Das Par­la­ment ist käuf­lich – und die Nach­fra­ge groß

Kurier (Samstag) - - POLITIK - – KLAUS KNITTELFELDER

Ver­stei­ge­rung. Dort, wo noch vor we­ni­gen Wo­chen die Ab­ge­ord­ne­ten ih­re Re­den ge­schwun­gen ha­ben, ra­gen heu­te nur noch zwei al­te Ei­sen­stan­gen aus dem Bo­den. Hin­ter dem Platz des ab­mon­tier­ten Red­ner­pults, wo die Re­gie­ren­den den Spre­chen­den über die Schul­ter in den Plenar­saal des Ho­hen Hau­ses ge­blickt ha­ben, ist der aus­ge­bleich­te Tep­pich aus dem Bo­den ge­ris­sen, ab­ge­brö­ckel­te Zie­gel­stei­ne wer­den von ei­ner Hand­voll Ar­bei­ter ge­mein­sam mit an­de­rem Ge­rüm­pel des leer ge­räum­ten Plenar­saals mit ei­ner Ro­del aus dem Ho­hen Haus ge­karrt. Von den rund 190 Ses­seln für die 183 Ab­ge­ord­ne­ten sind nur noch sechs da, die­se lie­gen ver­lo­ren im tris­ten Saal her­um.

Wer die Ein­rich­tung des Ho­hen Hau­ses be­stau­nen möch­te, muss dies auf­grund der Um­bau­ar­bei­ten im Par­la­ment mo­men­tan in ei­ner La­ger­hal­le in Pur­kers­dorf tun – dort war­ten 314 Mö­bel­stü­cke auf ih­re Ver­stei­ge­rung. An­ge­bo­ten wer­den sie auf der Web­site des Do­ro­the­ums, seit Di­ens­tag kann man für Ab­ge­ord­ne­ten­ses­sel, Re­gie­rungs­bank & Co. bie­ten.

Die Nach­fra­ge, er­klärt ei­ne Spre­che­rin des Do­ro­the­ums, sei groß. Und zwar so groß, dass der Ser­ver der Sei­te im­mer wie­der lahmt. Zehn Ta­ge läuft die Online-Auk­ti­on noch, schon jetzt zeich­nen sich Best­sel­ler ab: So be­steht et­wa gro­ßes In­ter­es­se am Jahr­zehn­te al­ten Ser­vier­wa- gen aus der Par­la­ments­kan­ti­ne, vul­go „Milch­bar“. Sehr ge­fragt ist auch ein Klub­ob­mann-Sitz­pult mit ei­nem ak­tu­el­len Höchst­ge­bot von 550 Eu­ro, ähn­lich hoch liegt der Preis der­zeit für die zwölf Me­ter lan­ge Re­gie­rungs­bank. Der Ses­sel von Na­tio­nal­rats­prä­si­den­tin Do­ris Bures steht bei rund 400 Eu­ro. We­ni­ger In­ter­es­se be­steht in­des an Dreh­ses­seln aus dem Bun­des­rat, die wä­ren mo­men­tan schon ab 24 Eu­ro zu ha­ben. Wer ei­nen Na­tio­nal­rats -Dreh­ses­sel er­ste­hen möch­te, muss wohl mehr hin­blät­tern: Man­che schos­sen be­reits auf 200 Eu­ro hin­auf. Um wes­sen Sitz es sich je­weils han­delt,wird nicht ver­ra­ten.

Geld für Fi­nanz­mi­nis­ter

Der Er­lös der Ak­ti­on, die man laut Par­la­ment „ge­star­tet hat, da­mit die Stü­cke nicht un­ter der Hand an In­ter­es­sier­te ver­kauft wer­den“, fließt ins Bun­des­bud­get. Wie viel Geld das sein wird, lässt sich laut dem zu 25 Pro­zent am Er­lös be­tei­lig­ten Do­ro­the­um noch nicht sa­gen: „Wir ha­ben kei­ne Er­fah­run­gen mit sol­chen Auk­tio­nen“, sagt ei­ne Spre­che­rin.

Kom­plett wird das In­nen­le­ben des Ho­hen Hau­ses üb­ri­gens nicht ver­scher­belt oder ins Aus­weich­quar­tier in der Hof­burg über­sie­delt: Der ei­ser­ne Ad­ler, der über dem Plenar­saal thront, bleibt vor­erst, wo er ist. Der Grund: Mit 650 Ki­lo ist der un­zer­leg­ba­re Vo­gel schlicht­weg zu sper­rig.

Im Rah­men der drei­jäh­ri­gen Um­bau­ar­bei­ten des Par­la­ments wird das Ho­he Haus aus­ge­räumt. 314 Stü­cke ste­hen nun zur Ver­stei­ge­rung

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