Wert­vol­le Ge­schöp­fe

Schwam­merln als sinn­vol­le Vi­tal­stoff­quel­le

Kurier Magazine - Kinder - - Inhalt - VON CORDULA PUCHWEIN

Vie­le schät­zen Schwam­merln als ku­li­na­ri­sche Köst­lich­keit. Doch sie sind weit mehr als das. Sie sind auch er­näh­rungs­phy­sio­lo­gisch in­ter­es­sant, weil sie ei­ne sinn­vol­le Vi­tal­stoff­quel­le sind und wich­ti­ge Mi­ne­ral­stof­fe, Vit­ami­ne und Ei­weiß un­ter ei­nen Hut brin­gen.

» Schwam­merln sind gut für schlech­te Nach­rich­ten. Vor al­lem im Som­mer. Zwi­schen Au­gust und Ok­to­ber wer­den in ös­ter­reich die meis­ten pilz­ver­gif­tun­gen ge­mel­det. Et­wa 50 Per­so­nen müs­sen­des halb pro Jahr sta­tio­när im spi­tal be­han­delt wer­den. Gott­lob ge­hen die we­nigs­ten ver­gif­tun­gen letzt­lich töd­lich aus. Schwam­merln wa­ren und sind aber auch gut für gu­te Nach­rich­ten. Et­wa als sie nach dem Zwei­ten Welt­krieg Aber­tau­sen­de kriegs ge­fan­ge­ne in den si­bi­ri­schen Step­pen und Wäl­dern vor dem Hun­ger­tod be­wahrt ha­ben. Für sie war das „Fleisch des Wal­des“ei­ne le­bens­ret­ten­de Nah­rungs­quel­le. »

Nicht nur in kriegs -, ge­ne­rell in man­gel zei­ten wa­ren Pil­ze für ar­me Be­völ­ke­rungs­schich­ten wich­ti­ge Le­bens­mit­tel, sei es als Er­gän­zung zur sonst recht ei­weiß­ar­men pflanz­li­chen Kost oder über­haupt als er­satz für tie­ri­sches Fleisch, denn un­ter den hü­ten­der„ ge­heim­nis­vol­len Ge­schöp­fe“ver­birgt sich ei­ne nicht zu un­ter­schät­zen­de Fül­le an Nähr- und Vi­tal­stof­fen. Der Nähr­stoff­wert liegt zwi­schen je­nem von Fleisch und Ge­mü­se.

WERT­VOLL.

Pil­ze, al­len vor­an Cham­pi­gnons un­d­bo­vis­te, sind ei­weiß reich, be­zie­hungs­wei­se ent­hal­ten es­sen­zi­el­le Ami­no­säu­ren, al­so Baustei­ne von Ei­weiß. Plus: Pil­ze ha­ben ei­nen ho­hen Ge­halt an koh­len­hy­dra­ten und mi­ne­ral stof­fen wie Ka­li­um und Phos­phor, Ei­sen und Ni­a­c­in. Zu­dem kön­nen die „Wald­be­woh­ner“mit ei­ner Rei­he an Vit­ami­nen, C und D et­wa, auf­war­ten. So ist die idee,Schwa mm erln als nah­rungs er­gän­zung ge­gen Os­teo­po­ro­se zu ver­wen­den, gar nicht so ver­kehrt. Das hat auch ei­ne Us-ame­ri­ka­ni­sche Stu­die ge­zeigt, die nach­wei­sen konn­te, dass ge­trock­ne­te Pilz­ex­trak­te eben­so­vi el­be wir­ken wie vit­amind in Pil­len­form. Schwam­merln ent­hal­ten auch et­li­che Vit­amin eder B- grup­pe .„ Ei­ni­ge ha­ben zu­dem be­son­de­re Zu­cker ver­bin­dun­gen, von de­nen man weiß, dass sie schäd­li­che freie Ra­di­ka­le im Kör­per be­kämp­fen“, sag­te der Pilz-sach­ver­stän­di­ge Diet­mar Krü­ger kürz­lich im In­ter­view mit dem Ma­ga­zin Geo­wis­sen. Dass ind­nu rei­ni­ge Grün­de,w es­halb man­che pil­ze in­der chi­ne­si­schen Me­di­zin ho­hen Stel­len­wert ge­nie­ßen, ih­nen teil­wei­se so­gar heil­sa­me Wir­kung zu­ge­spro­chen wird. Shii­ta­kePil­ze­ge hö­ren da­zu. Krü­ger :„ Aus ih­nen stellt man in ja­pan­so­ga rein an­ti- Krebs mit­tel her .“Das ist die ho­he Schu­le der­my­ko-me­diz in, al­so der be­hand­lung mit Heil pil­zen. Gang und gä­be ist in Asi­en hin­ge­gen die Ver­ab­rei­chung von„ Pilz me­di­ka­men­ten“bei vi­rus in­fek­tio­nen wie he­pa­ti­tis, Grip­pe, Her­pes un­d­ähnl ich ge­la­ger­ter Bak­te­ri­en- und Pilz­in­fek­tio­nen. Da­mit ist die Wirk­brei­te von Heil­pil­zen lan­ge nicht aus­ge­schöpft. Auch zur wund hei­lung und re­du­zie­rung ei­nes er­höh­ten Cho­le­ste­rins pi egels, bei Blut hoch­druck, zu ho­hen Blut­zu­cker­wer­ten greift man auf sie zu­rück–al­les un­ter­mau­ert mit 50.000 wis­sen­schaft­li­chen Ar­bei­ten und 400 kli­ni­schen Stu­di­en. So wird vie­les nach­ge­wie­sen, was Ge­ne­ra­tio­nen von Men­schen viel­fach aus er­fah­rung auch schon wuss­ten. Ein Bei­spiel da­für ist ein­mal mehr Öt­zi, der Mann aus dem Eis. In­s­ei­nem beu­tel fand man zwei­er­lei­pil­ze: Fo­mes­fo­men­ta­ri­us, den­zun­der­schwamm. Er dien­te als Brenn­ma­te­ri­al, war aber auch ein An­ti­bio­ti­kum. Und Fo­mi­t­op­sis be­tu­li­na, der Bir­ken­por­ling. Er­wirkt an­ti bak­te­ri­ell un­dan­ti­vi­ral. Voral­lem Fo­mes fo­men­ta­ri­us ist kein Un­be­kann­ter. Hip­po­kra­tes hat ihn­schon um 500v. Chr. als Wund mit­tel be­schrie­ben. Heu­te weiß man, dass der pilz so­gar in­der la­ge ist, Bie­nen vom flü­gel de for­mat ions vi­rus, der von der Var­roa­mil­be über­tra­gen wird und Bie­nen zu Hun­dert tau­sen­den da­hin­rafft, zu hei­len. Lei­der ist der Pilz nur noch spär­lich in ur­wald res­ten Nord­ame­ri­kas vor­han­den. Doch wie heißt es un­terSchwa mm erl su­chern so schön: Wer su­chet, der fin­det. «

St­ein­pil­ze sind die ku­li­na­ri­sche Krö­nung für je­den Schwam­merl­fan, vit­amin- und mi­ne­ral­stoff­reich

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