Der Zahn der Zeit

Wo­hin ent­wi­ckelt sich die Den­tal­me­di­zin? Wir ha­ben das den re­nom­mier­ten Zahn­me­di­zi­ner Andre­as Mo­ritz, Lei­ter der Uni­ver­si­täts­zahn­kli­nik Wi­en, ge­fragt. Ein ziem­lich un­glaub­li­cher Aus­blick.

Kurier Magazine - Zähne - - Medico Spezial Zukunft - VON CORDULA PUCHWEIN

» Wel­cher Wan­del sich in der Zahn­me­di­zin der­zeit voll­zieht, wie mo­dern und pul­sie­rend das Fach­ge­biet heu­te ist, of­fen­bart schon rein op­tisch ein Rund­gang an der Uni­ver­si­täts­zahn­kli­nik Wi­en. Nach sie­ben Jah­ren Um­bau­prä­sen­tiert­sich­der­ge­bäu­de­kom­plex, in dem seit über 200 Jah­ren Zahn­ärz­te aus­ge­bil­det wer­den, ar­chi­tek­to­nisch und fach­lich im Top­zu­stand. „Mit 400 Mit­ar­bei­tern, 40.000 Pa­ti­en­ten und 140.000 Be­hand­lun­gen pro Jahr sind wir ei­ne der größ­ten und mo­derns­ten Uni­ver­si­täts­zahn­kli­ni­ken Eu­ro­pas“, sagt der ärzt­li­che Lei­ter, Andre­as Mo­ritz. An „sei­ner“Kli­nik­wird­die­zu­kunft­der­zahn­me­di­zin neu ge­dacht, mit­ge­stal­tet, vor­an­ge­trie­ben. Wer könn­te uns al­so bes­ser ei­nen Aus­blick in die Zu­kunft der Den­tal­me­di­zin ge­ben als der re­nom­mier­te Zahn­me­di­zi­ner. »

Ei­ne Fra­ge, die sich vie­le Men­schen, die je­mals ei­nen Zahn ver­lo­ren ha­ben, schon ein­mal ge­stellt ha­ben: Wann wird es end­lich nach­wach­sen­de Zäh­ne ge­ben? Das ist bei Wei­tem nicht so uto­pisch, wie es klingt. „Züch­ten von Zäh­nen durch Stamm­zel­len ist ei­ne zu­kunfts­wei­sen­de Sa­che. In Ja­pan ist man da auf ei­nem gu­ten Weg“, sagt Andre­as Mo­ritz. Bei Kno­chen funk­tio­niert die Nach­zucht ja be­reits, war­um al­so ma­chen wie­der ein­mal die Zäh­ne Pro­ble­me? Mo­ritz: „Die For­schung ist äu­ßerst kom­plex, da ein Zahn ver­schie­dens­te Ma­te­ria­li­en in sich ver­eint, et­wa Schmelz, Den­tin, Ze­ment. Hin­zu­kommt noch die Zahn­pul­pa, al­so das Zahn­mark, mit ei­ner Viel­zahl an spe­zia­li­sier­ten Zel­len. Al­so al­les Ma­te­ria­li­en un­ter­schied­lichs­ter Be­schaf­fen­heit. In­no­va­ti­ve Bio­dru­cker, im Rah­men des M3d­res-pro­jek­tes durch die Ös­ter­rei­chi­sche For­schungs­för­de­rungs­ge­sell­schaft ge­för­dert, wer­den es uns in Zu­kunft er­mög­li­chen, ganz vor­ne in der Ent­wick­lung da­bei zu sein.“

AN­RE­GEN­DE ME­THO­DE.

