Neue Kam­pa­gne FPÖ nimmt Kurz-ÖVP als Haupt­geg­ner ins Vi­sier

Stra­che ver­schärft sei­nen Kurs und pla­ka­tiert sich als Her­aus­for­de­rer des Au­ßen­mi­nis­ters

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON CHRIS­TI­AN BÖH­MER UND BERN­HARD GAUL

Um­fra­ge­kai­ser ÖVP-Chef Se­bas­ti­an Kurz be­rei­tet nicht nur den Ro­ten, son­dern auch den Blau­en Kopf­zer­bre­chen. Nun star­tet FPÖ-Chef Heinz-Chris­ti­an Stra­che neu­er­lich ei­nen An­griff auf Kurz – und ver­sucht, in sei­nen (ehe­ma­li­gen) Kern­the­men zu punk­ten: Aus­län­der und Mi­gra­ti­on. Er greift mit Pla­ka­ten Kurz di­rekt an, aber auch sein Ton wird schär­fer. Stra­che will, dass sy­ri­sche Flücht­lin­ge jetzt wie­der zu­rück­keh­ren, der Krieg sei vor­bei. Ex­per­te Fritz Plas­ser be­zwei­felt, dass Stra­ches Kurs er­folg­reich sein kann.

Fünf Wo­chen vor der Wahl und an­ge­sichts ma­ge­rer Um­fra­ge­er­geb­nis­se ver­schärft FPÖ-Chef Heinz-Chris­ti­an Stra­che sei­nen Kurs. Jetzt nimmt er ÖVP-Chef Se­bas­ti­an Kurz per­sön­lich ins Vi­sier – mit ei­nem ei­ge­nen Wahl­pla­kat und här­te­ren An­sa­gen in der Flücht­lings­po­li­tik.

Am Frei­tag hat Stra­che die zwei­te Pla­kat­wel­le der Frei­heit­li­chen prä­sen­tiert. Und das Su­jet ist in­so­fern über­ra­schend, als es nicht nur den Spit­zen­kan­di­da­ten der Blau­en, son­dern auch ÖVP-Par­tei­chef Se­bas­ti­an Kurz zeigt. Wäh­rend die Volks­par­tei „Der Is­lam ge­hört zu Ös­ter­reich“pro­pa­gie­re, sei er, Stra­che, für ei­nen Stopp der Is­la­mi­sie­rung, so die Bot­schaft.

Die Fra­ge ist: Kann das funk­tio­nie­ren? Ist es klug, den in den Um­fra­gen füh­ren­den ÖVP-Chef zu af­fi­chie­ren?

„Ganz grund­sätz­lich ist das ei­ne Wahl­kampf-Tech­nik, die in den USA sei Jahr- zehn­ten be­währt ist“, sagt Fritz Plas­ser, Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler und Ex­per­te für USWahl­kämp­fe. „In Ame­ri­ka wird die­ses ,Attack Ad­ver­ti­sing’ in TV-Spots ge­nau so ver­wen­det. Zu­nächst wird die Bot­schaft des Geg­ners lan­ciert, dann die ei­ge­ne An­sa­ge nach­ge­reicht.“

Ge­ne­rell könn­ten der­ar­ti­ge Wahl­kampf-Me­tho­den in Ös­ter­reich si­cher funk­tio­nie­ren. Im kon­kre­ten Fall ist Plas­ser aber skep­tisch. „Se­bas­ti­an Kurz hat sich über Mo­na­te hin­weg ei­ne kri­tisch­har­te und sehr ak­zen­tu­ier­te Po­si­ti­on auf­ge­baut. Ich wa­ge zu be­zwei­feln, ob es jetzt noch ge­lin­gen kann, beim Zu­wan­de­rungs- oder In­te­gra­ti­ons­the­ma sei­ne Glaub­wür­dig­keit zu er­schüt­tern.“

Flücht­lin­ge zu­rück

Stra­che ver­sucht’s den­noch – und for­ciert in der Flücht­lings­po­li­tik noch här­ter als die ÖVP zu klin­gen: Kon­kret ver­langt er, dass sy­ri­sche Flücht­lin­ge aus Ös­ter­reich zu­rück in ih­re Hei­mat müs­sen: „Der UN-Son­der­be­auf­trag­te für Sy­ri­en hat fest­ge­stellt, dass der Krieg vor­bei ist“, hat­te Stra­che bei der KU­RI­ER-Po­di­ums­dis­kus­si­on am Don­ners­tag er­klärt. „Wir al­le wis­sen, Asyl be­deu­tet Schutz auf Zeit. So lan­ge es ei­nen Ver­fol­gungs­grund gibt, gibt es Asyl. Wenn der weg­fällt, hat man da­für Sor­ge zu tra­gen, dass man zu­rück in die Hei­mat geht.“

Stra­che glaubt sich in gu­ter Ge­sell­schaft: Der deut­sche Chef der li­be­ra­len FDP, Chris­ti­an Lind­ner, hat tags zu­vor im deut­schen Bou­le­vard-Blatt Bild er­klärt: „Die Men­schen müs­sen in die al­te Hei­mat zu- rück­keh­ren, so­bald die La­ge es dort zu­lässt.“Das sei das hu­ma­ni­tä­re Völ­ker­recht. „Wenn Frie­den herrscht, müs­sen Flücht­lin­ge zu­rück.“

Tat­säch­lich hat der UNOGe­sand­te für Sy­ri­en, Staf­fan de Mis­tu­ra, er­klärt, der Krieg sei bei­na­he vor­bei. Ei­ne lan­des­wei­te Waf­fen­ru­he wer­de bald fol­gen.

Al­so müs­sen nun al­le Sy­rer zu­rück? „Auch in Wahl­kampf­zei­ten müs­sen wir am Bo­den der Tat­sa­chen blei­ben“, heißt es aus dem Bü­ro von SPÖ-„Si­cher­heits­mi­nis­ter“Hans Pe­ter Do­sko­zil. „Ers­tens ist der Krieg nicht be­en­det. Zwei­tens braucht es dann ei­ne UN-Frie­dens­mis­si­on. Und drit­tens muss für je­den Sy­rer im Ein­zel­fall ge­prüft wer­den, ob noch Ge­fahr be­steht. Sehr vie­le Men­schen sind ja auch vor Sy­ri­ens Dik­ta­tor As­sad ge­flo­hen. Wenn der an der Macht bleibt, gibt es wei­ter ei­nen Asyl­grund.“Lang­fris­ti­ges Ziel müs­se aber sein, da­für zu sor­gen, dass die Men­schen zu­rück­keh­ren kön­nen.

Und aus dem ÖVP-In­nen­mi­nis­te­ri­um war zu er­fah­ren: Je­des Asyl­ver­fah­ren wer­de ein­zeln ge­führt und ge­prüft. Soll­te sich die Si­tua­ti­on in Sy­ri­en än­dern, wer­den die Be­hör­den das si­cher­lich be­rück­sich­ti­gen.

Stra­che at­ta­ckiert nun Kurz – mit Wahl­pla­kat und schär­fe­ren An­sa­gen

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.