Zeigt her eu­re Zäh­ne

Wer­den­zahn­pro­ble­me­früh­er­kannt, ist­ge­nü­gend­zeit, um­et­wai­ge­fehl­stel­lun­gen zu kor­ri­gie­ren.

Kurier Magazine - Zähne - - Medico Spezial Zahnspange - VON BAR­BA­RA STIE­GER

Manch­mal ist die Ent­täu­schung groß, wenn Kin­der in die Pra­xis von Gun­ther Tisch­ler kom­men. Al­ler­dings nicht, weil die Be­hand­lung nicht den Er­war­tun­gen ent­spricht, son­dern weil sie noch kei­ne Zahn­span­ge be­kom­men. „Rund 90 Pro­zent der Fehl­stel­lun­gen soll­ten bes­ser erst kor­ri­giert wer­den, wenn al­le blei­ben­den Zäh­ne durch­ge­bro­chen sind“, weiß Zahn­arzt und Kie­fer­or­tho­pä­de Gun­ther Tisch­ler. Vom blei­ben­den Ge­biss spricht man erst dann, wenn­al­le Zäh­ne– bis auf die Weis­heits­zäh­ne – voll­stän­dig ent­wi­ckelt sind. Denn wäh­rend das Milch­ge­biss aus 20 Zäh­nen be­steht, sind es beim blei­ben­den im­mer­hin 32 Zäh­ne.

KOR­REK­TU­REN.

Weil sich in je­der Wachs­tums­pha­se Fehl­stel­lun­gen aus­bil­den kön­nen, ist ei­ne re­gel­mä­ßi­ge Kon­trol­le durch den Zahn­arzt un­be­dingt nö­tig. „Im bes­ten Fall soll­ten die Zäh­ne des Kin­des im Al­ter von sechs oder sie­ben Jah­ren zu­dem von ei­nem Kie­fer­or­tho­pä­den be­gut­ach­tet wer­den“, rät der Ex­per­te. Wich­tig sei das des­halb, da­mit kei­ne Zeit ver­säumt wird, denn es gä­be durch­aus Fehl­stel­lun­gen, die vom Fach­mann be­reits im Wachs­tum kor­ri­giert wer­den soll­ten. Dasei es gut und vor al­lem wich­tig, rasch und recht­zei­tig zu han­deln. Ge­han­delt hat man auch sei­tens des Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums, als man 2015 die Gra­tis-zahn­span­ge für Kin­der und Ju­gend­li­che in Ös­ter­reich

ein­führ­te. Ein so­zia­ler Auf­trag, der für den Kie­fer­or­tho­pä­den ei­nen Mei­len­stein im Ge­sund­heits­be­reich dar­stellt. „Die Leu­te wer­den die Fol­gen erst in ein paar Jah­ren se­hen. Schön ist, dass Kin­der ein Be­wusst­sein da­für be­kom­men, wie wich­tig ge­sun­de Zäh­ne und de­ren Pfle­ge ist“, so Tisch­ler.

DRUCK & DREH­MO­MENT.

Die Zahn­span­ge ist für Kin­der und Ju­gend­li­che al­ler­dings nur dann kos­ten­los, wenn ih­re Zäh­ne ei­ne Min­dest­ab­wei­chung von der idea­len Zahn­stel­lung auf­wei­sen. Die Fehl­stel­lung muss ei­nen Schwe­re­grad der Stu­fe IOTN 4 oder 5 auf­wei­sen. Dies wird vom Ver­trags­kie­fer­or­tho­pä­den ein­ge­stuft. Grund­sätz­lich brau­chen Kin­der und Ju­gend­li­che ei­ne Zahn­span­ge, wenn ei­ne Ge­biss- oder Kie­fer­fehl­stel­lung vor­liegt. Das kann zu funk­tio­nel­len Be­ein­träch­ti­gun­gen füh­ren. Fehl­stel­lun­gen kön­nen Sprach-, Schluck- und At­mungs­be­schwer­den ver­ur­sa­chen, die Zäh­ne, et­wa durch Abrieb, schä­di­gen oder bei der Mund­hy­gie­ne mas­siv be­hin­dern. Die Zäh­ne las­sen sich am ef­fek­tivs­ten mit fest­sit­zen­den Zahn­span­gen re­gu­lie­ren. Der Kie­fer­or­tho­pä­de be­klebt hier­für die Zäh­ne mit Bra­ckets und ver­bin­det sie an­schlie­ßend mit ei­nem Draht­bo­gen. Da­nach wird der Bo­gen mit ei­nem Me­tall­draht an den Bra­ckets be­fes­tigt, bzw. gibt es auch Bra­ckets die da­für Schlös­ser ha­ben. Da­durch wird der rich­ti­ge Druck oder Zug bzw. das rich­ti­ge Dreh­mo­ment auf je­den ein­zel­nen Zahn aus­ge­übt. Die Be­hand­lungs­dau­er be­trägt zwi­schen ei­nem und drei Jah­ren. Wer die Gra­tis-zahn­span­ge be­kommt, muss zwar nichts zah­len, je­doch ein we­nig Ei­gen­ver­ant­wor­tung über­neh­men, um im Pro­gramm zu blei­ben. Vor­aus­set­zung sind ei­ne per­fek­te Mund­hy­gie­ne, das Ein­hän­gen der klei­nen Elas­tics zwi­schen Un­ter­und Ober­kie­fer und ein­mal im Mo­nat in der Pra­xis zu er­schei­nen. „Bei die­sen Ter­mi­nen wird nach­jus­tiert; da sich die Zahn­stel­lung durch die Be­hand­lung än­dert, kann es sein, dass Bra­ckets um­ge­klebt oder der Draht er­neu­ert wer­den muss“, weiß Tisch­ler.

ZIEL­GE­RA­DE.

Nach Ab­schluss der Be­hand­lung kommt meist ein so­ge­nann­ter „Re­tai­ner“zum Ein­satz. Das ist ent­we­der ei­ne ab­nehm­ba­re Kunst­stoff­schie­ne oder ein auf der Zah­n­in­nen­sei­te be­fes­tig­ter dün­ner Draht. Die­se die­nen da­zu, die Zäh­ne lang­fris­tig in der ge­wünsch­ten Po­si­ti­on zu hal­ten. Bei so viel Me­tall im Mund­drängt sich die Fra­ge nach der rich­ti­gen Rei­ni­gung auf, denn die na­tür­li­che Selbst­rei­ni­gung des Mun­des durch Spei­chel, Zun­ge, Wan­gen und Lip­pe ist durch die fes­te Span­ge ein­ge­schränkt. Des­halb ist es un­um­gäng­lich, dass nach je­der Mahl­zeit die Zäh­ne ge­putzt wer­den, um Spei­se­res­te und Plaque zu ent­fer­nen. Nach dem aus­führ­li­chen Put­zen der Zäh­ne kann man mit ei­ner Spüllö­sung wei­ter vor­beu­gen. Hil­fe­stel­lung für ein gründ­li­ches und rich­ti­ges Putz­ver­hal­ten wird in der Zahn­arzt­pra­xis ger­ne ver­mit­telt.

Kie­fer­or­tho­pä­de, DDR. Gun­ther Tisch­ler

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