Fest­ge­schraubt

Der schö­ne Schein: Wer es sich ir­gend­wie leis­ten kann, lässt sich im Al­ter Zahn­im­plan­ta­te ma­chen. Die Be­din­gun­gen da­für wer­den im­mer güns­ti­ger.

Kurier Magazine - Zähne - - Medico Spezial Implantate - VON ANDREA KRIE­GER

» Zahn­ver­lust ge­hört zu den häu­figs­ten Alb­träu­men, wort­wört­lich. Sie ste­hen für schwin­den­de Durch­set­zungs­kraft, al­so Zahn­lo­sig­keit im über­tra­ge­nen Sinn. An tat­säch­li­cher Zahn­lo­sig­keit kie­felt so man­che Psy­che erst recht schwer. Und die her­aus­nehm­ba­re Zahn­pro­the­se ist auch kein gro­ßer Sym­pa­thie­trä­ger. Das lässt die Nach­fra­ge an Im­plan­ta­ten bzw. fest­sit­zen­dem Zahn­er­satz in die Hö­he schie­ßen und treibt de­ren Wei­ter­ent­wick­lung vor­an. Was­lai­en Im­plan­tat nen­nen, be­steht ei­gent­lich aus zwei Tei­len: Ei­ne im Kie­fer­kno­chen zu ver­an­kern­de Schrau­be aus Titan oder Ke­ra­mik gilt in der Fach­spra­che als das ei­gent­li­che Im­plan­tat. Hin­zu kommt der Auf­satz dar­über in Form ei­ner spe­zi­el­len Kro­ne bzw. Brü­cke.

Wie teu­er, schmerz­haft und lang­wie­rig ist die Pro­ze­dur heu­te? Die gu­te Nach­richt: Fi­xe Zahn­lö­sun­gen sind dank neu­er Tech­ni­ken und Vor­ge­hens­wei­sen bil­li­ger ge­wor­den ( sie­he Text­kas­ten kom­men­de Sei­te). „Hat man frü­her bei ei­nem zahn­lo­sen Kie­fer lau­ter ein­zel­ne Im­plan­ta­te­ge­setzt, gel­ten heu­te sechs bis acht Schrau­ben mit dar­an fi­xier­ten Brü­cken als op­ti­mal“, sagt Zahn­arzt Micha­el Pay­er von der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für »

Im­plan­to­lo­gie. Ei­ne Er­spar­nis vo­n­ins­ge­samt 30 Pro­zent bringt die bil­ligs­te Va­ri­an­te mit nur vier Schrau­ben pro Kie­fer, an de­nen dan­nei­ne Pro­the­se fi­xiert wird. Ei­ne Im­plan­ta­ti­on er­folgt meist un­ter Lo­kala­n­äs­the­sie. Die ei­nen­lei­denda­na­ch­kaum, an­de­r­ewie­der­um füh­len sich ei­ne Wo­che au­ßer Ge­fecht ge­setzt. Ge­ne­rell ha­ben die Schmer­zen durch scho­nen­de­re Me­tho­den ab­ge­nom­men. „Im Ver­gleich zur Ent­fer­nung des Weis­heits­zah­nes emp­fin­den Pa­ti­en­ten ei­ne Im­plan­ta­ti­on als we­ni­ger un­an­ge­nehm“, sagt Micha­el Pay­er. Drei bis sechs Mo­na­te braucht die Schrau­be zum Ein­hei­len. Erst dann wird in der Re­gel das Pro­vi­so­ri­um dar­über ge­gen den end­gül­ti­gen Kro­nen­oder Brü­cken-auf­satz ge­tauscht. Kraft­voll zu­bei­ßen kann man na­tür­lich be­reits mit dem Pro­vi­so­ri­um. Beim „So­fort-im­plan­tat“er­folgt die Im­plan­ta­ti­on di­rekt auf das Zäh­ne­zie­hen. Pay­er rät im Sicht­be­reich al­ler­dings von So­fort-im­plan­ta­ten ab. „Spe­zi­ell bei den obe­ren Schnei­de­zäh­nen kann die Schrau­be un­ter der Schleim­haut zum Vor­schein kom­men. Al­so nach der Ex­trak­ti­on lie­ber ein bis zwei Mo­na­te mit dem Im­plan­tat war­ten.“

KNO­CHEN-FRA­GE.

