Früh übt sich

Schon bei Kin­dern sind täg­li­che Rei­ni­gung und Mund­hy­gie­ne so­wie re­gel­mä­ßi­ge Kon­trol­len zur Pro­phy­la­xe ein Muss. Macht sich den­noch ein­mal Ka­ries breit, kön­nen Voll­nar­ko­se und Lach­gas den Kin­dern Angst und Schmer­zen neh­men.

Kurier Magazine - Zähne - - Medico Spezial Kinderzahnpflege - VON JU­LIA GSCHMEIDLER

» Ein­fach hin­set­zen, Mund auf­ma­chen und den Zahn­arzt ar­bei­ten las­sen – das funk­tio­niert bei Kin­dern nicht. Bei den Klei­nen ist vor al­lem wich­tig, vor der Be­hand­lung ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis zu­schaf­fen­und­dem Kind die Scheu zu neh­men. Das be­ginnt schon frü­her, als man glau­ben wür­de, näm­li­ch­als­säug­ling, be­vor­das Ba­by über­haupt noch Zäh­ne hat. Wenn­die­el­tern­den­s­äug­ling­beiih­rer ei­ge­nen Zahn­arzt­be­hand­lung mit in die Or­di­na­ti­on neh­men, ge­wöhnt sich die­ser be­reits an die bis da­hin un­ge­wöhn­li­chen Ge­räu­sche von Ab­sau­ger un­d­boh­rer.„au­ßer­dem­kön­nen­wir »

dann gleich Lip­pen- und Zun­gen­bänd­chen be­fun­den“, sagt Ly­dia Bu­sen­lech­ner, die mit ih­rem Mann die Sleep&smi­le-kli­nik in Wi­en lei­tet. Wä­re bei­spiels­wei­se das Zun­gen­bänd­chen zu kurz, könn­te es zu ei­ner Be­ein­träch­ti­gung beim­trin­ken­kom­men, meint die Kin­der­zahn­ärz­tin.

STE­TI­GE KON­TROL­LE.

Spä­tes­tens wenn die ers­ten Milch­zäh­ne kom­men, soll­te mit­der­zahn­rei­ni­gungzu­hau­se be­gon­nen und die­se re­gel­mä­ßig beim Zahn­arzt kon­trol­liert wer­den, emp­fiehlt Bu­sen­lech­ner. „Wenn ich ein Kind mit fünf Jah­ren das ers­te Mal se­he, wenn es schon Schmer­zen hat, ist es ei­gent­lich schon zu spät, dann re­pa­rie­ren wir nur mehr. Da­bei wol­len wir Pro­phy­la­xe be­trei­ben und die schö­nen Zäh­ne be­hal­ten“, sagt sie. Ganz wich­tig sei, die Ka­ries auch von den Milch­zäh­nen ent­fer­nen zu las­sen, da Ka­ries ei­ne bak­te­ri­el­le Er­kran­kung ist, die man­nicht– wie vie­le an­de­re Bak­te­ri­en – rein mit An­ti­bio­ti­kum be­kämp­fen kann. „Es ist ei­ne grund­fal­sche Aus­sa­ge zu be­haup­ten, dass das Milch­zäh­ne sind, die eh aus­fal­len und nicht be­han­delt wer­den­müs­sen. Die­ka­ri­es­bak­te- ri­en blei­ben im Mund, grei­fen auf die blei­ben­den Zäh­ne über und der Zahn schmilzt wie die But­ter in der Son­ne weg“, sagt­die­zahn­ärz­tin. Da­die­bak­te­ri­en­über­tra­gung auch über den Spei­chel er­folgt, ist es wich­tig, we­der Sau­ger noch Schnul­ler und Löf­fel der Kin­der als Er­wach­se­ner in den Mund zu neh­men. Müs­sen die Ärz­te bei Kin­dern den­noch zum Boh­rer grei­fen, um die Ka­ries zu ent­fer­nen, soll­te dies auf ein­fühl­sa­me Wei­se und in ei­ner ei­gens kon­stru­ier­ten Spra­che pas­sie­ren. So wird aus dem Boh­ren die „Stra­ßen­rei­ni­gung, die­über­die­zäh­ne­fährt“. Ly­dia Bu­sen­lech­ner ar­bei­tet zu­dem mit der Kon­fu­si­ons­tech­nik, durch die die Kin­der in ei­nen hyp­no­ti­schen Zu­stand ver­setzt wer­den. Ge­mein­sam mit ei­ner ge­schul­ten As­sis­ten­tin er­zählt sie ei­ne Ge­schich­te über blaue Hun­de mit Zip­fel­müt­zen und ro­ten Gum­mi­stie­feln, die auf grü­nen Wie­sen im Schnee ste­hen. „Es ist voll­kom­men sinn­ent­leert, was wir sa­gen, aber über­la­den das Kind mit In­for­ma­tio­nen. Man­sieht­förm­lich, wie das Kind im Kopf mit­denkt und voll­kom­men durch­ein­an­der­kommt“, er­zählt sie aus ih­rer Er­fah­rung. Ne­ben die­ser Tech­nik gibt es aber auch­no­chan­de­re­mög­lich­kei­ten, Kin­dern ei­ne schmerz- und angst­freie Be­hand­lung zu er­mög­li­chen. Bei sehr klei­nen Kin­dern so­wie Men­schen mit geis­ti­ger Be­ein­träch­ti­gung kommt vor al­lem die In­tu­ba­ti­ons­nar­ko­se zum Ein­satz. Hier­für müs­sen im Vor­feld Be­fun­de­er­ho­ben­so­wie­di­enar­ko­se­an sich be­spro­chen wer­den, au­ßer­dem muss der Kin­der­arzt ei­ne Frei­ga­be ge­ben. Ne­ben dem Zahn­arzt sind auch Anäs­the­sis­ten vor Ort, um die Kin­der wäh­rend der Nar­ko­se und des Auf­wa­chens zu über­wa­chen. We­ni­ger Vor­be­rei­tung be­nö­tigt das Lach­gas, bei dem die Kin­der nicht nüch­tern sein müs­sen und kurz nach der Be­hand­lung auch wie­der nach Hau­se ge­hen kön­nen. „Man nennt Lach­gas auch den­cham­pa­gner­der­zahn­ärz­te, es­be­ein­träch­tigt nicht das Be­wusst­sein, aber ent­spannt und man kann es nicht über­do­sie­ren“, sagt Bu­sen­lech­ner.

