SO BLEI­BEN KIN­DER IN FORM

Kurier Magazine - Kinder - - Ernährung Und Bewegung - VON MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

» Die Welt­be­völ­ke­rung wird im­mer di­cker– ein­phä­no­men, da­sauch­schon Kin­der be­trifft. Fach ge­sell­schaf­ten sind sich so­gar ei­nig, dass es nicht mehr die ty­pi­schen Kin­der­krank­hei­ten sind, die den Nach­wuchs be­dro­hen: „Wäh­rend wir vor fünf­zig jah­ren noch mit In­fek­ti­ons­krank­hei­ten und der Sterb­lich­keit von Säug­lin­gen zu kämp­fen hat­ten,s in­des heu­te­üb er­wie­gend zi­vi­li­sat ions krank­hei­ten, die uns Sor­gen be­rei­ten“, sagt Da­nie­la Kar­all, Vor­sit­zen­de der Ös­ter­rei­chi­schen ge­sell­schaft für kin­der-und ju­gend heil kun­de. Die letz­ten Er­he­bun­gen des G es und heits mi­nis­te­ri­ums stam­men aus dem Jahr 2015. »

Die Zahl der über­ge­wich­ti­gen Kin­der nimmt welt­weit dra­ma­tisch zu, auch in Ös­ter­reich. Was El­tern und auch an­de­re da­ge­gen tun kön­nen.

Sie zei­gen, dass je­des fünf­te Kind in Ös­ter­reich über­ge­wich­tig oder adi­pös –al­so fett lei­big– ist .„ Teil­wei­se wie­gen fünf­jäh­ri­ge schon 50 ki­lo. Das ist dop­pelt so viel, wie dem Al­ter an­ge­mes­sen wä­re und führt zu ernst­haf­ten Fol­ge­schä­den wie Ge­lenks­be­schwer- den, Blut­hoch­druck, Dia­be­tes, und psy­chi­schen Auf­fäl­lig­kei­ten “, so K ar all. Die grün­de da­für sind schnell ge­fun­den: Das Frei­zeit ver­hal­ten­der Kin­der hat sich ge­än­dert, da­zu­kom­men Er­näh­rungs vor­lie­ben, die schon im klein­kind al­ter in rich­tung zu­cker­hal­ti­ge rund fett rei­cher Le­bens­mit­tel ge­hen.

GE­SUN­DE VOR­LIE­BEN.

Da­für, dass der Nach­wuchs ge­sun­de vor­lie­ben ent­wi­ckelt, kön­nen el­tern ei­ni­ges tun–und das nicht nur durch die rich­ti­ge Wahl der Le­bens­mit­tel. So sind re­gel­mä­ßi­ge, ge­mein­sa­me Mahl­zei­ten wich­tig, da­mit Kin­der nicht in Ver­su­chung kom­men, stän­dig zus na­cken. Wer be­rufs­tä­tig ist, der weiß, dass für die Es­sens zu­be­rei­tung na­tür­lich nicht im­mer so­viel Zeit bleibt, wie man ger­ne hät­te. Doch vie­le der ge­sun­den Mahl­zei­ten las­sen sich schnell und ein­fach vor­be­rei­ten, ganz oh­ne gro­ßen Auf­wand ( sie­he Buch­tipp). Für be­son­ders hek­ti­sche Tag gibt es bei­spiels­wei­se vie­le Sand­wich-re­zep­te. Voll­korn­brot und fri­sche Zu­ta­ten ma­chen die be­leg­ten Bro­te zur ge­sun­den Al­ter­na­ti­ve .„ el­tern soll­ten eher auf­fri­sche le­bens­mit­tel set­zen an­statt auf hoch ver­ar­bei­te­te Fer­tig­pro­duk­te. Hier ist oft­mals ex­trem viel Zu­cker ver­steckt “, ant­wor­tet die Diä­to­lo­gin Ni­naKi­en­reich auf die fra­ge, wor­auf man bei­der kind­ge­rech­ten er­näh­rung ach­ten soll- te. Ein­pro­blem­sei­zu­dem, dass­durch­schnitt­li­che Por­tio­nen im­mer grö­ßer wer­den.