Wie lang­wie­rig, teu­er und schmerz­haft die Pro­ze­dur wird, hängt nicht zu­letzt vom Kie­fer ab. Denn bis zu zwei Drit­tel al­ler Pa­ti­en­ten ha­ben zu we­nig Kno­chen­ma­te­ri­al. Zahn­lü­cken und Ent­zün­dun­gen, auch die des Zahn­flei­sches, las­sen es schwin­den. Dann heißt es Nach­hel­fen. Schlimms­ten­falls muss bei ei­nem kur­zen Spi­tals­auf­ent­halt zwecks Trans­plan­ta­ti­on ein Stück­chen Hüft­kno­chen ent­nom­men wer­den. Öf­ter kann ge­nug Kno­chen­ma­te­ri­al beim Boh­ren oder per Ul­tra­schall­tech­nik aus dem Un­ter­kie­fer­win­kel ge­won­nen wer­den. „Das fühlt sich ähn­lich an wie die Ent­fer­nung des Zahn­steins.“Aus Sta­bi­li­täts­grün­den wird das ei­ge­ne Kno­chen- meist mit Kno­chen­er­satz­ma­te­ri­al ge­mischt. In den al­ler­meis­ten Fäl­len fehlt je­doch so we­nig Kno­chen, dass die­ser ver­stärkt und gleich­zei­tig das Im­plan­tat ein­ge­setzt wer­den kann. Sind die Kno­chen­ver­hält­nis­se op­ti­mal, braucht es durch die neue 3-DDia­gnos­tik und Be­hand­lungs­pla­nung nicht ein­mal ei­nen Schnitt. Bei der so­ge­nann­ten na­vi­gier­ten Im­plan­ta­ti­on wird im Vor­feld auf Ba­sis von3-d-auf­nah­men­ei­ne­bohr­scha­blo­ne an­ge­fer­tigt. Vor­aus­set­zung da­für ist eine­com­pu­ter­to­mo­gra­fie­oder­ei­ne „di­gi­ta­le Vo­lu­men­to­gra­fie.“Der Vor­teil die­ser­bild­ge­ben­den­ver­fah­ren: Sie zei­gen nicht nur, wie hoch, son­dern auch wie breit der Kno­chen ist und stel­len oben­drein den Ver­lauf des Nervs im Un­ter­kie­fer dar. „Der Ha­ken ist die hö­he­re Strah­len­be­las­tung“, sagt Pay­er un­d­be­tont: „Er­fah­re­ne Im­plan­to­lo­gen kön­nen gut ab­schät­zen, ob es sich um ei­nen kom­pli­zier­ten Fall han­delt, wo­ein 3-D-rönt­gen sinn­voll ist. 3-D-dia­gnos­tik soll ja kein Ge­schäfts­mo­dell sein.“

Doch wie fin­det man Zahn­ärz­te mit ge­nug im­plan­to­lo­gi­scher Er­fah­rung? Der Ver­ein für Kon­su­men­ten­in­for­ma­ti­on rät dies­be­züg­lich, den Arzt nach der An­zahl der be­reits ge­setz­ten Im­plan­ta­te so­wie der Er­folgs­ra­te zu fra­gen. Fakt ist, dass je­des zehn­te Im­plan­tat kei­ne zehn bis 15 Jah­re über­lebt. Nicht im­mer hei­len Im­plan­ta­te al­so gut ein, vor al­lem bei Rau­chern und schlecht ein­ge­stell­ten Dia­be­ti­kern nicht. Oder sie ge­hen wie­der ab, et­wa durch ei­ne Pe­ri­im­plan­ti­tis, ei­ne bak­te­ri­el­le Schleim­haut­ent­zün­dung in­fol­ge ei­ner Im­plan­ta­ti­on. Be­schwer­den, mit de­nen auch die Wie­ner Pa­ti­en­ten­an­wäl­tin Si­grid Pilz kon­fron­tiert ist.

DIS­ZI­PLIN UND FEIN­MO­TO­RIK.

Die Zahn­ärz­te­un­ter­strei­chen, wie­wich­tig re­gel­mä­ßi­ge Mund­hy­gie­ne- und Kon­troll­ter­mi­nes­ind. Vie­l­es­steht­und fällt auch­mit­dem­täg­li­chen­ge­brauch von Zahn­bürs­te und In­ter­den­tal­bürs­te bzw. Zahn­sei­de für die Zahn­zwi- schen­räu­me. „Das al­ler­dings kann im Al­ter ein Pro­blem sein“, weiß Pay­er. „Ei­ni­ge Pa­ti­en­ten kom­men mit lan­gen Lei­dens­ge­schich­ten“, schil­dert Si­grid Pilz aus Sicht der Pa­ti­en­ten­an­wäl­tin. Sie hört öf­ter von schlecht sit­zen­den Im­plan­ta­ten, die zu Span­nungs­schmer­zen und Pro­ble­men beim­bei­ßen­füh­ren. Auch­der­nervim Un­ter­kie­fer kan­nir­ri­tiert oder be­schä­digt sein. „Man­che Pa­ti­en­ten wol­len we­gen schlech­ter Er­fah­run­gen den Zahn­arzt wech­seln, fin­den aber schwer­je­mand, der­die­ar­beit­des­kol­le­gen im In- oder Aus­land kor­ri­gie­ren möch­te. An­de­re zwei­feln an, ob die im Kos­ten­vor­an­schlag auf­ge­lis­te­ten Pos­ten al­le nö­tig sind.“Manch­ma­list­die­gu­te­al­te­brü­cke­ei­ne güns­ti­ge­re Al­ter­na­ti­ve zu Zäh­nen an Schrau­ben. Ins­be­son­de­re, wenn die Zäh­ne ne­ben der Lü­cke be­reits stark plom­biert sind. Ge­ne­rell ge­gen ei­ne Im­plan­ta­ti­on spre­chen Krebs­be­hand­lun­gen oder ein schlech­ter Ge­sund­heits­zu­stand im All­ge­mei­nen. «

DDR. Micha­el Pay­er, Ös­ter­rei­chi­sche Ge­sell­schaft für Im­plan­to­lo­gie

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