An­kla­ge ge­gen Ehe­frau: Für Pre­mier Ne­tanya­hu wird es im­mer en­ger

Kurier (Samstag) - - POLITIK - – NOR­BERT JESSEN, TEL AVIV

Ver­un­treu­ung. Is­ra­els Ge­ne­ral­staats­an­walt Avich­ai Man­delblit wird ge­gen Sa­rah Ne­tanya­hu An­kla­ge we­gen schwe­rer Ver­un­treu­ung er­he­ben. Zu­vor er­hält die Frau des Pre­miers aber das Recht, in ei­ner Vor­an­hö­rung die Vor­wür­fe zu ent­kräf­ten. Ein Recht, dass vom Ge­setz nur Re­gie­rungs­mit­glie­dern ge­währt wird. Als sol­ches be­trach­ten man­che Sa­rah Ne­tanya­hu: Noch kei­ne Gat­tin ei­nes Pre­miers misch­te sich bis­her so di­rekt und of­fen in die Ar­beit ih­res Man­nes ein. Von ihr ab­ge­setz­te Mi­nis­ter be­stä­tig­ten das.

Ur­sprüng­lich wa­ren es sie­ben Ver­dachts­mo­men­te, in de­nen die Po­li­zei er­mit­tel­te und die mit dem Haus­halt der Amts­re­si­denz zu­sam­men­hin­gen. Üb­rig blieb der Vor­wurf, mit teil­wei­se ge­fälsch­ten Rech­nun­gen für Ta­ke-awaySpei­sen bei gleich­zei­ti­ger An- stel­lung ei­ner Kö­chin 85.000 Eu­ro in die ei­ge­ne Ta­sche ge­wirt­schaf­tet zu ha­ben.

Auch Haus­ver­wal­ter Es­ra Said­off soll mehr als 100.000 Eu­ro er­schli­chen ha­ben, et­wa in­dem er un­er­laubt Kell­ner be­schäf­tigt und mit ge­fälsch­ten Rech­nun­gen als Putz­kräf­te ab­ge­rech­net ha­be. Re­pa­ra­tu­ren in Pri­vat­woh­nun­gen der Ne­tanya­hus rech­ne­te er über die Amts­re­si­denz ab.

Spä­te Un­ter­stüt­zung

Fast zwei Jah­re dau­er­ten die Er­mitt­lun­gen. Der Pre­mier be­ton­te gleich zu Be­ginn: „Die Haus­ver­wal­tung ob­liegt al­lein mei­ner Frau.“Ein Vor­gän­ger von ihm, Ra­bin, hat­te 1975 noch sei­nen Rück­tritt ein­ge­reicht, als das Fi­nanz­amt ein un­er­laub­tes Aus­lands­kon­to sei­ner Frau ent­deck­te.

Wäh­rend der Er­mitt­lun­gen kam es zu zwei Ar­beits- rechts­ver­fah­ren ge­gen Sa­rah Ne­tanya­hu durch frü­he­re An­ge­stell­te. Bei­de ge­wan­nen. Die le­gen­dä­ren Wu­t­aus­brü­che Ne­tanya­hus wur­den da­bei vor Ge­richt pro­to­kol­liert. Bis hin zu Schuh­wür­fen und hys­te­ri­schen Krei­sch­an­fäl­len.

Vor der ei­ge­nen Par­tei nahm der Pre­mier vor vier Wo­chen auf ei­ner So­li­da­ri­täts­kund­ge­bung sei­ne Frau doch noch in Schutz: Mitt­ler­wei­le sieht er ih­re Straf­ver­fol­gung als Teil ei­ner „all­ge­mei­nen lin­ken Ver­schwö­rung ge­gen Fa­mi­lie Ne­tanya­hu“. Al­le, al­le, al­le – Jus­tiz, Po­li­zei und vor al­lem Me­di­en – plan­ten „den Jus­tiz­putsch ge­gen ei­nen ge­wähl­ten Pre­mier“.

Merk­wür­dig ist nur: Al­le die­se „Lin­ken“sind von Ne­tanya­hu hand­ver­le­sen ins Amt be­ru­fen wor­den. Vom Ge­ne­ral­staats­an­walt bis zum Po­li­zei­chef. Me­di­en und Jus­tiz­mi­nis­te­rin ste­hen rechts.

Pre­mier kor­rupt?

Jetzt schließt sich auch der Kreis um Ne­tanya­hu selbst, dem kor­rup­te Amts­füh­rung vor­ge­wor­fen wird. Durch neue Kron­zeu­gen kam es zu wei­te­ren Fest­nah­men. Im di­rek­ten Ar­beits­um­kreis Ne­tanya­hus. In sei­ner Li­kud-Par­tei wur­de di­rekt nach der Kund­ge­bung akri­bisch er­mit­telt, wie eif­rig Mi­nis­ter und Ab­ge­ord­ne­te sich da­bei so­li­da­risch ge­zeigt hat­ten und wer be­reits von Nach­fol­ge sprach. Die „Er­mitt­lun­gen“führ­te Frau Ne­tanya­hu per­sön­lich.

Sa­rah Ne­tanya­hu, die Frau von Is­ra­els Pre­mier Ben­ja­min Ne­tanya­hu, fälsch­te Es­sens­rech­nun­gen. Das bringt auch die Re­gie­rung un­ter Druck

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