Von Zeit zu Zeit von der Rou­ti­ne ab­wei­chen

Kurier Magazine - Zähne - - Medico Spezial Richtiges Zähne Putzen - VON DO­RO­THE RAI­NER

» Zahn­pas­ta auf Bürs­te, Mund auf, Bürs­te rein und schrub­ben – man denkt beim täg­li­chen Zäh­ne­put­zen gar nicht mehr nach, was man tut, es ist zur Rou­ti­ne ge­wor­den. Ge­nau die kann aber zur Fol­ge ha­ben, dass sich Putz­feh­ler, die sich ein­mal ein­ge­schli­chen ha­ben, mit der Zeit ma­ni­fes­tie­ren. „Wenn man in den Mund ei­nes Pa­ti­en­ten schaut, er­kennt man so­fort die Putz-lieb­lings­stel­len, aber auch die Stief­kin­der, die bei der Pfle­ge ver­nach­läs­sigt wer­den“, weiß Co­rin­na Bruck­mann, Zahn­ärz­tin und Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin der­ös­ter­rei­chi­schen­ge­sell­schaft für Par­odon­to­lo­gie (ÖGP). Zu den Stief­kin­dern ge­hö­ren die schwer zu put­zen­den Stel­len, die Ba­cken­zäh­neund­diein­nen­flä­chen. Aber auch­stel­len, wo­das­zahn­fleisch schon ent­zün­det ist un­d­des­halb blu­tet. „Ge­ra­de die­se Stel­len ge­hö­ren be­son­ders ge­wis­sen­haft ge­rei­nigt, da­mit sich die Ent­zün­dung nicht aus­brei­tet“, so Bruck­mann. Ver­ant­wort­lich­für­die­ent­zün­dun­gist näm­lich Zahn­be­lag, auch als Plaque oder Bio­film, be­zeich­net. Da­bei han­delt es um ei­ne kleb­ri­ge Sub­stanz aus Bak­te­ri­en, die sich an der Ober­flä­che der Zäh­ne bil­det und für Ka­ries und Zahn­flei­scher­kran­kun­gen ver­ant­wort­lich ist. Sie ge­hört täg­lich weg­ge­putzt. „Ein­ma­lin24­stun­den­soll­te­die ge­sam­te Plaque von al­len Zah­no­ber­flä­chen, al­so auch den Zwi­schen­räu­men und Kau­flä­chen ent­fernt wer­den“, so die Par­odon­to­lo­gin.

ROU­TI­NE DURCH­BRE­CHEN.

Sie emp­fiehlt des­halb, die Rou­ti­ne im­mer wie­der be­wusst zu durch­bre­chen. „Ich ra­te mei­nen Pa­ti­en­ten, gleich zu Be­ginn die In­nen­sei­ten zu put­zen, dann ist man noch voll bei der Sa­che und die Zahn­pas­ta ist auch noch kon­zen­triert.“Beim Put­zen ist es wich­tig, kei­ne Stel­le im Mund aus­zu­las­sen, je­der Zahn ge­hört ein­zeln ge­putzt. Vor wahl­lo­sem Her­um­schrub­ben war­nen Ex­per­ten, bes­se­ris­tes, ein­em­putz­plan zu fol­gen. Stel­len, die schwie­ri­ger zu put­zens­ind, bei­fehl- ode­reng­stel­lun­gen, oder die hin­te­ren Be­rei­che brau- chen da­bei be­son­de­re Auf­merk­sam­keit, denn­hier­bleibt­die­plaque­be­son­ders ger­ne kle­ben. Un­ter­su­chun­gen ha­ben ge­zeigt, dass un­ent­fern­ter Be­lag spä­tes­tens nach drei Wo­chen zu ei­ner Gin­gi­vi­tis führt, ei­ner bak­te­ri­ell ver­ur­sach­ten Ent­zün­dung des Zahn­fleisch­sau­mes. Wird sie nicht be­han­delt, kann sie un­ter Um­stän­den zu ei­ner Par­odon­ti­tis füh­ren, ei­ner ernst­haf­ten Er­kran­kung des ge­sam­ten Ge­we­bes rund um den Zahn. Sicht­ba­re Ka­ries braucht in der Ent­wick­lung zwar län­ger, aber ober­fläch­li­che Schä­den am Zahn­schmelz ent­ste­hen eben­falls schnell. „Die Pa­ti­en­ten müs­sen zur Ei­gen­ver­ant­wor­tung für ih­re Zahn­ge­sund­heit er­mäch­tigt wer­den. Wir kön­nen zei­gen, wie man­rich­tig putzt und zu wel­chen Hilfs­mit­teln man grei­fen soll, aber­der­pa­ti­ent­mus­ses­zu­hau­seauch um­set­zen kön­nen“, so Bruck­mann. Zu täg­li­chen Rei­ni­gung braucht man ei­ne ent­spre­chen­de Bürs­te, ei­ne fluo­ridhal­ti­ge Zahn­pas­te und Hilfs­mit­tel, um die Zahn­zwi­schen­räu­me zu rei­ni­gen, wo­für sich an die Grö­ße der Zwi­schen­räu­me an­ge­pass­te In­ter­den­tal­bürst­chen oder in Ein­zel­fäl­len Zahn­sei­de be­wäh­ren. Bürst­chen oder wei­che Si­li­kon­sticks ha­ben den Vor­teil, dass sie leich­ter zu hand­ha­ben sind, und ei­ne ge­rin­ge­re Ver­let­zungs­ge­fahr für das Zahn­fleisch be­steht. Mund­spüllö­sun­gen aus dem Dro­ge­rie­markt kön­nen dann zum Ein­satz kom­men, wenn sie zu­sätz­lich an­ge­zeigt sind – et­wa bei ei­ner Ent­zün­dung oder wenn ein hö­he­rer Fluo­ri­die­rungs­be­darf be­steht. «

Die meis­ten Men­schen be­gin­nen mit der Zahn­rei­ni­gung rechts oben. Da­bei ist Vor­sicht ge­bo­ten, denn in die­se Rou­ti­ne kön­nen sich Putz­feh­ler ein­schlei­chen.

Dr. Co­rin­na Bruck­mann, Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin des ÖGP

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