TEST GAR­TEN

Kurier Magazine - Zähne - - Medico Cover -

Seit ich mei­nen Gar­ten ha­be, weiß ich, wie sich Si­sy­phos ge­fühlt ha­ben muss. Zu­min­dest an­nä­hernd. Der Sa­ge nach muss­te der Kö­nig zu Korinth ja als Stra­fe für sei­ne Fre­vel ei­nen Fels­bro­cken den Berg hin­auf­rol­len – und im­mer, wenn er den Gip­fel er­reich­te, mach­te sich das Trumm selbst­stän­dig und kul­ler­te wie­der hin­un­ter. So er­geht es mir mit mei­nem

Gar­ten. Am Wo­che­n­en­de zup­fe ich das Un­kraut aus den Bee­ten, da­mit die­ses nicht mei­ne ge­lieb­ten Hor­ten­si­en über­wu­chert. Kaum ste­he ich auf und klop­fe mir den Staub von der Ho­se, se­he ich, wie sich schon wie­der ein Lö­wen­zahn aus der Er­de schiebt. Und es be­trifft nicht nur un­ge­be­te­ne Gäs­te im Beet: Das Gie­ßen, Zu­rück­schnei­den, Dün­gen, An­pflan­zen und Ver­set­zen ist ein ewi­ger Kreis­lauf, oh­ne An­fang, oh­ne En­de. Gar­ten­ar­beit hört nie­mals auf. War­um tut man sich das an, wenn man eh schon so viel um die Oh­ren hat? Ganz ein­fach: Wäh­rend ich dem Un­kraut den Gar­aus ma­che, fan­ge ich plötz­lich an, vor mich hin zu sum­men, ich mer­ke, wie sich das Ge­dan­ken­ka­rus­sell zu dre­hen auf­hört, wie ich ent­span­ne. Ist dann das Beet wie­der so, wie es in mei­nen Au­gen sein soll­te, stellt sich ein Glücks­ge­fühl ein, das sei­nes­glei­chen sucht. Und das macht die Mü­he und je­den ab­ge­bro­che­nen Fin­ger­na­gel wie­der wett.

Fa­zit: So viel Ar­beit ein Gar­ten auch sein mag, es ist ei­ne po­si­ti­ve Ar­beit. Ei­ne, die ent­spannt und glück­lich macht.

„Ei­ne Ar­beit oh­ne An­fang und En­de – aber vol­ler Glück“

GE­TES­TET VON AN­JA GE­RE­VI­NI

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