DER EI­GE­NE MASSSTAB.

Und wie weiß man nun, was zu viel ist? „Je­de Per­son trägt ih­ren ei­ge­nen Maß­stab mit sich, näm­lich die ei­ge­ne Hand. Ei­ne ver­nünf­ti­ge Haupt­mahl­zeit be­steht aus ei­ner Hand Koh­len­hy­dra­te wie Nu­deln oder Reis, ei­ner Hand Ei­weiß wie et­wa Fisch oder Kä­se. Pro Tag sind zwei Hän­de voll Obst und drei Hän­de

voll Ge­mü­se emp­feh­lens­wert.“Für den Snack zwi­schen­durch soll­te man nicht zu Chips, son­dern zu ge­sun­den Al­ter­na­ti­ven grei­fen. Gur­ken ent­hal­ten bei­spiels­wei­se so gut wie kei­nen Zu­cker­und­kein­fett. Ein­küh­les­stück zum Kau­en kann bei zah­nen­den Kin­dern au­ßer­dem hel­fen, die Schmer­zen zu lin­dern. Auch ein in Strei­fen ge­schnit­te­ner Pa­pri­ka eig­net sich gut zum Kn­ab­bern. Er ent­hält viel Vit­aminc, da­zu­vit­aminaun­de. Und­wie ver­hält es sich mit Sü­ßig­kei­ten? »

„Auch ei­ne Por­ti­on Sü­ßes ist in Ord­nung. Je­doch nur ei­ne Kin­der­hand voll“, sagt Ki­en­reich, die Ver­bo­te für we­nig sinn­voll hält.

DURST­LÖ­SCHER.

Ge­ra­de bei klei­nen Kin­dern sei es zu­dem wich­tig, kei­ne sü­ßen Ge­trän­ke wie et­wa Soft­drinks als all­täg­li­che Durst­lö­scher an­zu­bie­ten, be­tont die Diä­to­lo­gin. We­sent­lich ist je­den­falls die Vor­bild­wir­kung der El­tern und zwar schon von An­fang an. Denn Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten wer­den sehr früh ge­prägt. Sich in dem Über­fluss von Rat­ge­bern, Wer­bun­gen un­d­p­se udo wis­sen­schaft­li­chen ar­ti­keln zu­recht­zu­fin­den, stellt für vie­le El­tern aber ein Pro­blem dar. Und in je­der Ent­wick­lungs­pha­se der Kin­der ist die Er­näh­rung ei­ne neue Her­aus­for­de­rung. Ver­schie­de­ne In­itia­ti­ven ha­ben es sich da­her zur auf­ga­be ge­macht, fun­dier­te In­for­ma­tio­nen an­zu­bie­ten.

IN­ITIA­TI­VEN.

So et­wa die Platt­form Rich­tig Es­sen von An­fang an, ins Le­ben ge­ru­fen von der Ös­ter­rei­chi­schen Agen­tur für Ge­sund­heit und Le­bens­mit­tel si­cher­heit ge­mein­sam mit Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um und haupt­ver­band. Nach­dem auch Kin­der selbst ler­nen müs­sen, mit dem über­an­ge­bot an le­bens­mit­teln ver­nünf­tig um­zu­ge­hen, hat sich das In­sti­tut SIPCAN auf G es und heits för­de­rung spe­zi­ell für Schü­ler und Schü­le­rin­nen fo­kus­siert. Mit der Gestal­tung ei­nes ge­sun­den Um­fel­des kann die Schu­le ei­nen wert­vol­len bei­trag leis­ten. In­ei­ner­von­sipC AN durch­ge­führ­ten Stu­die konn­te ge­zeigt wer­den, dass die Kin­der nach der Teil­nah­me ei­nes Pro­gramms ein si­gni­fi­kant bes­se­res Wis­sen über Er­näh­rung auf­wei­sen. Dar­über hin­aus re­du­zier­te sich der Kon­sum von we­ni­gerg es und heits för­der­li­chen Le­bens­mit­tel­grup­pen wie Fas­tFood. Ab wann ein Kind als über­ge­wich­tig gilt, ist et­was schwie­ri­ger fest­zu­stel­len, als bei Er­wach­se­nen. Denn der Über­gang von ei­nem Kör­per­ge­wicht, das noch im Nor­mal­be­reich liegt, und be­reits be­ste­hen­dem Über­ge­wicht ist flie­ßend. Da es kei­ne op­ti­ma­le Mess­me­tho­de gibt, wird derBMI ein­ge­setzt. Al­ler­dings müs­sen die re­fe­renz­wer­te und obe­ren Grenz­wer­te al­ter­sund ge­schlechts ab­hän­gig an­ge­wandt wer­den, um im Ein­zel­fall Rück­schlüs­se zie­hen zu kön­nen. Oft kön­nen nur noch Fach­leu­te da­bei hel­fen, an­hal­tend et­was ge­gen das Ge­wichts­pro­blem­zu­un­ter­neh­men­und­so­zu­ver­hin­dern, dass Er­kran­kun­gen auf­tre­ten.

