Bo­go­tá liegt dem Papst zu Fü­ßen

Ko­lum­bi­en.

Kurier (Samstag) - - POLITIK - AUS BOGOTA TO­BI­AS TÄUFER

Fran­zis­kus hat den Frie­den im Land mit­er­mög­licht. Die Men­schen dan­ken es ihm. Es ist die viel­leicht bis­her er­folg­reichs­te Rei­se von Papst Fran­zis­kus. Un­mit­tel­bar vor sei­ner An­kunft in Ko­lum­bi­en ei­nig­ten sich die mar­xis­ti­sche ELN-Gue­ril­la und die Re­gie­rung von Prä­si­dent Juan Ma­nu­el San­tos auf ei­nen Waf­fen­still­stand. Zu­vor hat­te Fran­zis­kus be­reits ak­tiv bei den er­folg­reichs­ten Frie­dens­ver­hand­lun­gen zwi­schen der äl­tes­ten und größ­ten Gue­ril­la-Be­we­gung des Kon­ti­nents, der FARC, ge­hol­fen, für die San­tos den Frie­dens­no­bel­preis er­hielt.

Die Men­schen dan­ken es dem Kir­chen­ober­haupt. Am Don­ners­tag ström­ten mehr als ei­ne Mil­lio­nen Men­schen zu ei­nem Got­tes­dienst in der Haupt­stadt Bo­go­tá. Es war nach An­ga­ben der Ta­ges­zei­tung El Tiem­po die größ­te Men­schen­an­samm­lung in der Ge­schich­te der Stadt.

Die Ko­lum­bia­ner be­rei­ten Fran­zis­kus ei­nen be­geis­ter­ten Emp­fang und um­ge­kehrt, geht der ers­te Latein­ame­ri­ka­ner auf dem Kir­chen­thron doch auf die Be­find­lich­kei­ten der Gast­ge­ber ein. Er um­armt Kriegs­ver­sehr­te, lässt sich von rap­pen­den Ju­gend­li­chen be­geis­tern und zieht ei­nen klas­si­schen ko­lum­bia­ni­schen Pon­cho über. „Fran­zis­kus ist ver­liebt in Ko­lum­bi­en“, kom­men­tier­te El Tiem­po. Die Sym­pa­thie be­ruht nach Ein­schät­zung des Nach­rich­ten­ma­ga­zins se­ma­na al­ler­dings auch auf Ge­gen­sei­tig­keit: „Bo­go­tá liegt Papst Fran­zis­kus zu Fü­ßen.“

„Dan­ke an al­le“

Es geht Fran­zis­kus vor al­lem um die Un­ter­stüt­zung des Ver­söh­nungs­pro­zes­ses in Ko­lum­bi­en. „Dan­ke an al­le, die den Frie­den mög­lich ge­macht ha­ben“, ruft er den Men­schen zu. „Es le­be der Frie­den“, ru­fen sie zu­rück und wer­fen wei­ße Blu­men ins Pa­pa­mo­bil. Sie sol­len nicht nach­las­sen in der An­stren­gung, das nach fünf Jahr­zehn­ten Bür­ger­krieg mit über 300.000 To­ten tief po­la­ri­sier­te Land zu ei­nen, re­det ih­nen Fran­zis­kus ins Ge­wis­sen.

Die schwie­rigs­te und sen­si­bels­te Sta­ti­on ab­sol­vier­te der Papst am Frei­tag. In Vil­la­vicen­cio, dem Tor zum Ama­zo­nas, wie sie in Ko­lum­bi­en sa­gen, traf Fran­zis­kus auf meh­re­re tau­send Op­fer des be­waff­ne­ten Kon­flik­tes. Nir­gend­wo sonst la­gen Trau­er und Hoff­nung an ei­nem Platz so eng zu­sam­men wie hier. Es galt die See­len der Men­schen zu hei­len, ih­nen Trost und Hoff­nung zu spen­den. Und dar­an zu er­in­nern, dass der Ama­zo­nas mehr ist, als nur ein Re­gen­wald. Er ist die Lun­ge der Welt, und der Schutz die­ses viel­leicht wich­tigs­ten Stü­ckes Er­de liegt dem Papst in die­sen Ta­gen in der An­den­na­ti­on ganz be­son­ders am Her­zen.

Ko­lum­bi­en be­sitzt in sei­nen Ur­wald-Re­gio­nen ei­ne noch grö­ße­re Ar­ten­viel­falt als Bra­si­li­en. Rund 90 in­di­ge­ne Völ­ker le­ben in die­sem nord­west­lichs­ten Teil Ama­zo­ni­ens. Von Vil­la­vicen­cio aus rich­te­te der Papst ei­ne Bot­schaft an ganz Latein­ame­ri­ka, da das hier be­gin­nen­de Ama­zo­nas-Tief­land sie­ben Län­der des Kon­ti­nents um­fasst. Aus gu­tem Grund: Fast ein Fünf­tel der Flä­che des auch als „grü­ne Lun­ge des Pla­ne­ten“be­zeich­ne­ten Ur­walds ist heu­te be­reits zer­stört. Den Rest gilt es, zu ret­ten, mahnt der Papst.

Ar­gen­ti­ni­en ge­mie­den

Üb­ri­gens: Fran­zis­kus hat be­reits Bra­si­li­en, Ecua­dor, Bo­li- vi­en, Pa­ra­gu­ay, Ku­ba, Me­xi­ko und nun Ko­lum­bi­en be­sucht, An­fang 2018 ist ei­ne Rei­se nach Pe­ru und Chi­le ge­plant – aber um sei­ne Hei­mat Ar­gen­ti­ni­en hat der frü­he­re Erz­bi­schof von Bu­e­nos Ai­res bis­her ei­nen Bo­gen ge­macht. Mög­li­cher­wei­se will er sich nicht zum Spiel­ball der ar­gen­ti­ni­schen In­nen­po­li­tik ma­chen; viel­leicht grollt er auch Prä­si­dent Mau­ricio Ma­cri, der als Bür­ger­meis­ter von Bu­e­nos Ai­res nicht ge­gen ei­nen Rich­ter­spruch be­rief, der die Ho­mo-Ehe ge­neh­mig­te.

„Es le­be der Frie­den“– die Be­geis­te­rung für Papst Fran­zis­kus, der mit­half, den Bür­ger­krieg zu be­en­den, ist enorm

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