„Sal­sa auf Ku­ba – ein Aben­teu­er der be­son­de­ren Art“

TEST TANZSTUNDE

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Tri­ni­dad ist je­ne ku­ba­ni­sche Ko­lo­ni­al­stadt, in der an je­der Ecke mu­si­ziert und ge­tanzt wird. Be­son­ders der Va­len­tins­tag wird dort mit ei­nem gro­ßen Fest ge­fei­ert. Un­ser Gast­ge­ber dul­de­te kei­ne Wi­der­re­de, mei­ne Rei­se­be­glei­te­rin und ich muss­ten mit. Al­so be­such­ten wir spon­tan ei­ne pri­va­te Tanzstunde – im Wohn­zim­mer ei­ner klei­nen, be­tag­ten Ku­ba­ne­rin. Wäh­rend sie uns Sal­sa-grund­schrit­te zeig­te, muss­te sie sich zwi­schen­durch im­mer wie­der kurz auf ih­rem Schau­kel­stuhl aus­ru­hen. Mehr als ei­ne lus­ti­ge Ge­schich­te nah­men wir da­von nicht mit, wie wir am Abend fest­stell­ten. Da trau­ten wir uns näm­lich end­lich, Tanz­auf­for­de­run­gen an­zu­neh­men. „Jetzt wis­sen wir ja, wie man Sal­sa tanzt“, dach­ten wir uns. Fehl­an­zei­ge. Den Blick ver­krampft auf un­se­re Fü­ße ge­rich­tet, wir­bel­ten wir hilf­los un­se­ren Tanz­part­nern hin­ter­her. Ge­ra­de als Eu­ro­päe­rin fällt es schwer, sich auf An­hieb auf la­tein­ame­ri­ka­ni­sche Be­we­gungs­for­men ein­zu­las­sen.

Fa­zit: Sal­sa gleicht ei­nem Sport und will ge­übt sein. Es macht Sinn, ei­nen pro­fes­sio­nel­len Kurs zu be­le­gen. Was ich spä­ter zu Hau­se auch ge­macht ha­be. Mit Er­folg! Nicht nur, dass ich mich da­nach im­mer gut ge­fühlt ha­be und mit der Zeit aus­ge­las­se­ner wur­de. Bei mei­ner nächs­ten Rei­se, die mich nach Ko­lum­bi­en führ­te, funk­tio­nier­te das Tan­zen auch schon viel bes­ser. Wenn auch mit ei­nem Gläs­chen Rum zum Auf­wär­men, muss ich ge­ste­hen.

Ein­stieg in die Tanz-fit­ness kann Ori­en­tal Dan­ce sein, macht die JohnHar­ris-trai­ne­rin Lust: „Es führt wun­der­bar an die Ge­lenk­be­we­gun­gen her­an, man wird ganz weich. Als An­fän­ger ist viel­leicht ei­ne An­span­nung da, aber in wei­te­rer Fol­ge wird man lo­cke rund lässt es ein­fach flie­ßen .“All­ge­mein su­chen Ein­stei­ger ih­ren Tanz­stil nach mu­si­ka­li­schen vor­lie­ben und der­art der be­we­gung–lang­sam- flie­ßend oder schnell–aus .„ be­son­ders an Car­dio-dan­ce und Sal­sa-ae­ro­bic ist, dass bei­de kör­per hälf­ten gleich­mä­ßig ge­for­dert wer­den. Sehr an­spruchs­voll ist Mo­dern Dan­ce, da sind Vor­kennt­nis­se emp­feh­lens­wert.“Was aber al­le die­se Kur­se ge­mein­sam ha­ben: We­gen ih­rer Cho­reo­gra­fie trai­nie­ren sie auch das Ge­dächt­nis. Dass Tan­zen kei­ne Fra­ge des Al­ters ist, hat ein For­scher­team aus Mag­de­burg ge­zeigt, das 2017 mit dem hoch do­tier­ten„ theo und Friedl Schöl­ler Preis für Al­terns­for­schung“aus­ge­zeich­net wur­de.

JUNG­BRUN­NEN.

Ar­beits­grup­pen rund um Sport wis­sen­schaft­le­rin Ani­taHö­kelm an nun­dN eu­ro wis­sen­schaft­ler Not­ger Mül­ler hat­ten her­aus­ge­fun­den, dass62- bis80-jäh­ri­ge­von­ei­nem spe­zi­el­len, drei­mal wö­chent­lich be­such­ten Tanz­pro­gramm mehr pro­fi­tier­ten als von ei­nem klas­si­schen Se­nio­ren sport trai­ning. Im Ver­gleich al­ter­ten die tan­zen­den Teil­neh­mer lang­sa­mer, ihr Gleich­ge­wichts sinn ver­bes­ser­te sich ent­schei­dend und schwe­re Kom­pli­ka­tio­nen bei Stür­zen konn­ten ver­rin­gert wer­den .„ die kom­bi­na­ti­on aus sport­li­cher Be­we­gung, Kon­zen­tra­ti­on auf die rich­ti­ge schritt­fol­ge und so­zia­ler In­ter­ak­ti­on lässt im Ge­hirn neu­en er­ven­zel­len­ent ste­hen “, so Not­ger Mül­ler. So kann Tan­zen hel­fen, die Ei­gen­stän­dig­keit im Al­ter zu er­hal­ten und De­menz­er­kran­kun­gen zu ver­zö­gern .„ Tan­ze nis­te in ge­mein­sa­mes Er­le­ben, das vie­le Sin­ne an­spricht“, weiß auch Pe­tra Schön von Lil­lisBall­room, ei­nem Wie­ner Tanz­stu­dio, wo Se­hen­de und Blin­de auf­ein­an­der tref­fen( mehr da­zu auf Sei­te 38). Es hält al­so Kör­per und Geist auf vie­ler­lei Art fit: Wer will da nicht ein Tänz­chen­wa­gen– un­dih­m­schritt­für Schritt vie­le wei­te­re fol­gen las­sen?

GE­TES­TET VON MAGDALENA MEERGRAF

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