THE­RA­PIE.

„Um Über­ge­wicht er­folg­reich zu the­ra­pie­ren, ist es wich­tig, die Ur­sa­chen zu ken­nen. Da­für kom­men ge­ne­ti­sche Fak­to­ren, fal­sche Er­näh­rungs ge­wohn­hei­ten und ein Man­gel an Be­we­gung in Fra­ge, aber auch see­li­sche Pro­ble­me kön­nen zum Vor­schein kom­men“, fasst Ki­en­reich zu­sam­men. Die Diä­to­lo­gin ist Teil ei­nes Grup­pen­pro­gramms für Kin­der und Ju­gend­li­che zwi­schen zehn und 14 Jah­ren. Enorm in form ist ein in­ter­dis­zi­pli­nä­res pro­jekt, das die wie­ner ge­biets kran­ken­kas­se in Zu­sam­men­ar­beit mit den Wie­ner Dach sport ver­bän­den und der Sigmund Freud Uni­ver­si­tät ent­wi­ckelt hat .„ Es geh tuns nicht um das Ab­neh­men al­lei­ne, Ziel ist es viel eher, ei­ne lang­fris­ti­ge ver­bes­se­rung der all­ge­mei­nen Le­bens­qua­li­tät zu er­rei­chen “, schil­der­tKi­en­re ich. Den nein chro­ni­scher Be­we­gungsm an­gel führt nicht nur da­zu, dass kin­der ihr hun­ger ge­fühl schlecht re­gu­lie­ren kön­nen. Sie ha­ben auch schwie­rig­kei­ten, sich zu kon­zen­trie­ren oder nachts durch­zu­schla­fen.

MO­TI­VA­TI­ON.

Doch wie mo­ti­viert man den Nach­wuchs zu kör­per­li­cher Ak­ti­vi­tät und ge­sun­der Er­näh­rung? Ganz ein­fach: mit gu­tem Bei­spiel vor­an­ge­hen. Des­halb ist ein zen­tra­ler er­folgs fak­tor in­der Be­ra­tung im­mer auch das Ein­be­zie­hen der El­tern und Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten .«

Ge­hen El­tern mit gu­tem Bei­spiel vor­an, ler­nen Kin­der, sich ge­sün­der zu er­näh­ren

„El­tern soll­ten eher auf fri­sche Le­bens­mit­tel set­zen an­statt auf hoch­ver­ar­bei­te­te Fer­tig­pro­duk­te. Hier ist oft­mals ex­trem viel Zu­cker ver­steckt. Ge­ra­de bei klei­nen Kin­dern ist es zu­dem wich­tig, kei­ne sü­ßen Ge­trän­ke wie et­wa Soft­drinks als all­täg­li­che Durst­lö­scher an­zu­bie­ten.“ Ni­na Ki­en­reich, Er­näh­rungs­wis­sen­schaft­le­rin und Diä­to­lo­gin

Re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung ver­bes­sert Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und die Schlaf­qua­li­tät

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