Wäh­rend sich die Ja­pa­ner al­so der Nach­zucht wid­men, forscht man in Wi­en an der Pul­pa­re­ge­ne­ra­ti­on. Auch­hier­wird­auf schier Un­fass­ba­res hin­ge­ar­bei­tet, in- dem ver­sucht wird, to­te Zäh­ne wie­der ins Ge­we­be – auf Ba­sis ei­nes ste­ri­len Ni­veaus im Wur­zel­ka­nal – zu re­vi­ta­li­sie­ren. Sa­lopp ge­sagt: Man will to­te Zäh­ne an­spor­nen, sich selbst zu re­ge­ne­rie­ren. „Die Pul­pa­re­ge­ne­ra­ti­on ist ein re­la­tiv neu­es For­schungs­ge­biet. Wir ar­bei­ten der­zeit in vi­tro hart dar­an. Ich schät­ze, dass wir in zehn Jah­ren so weit sind, um das Ver­fah­ren in stan­dar­di­sier­ter Form am Pa­ti­en­ten an­zu­wen­den.“

IN AL­LER MUN­DE.

Ab­ge­se­hen von der Grund­la­gen­for­schung be­ruht ein Gut­teil des zahn­me­di­zi­ni­schen Fort­schritts auf der Di­gi­ta­li­sie­rung. Die Cad/cam-tech­no­lo­gie, bei der Zahn­er­satz via Com­pu­ter in­di­vi­du­ell ge­plant, de­si­gned und au­to­ma­tisch aus ver­schie­dens­ten Ma­te­ria­li­en ge­fräst wird ( sie­he In­fo­kas­ten), ist seit gut zehn Jah­ren ein Stan­dard­ver­fah­ren in der Zahn­me­di­zin. Auch hier gibt es stän­dig Up­dates, die das Sys­tem wei­ter per­fek­tio­nie­ren. „Was in den nächs­ten Jah­ren in die­sem Zu­sam­men­hang noch stär­ker an Be­deu­tung ge­win­nen wird, ist das so­ge­nann­te CAI, Com­pu­ter As­sis­ted Im­pres­si­on, am Zahn­arzt­stuhl. Hier wird der Mund­mit­tels­in­traora­lem Scan­ner ge­filmt. Die Auf­nah­me ist um­ge­hend

am Com­pu­ter ver­füg­bar. An­hand der Bild­da­ten kann man das Werk­stück so­fort de­si­gnen.“Da­mit wird man künf­tig läs­ti­ge Ab­drü­cke um­ge­hen und, „das ist das viel We­sent­li­che­re: Der di­gi­ta­le Ab­druck ist äu­ßerst prä­zi­se. Ein Um­stand, der uns vor al­lem bei der So­fort­im­plan­tat-ab­for­mung zu­gu­te­kom­men wird“, sagt Mo­ritz und un­ter­streicht ein­mal mehr die Prä­zi­si­on und Schnel­lig­keit neu­er Sys­te­me. „Viel­fach wer­den die Da­ten in­tra­ope­ra­tiv, al­so noch wäh­rend der Pa­ti­en­ta­m­be­hand­lungs­stuhl­liegt, an den PC des Zahn­tech­ni­kers ge­sen­det. Der greift un­mit­tel­bar dar­auf zu und der Pa­ti­ent be­kommt in we­ni­ger als ei­ner St­un­de ein in­di­vi­du­ell ge­fer­tig­tes, hoch äs­the­ti­sches Pro­vi­so­ri­um.“Mög­lich wird all das erst durch neu­ar­ti­ge Werk­stof­fe, die nur mehr mit di­gi­ta­len Tech­ni­ken be­ar­bei­tet wer­den kön­nen. Auch da lau­fen an der Kli­nik Stu­di­en, denn es braucht Ma­te­ria­li­en, die sich vor al­lem gut frä­sen oder dru­cken las­sen. „Künf­tig wird man vie­le zahn­ärzt­li­che Re­stau­ra­tio­nen – von der Kro­ne bis zum Im­plan­tat – sehr ge­nau und da­bei doch ganz ein­fach aus bio­kom­pa­ti­blen Werk­stof­fen dru­cken kön­nen. Der Zahn aus dem Dru­cker wird de­fi­ni­tiv kom­men.“«

Univ. Prof. DDR. Andre­as Mo­ritz, Lei­ter der Uni­ver­si­täts­zahn­kli­nik Wi­en

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