ZAHN­PFLE­GE.

Da­mit es erst gar nicht so weit kommt, dass bei Kin­dern der Boh­rer zum Ein­satz kommt, ist die Mund­hy­gie­ne aus­schlag­ge­bend. Auch­wenn­sich­man­che­klei­ne­kin­der mit Hän­den und Fü­ßen vor dem Zäh- ne­put­zen weh­ren, soll­ten El­tern et­was fin­den, das die Kin­der fas­zi­niert un­d­so vom Put­zen ab­lenkt. Sleep&smi­leLei­te­rin Bu­sen­lech­ner emp­fiehlt ei­ne elek­tri­sche Zahn­bürs­te statt ei­ner Hand­zahn­bürs­te. „Wenn das Kind schon mal den Mund of­fen hat, kann ei­ne ro­tie­ren­de Bürstein­ei­nem­kur­zen Zei­t­raum mehr put­zen“, sagt sie. Ei­ne spie­le­ri­sche Lö­sung hat das ös­ter­rei­chi­sche Un­ter­neh­men Play­brush ent­wi­ckelt. Der in­tel­li­gen­te Zahn­bürs­ten­auf­satz über­setzt je­de Putz­be­we­gung des Kin­des über Blue­tooth in ein Spiel am Ta­blet oder Smart­pho­ne. So kann das Kind die Spiel­fi­gur mit den

ei­ge­nen Putz­be­we­gun­gen steu­ern, wäh­rend Be­we­gungs­sen­so­ren das Putz­ver­hal­ten mes­sen und di­rekt da­nach den El­tern Feed­back lie­fern. Ne­ben dem blo­ßen Put­zen der Zäh­ne rät die Kin­der­zahn­ärz­tin au­ßer­dem da­zu, auch schon beim Milchzahngebiss Zahn­sei­de zu ver­wen­den. „Die Ba­cken­zäh­ne ste­hen ge­nau­so eng wie beim Er­wach­se­nen­ge­biss, da kommt die bes­te Zahn­bürs­te der Welt nicht hin­ein“, sagt sie und emp­fiehlt da­her nach der abend­li­chen Zahn­rei­ni­gung den Griff zur Zahn­sei­de. Aber auch mit der min­des­tens ein Mal pro Jahr statt­fin­den­den Mund­hy­gie­ne beim Zahn­arzt soll­te schon früh be­gon­nen wer­den. Durch­die­se­wird­das­kind­de­sen­si­bi­li­siert und ei­ne Ver­trau­ens­ba­sis durch spie­le­ri­sches Her­an­tas­ten er­mög­licht.„pro­phy­la­xe ist für uns das Al­ler­wich­tigs­te. Das wol­len wir auch den El­tern mit­ge­ben. Da­mit es nicht zu Ka­ries kommt, hel­fen gu­te Pfle­ge, Er­näh­rung und fluo­ridhal­ti­ge Zahn­pas­ta“, sagt Bu­sen­lech­ner. Ihr ist aber auch wich­tig zu er­wäh­nen, dass Kin­der eben kei­ne klei­nen Er­wach­se­nen sei­en und ge­ra­de der Fak­tor Zeit bei der Be­hand­lung von Kin­dern ein aus­schlag­ge­ben­der sei, um­das Ver­trau­en der Kin­der zu ge­win­nen. «

Dr. Ly­dia Pia Bu­sen­lech­ner, Kin­der­zahn­ärz­tin

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