­ein­ba­run­gen mit den be­han­deln­den Per­so­nen, den schu­li­schen Un­ter­stüt­zungs­sys­te­me n und den Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten zu­tref­fen.

Wie kann so ein Pro­gramm dann aus­schau­en?

Über die Art des Pro­gram­mes ent­schei­det, nach er­folg­ter um­fas­sen­der Dia­gnos­tik, in­di­vi­du­ell auf die schü­ler ab­ge­stimmt, die be­fass­te In­sti­tu­ti­on, Kin­der-und Ju­gend psych­ia­ter, Psy­cho­lo­gen oder­Psy­cho the­ra­peu­ten.

Was ist ab­schlie­ßend das Wich­tigs­te, um Schul­angst zu be­kämp­fen?

Ein po­si­ti­ves Schul- und Klas­sen­kli­ma, gu­te so­zia­le Kon­tak­te in ei­ner wohl­wol­len­den Klas­sen ge­mein­schaft so­wie ein wert­schät­zen­des Fa­mi­li­en kli­ma, po­si­ti­ve Rück­mel­dun­gen und An­er­ken­nung sei­tens der Leh­rer und Leh­re­rin­nen und Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten sind wich­ti­ge und hilf­rei­che Schutz­fak­to­ren und för­dern das Selbst­ver­trau­en und die Selbst­stän­dig­keit der Kin­der und Ju­gend­li­chen.

Schul­psy­cho­lo­gie-bil­dungs­be­ra­tung Wipp­lin­ger­stra­ße 28, 1010 Wi­en Tel.: 01/52525 77505 Mo–fr: 7.30–15.30 Uhr

OR Mag. Da­nie­la Has­pelRe­fe­rats­lei­te­rin der Be­ra­tungs­stel­le für all­ge­mein bil­den­de Pflicht­schu­len

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