No­ten­bank: Vie­le Kan­di­da­ten, aber nur we­nig Top-Jobs

Kurier (Samstag) - - WIRTSCHAFT - VON ANDREA HODOSCHEK andrea.hodoschek@ku­ri­er.at

Nach der Na­tio­nal­rats­wahl wird’s auch in der Na­tio­nal­bank span­nend. Vom Wah­l­er­geb­nis hängt die künf­ti­ge Füh­rungs­gar­ni­tur ab. Was in Po­li­t­und Wirt­schafts­zir­keln viel Raum für Spe­ku­la­tio­nen lässt. Zwar gibt’s für neue Mit­ar­bei­ter nicht mehr die al­ten Pri­vi­le­gi­en, aber die Be­zah­lung ist nach wie vor sehr an­stän­dig. Da­zu kommt das ho­he Pres­ti­ge, das No­ten­ban­ker nun mal ha­ben.

Ganz oben, an der Spit­ze des Ge­ne­ral­ra­tes (qua­si des Auf­sichts­ra­tes) lau­fen die Ver­trä­ge von Claus Raidl (ÖVP) und sei­nes ro­ten Vi­ze Max Ko­th­bau­er mit En­de Au­gust 2018 ab. Wäh­rend der 67-jäh­ri­ge Ko­th­bau­er sein Man­dat ger­ne ver­län­gern wür­de, soll Raidl ei­nem Ab­gang sehr ge­las­sen ge­gen­über­ste­hen, wie man hört. Raidl wird 75, ist aber top­fit.

Das Prä­si­di­um des Ge­ne­ral­ra­tes ist ein Amt für äl­te­re, ho­no­ri­ge Herrn. Als Top­Fa­vo­rit wird der lang­jäh­ri­ge RZB-Spit­zen­ban­ker und Raiff­ei­sen-Ge­ne­ral­an­walt Wal­ter Ro­then­stei­ner ge­han­delt, lang­jäh­ri­ges Mit­glied des Ge­ne­ral­ra­tes. Auch die Vor­gän­ger von Raidl ka­men aus dem Raiff­ei­sen-Sek­tor. Raidl ist der ers­te Nich­tBan­ker in die­ser Funk­ti­on.

Kurz­fris­tig wur­de auch Ex-ÖVP-Ob­mann Rein­hold Mit­ter­leh­ner ge­nannt. Der bru­tal ab­ser­vier­te Par­tei­chef hat aber be­reits sein Des­in­ter­es­se an ei­nem Trost­pflas­ter Na­tio­nal­bank be­kun­det.

Wenn Hans Jörg Schel­ling als Fi­nanz­mi­nis­ter ab­ge­hen soll­te, was mit ho­her Wahr­schein­lich­keit an­zu­neh­men ist, könn­te auch er OeNB-Prä­si­dent wer­den. Er ver­steht sich gut mit Gou­ver­neur Ewald No­wot­ny, SPÖ, und hät­te die Ex­per­ti­se. Ge­winnt Se­bas­ti­an Kurz die Wahl, kann da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Gou­ver­neur (der Vor­stands­vor­sit­zen­de) um­ge­färbt wird. Das wird aber nicht ganz so schnell funk­tio­nie­ren, denn der Ver­trag von OeNB-Chef Ewald No­wot­ny, SPÖ, läuft bis En­de Au­gust 2019. Der all­seits an­er­kann­te No­ten­bank-Chef hat kei­ne Am­bi­tio­nen, sei­nen Platz vor­zei­tig zu räu­men.

Als gut qua­li­fi­zier­ter in­ter­ner Nach­fol­ger mit pas­sen­der Par­tei­far­be gilt Di­rek­tor Andre­as Itt­ner. Wei­ters ge­nannt wird Gottfried Ha­ber. Der Pro­fes­sor an der Uni Krems, der in der ÖVP zum elo­quen­ten Wirt­schafts-Ex­per­ten auf­ge­baut wur­de und schon als Fi­nanz­mi­nis­ter im Ge­spräch war, sitzt für die Schwar­zen im Ge­ne­ral­rat. Er sei zwar nicht der gro­ße Na­tio­nal­öko­nom, dürf­te den Gou­ver­neurs­job aber fach­lich durch­aus schaf­fen, mei- nen In­si­der. Denn auch dies­mal dürf­te es nichts mit dem Fi­nanz­mi­nis­ter wer­den, die­sen Job soll Kurz be­reits ExRech­nungs­hof­chef Jo­sef Mo­ser zu­ge­sagt ha­ben.

Kommt die FPÖ in die Re­gie­rung, müs­sen auch blaue Be­gehr­lich­kei­ten be­frie­digt wer­den. Hier kur­sie­ren al­ler­dings noch kei­ne ernst zu­neh­men­den Na­men. Die Ebe­nen un­ter dem Di­rek­to­ri­um sind eben­falls gut nach­ge­fragt. In­si­der ät­zen, dass sich der­zeit ge­ra­de­zu ei­ne Flucht­be­we­gung aus dem Bun­des­kanz­ler­amt in Rich­tung OeNB for­mie­re. So­wohl Chris­to­pher Berka, Ka­bi­netts­chef von Kanz­ler Chris­ti­an Kern, als auch der Ban­ken- und Fi­nanz­ex­per­te Wolf­gang Pointner kom­men aus der Na­tio­nal­bank und sind dort ka­ren­ziert. Am­bi­tio­nen, die Rück­fahr­kar­te si­cher­heits­hal­ber noch vor der Wahl zu lö­sen, be­strei­tet Berka ge­gen­über dem KU­RI­ER ve­he­ment. Der­zeit ma­che er sich kei­ne Ge­dan- ken dar­über, was nach dem 15. Ok­to­ber pas­siert.

Ei­ne Rück­fahr­kar­te in die Bank hat auch OECD-Bot­schaf­te­rin Mar­lies Stu­bitsWei­din­ger, die eben­falls zum Bun­des­kanz­ler­amt ge­hört. Sie war in Dop­pel­funk­ti­on Vi­ze-Ka­bi­netts­che­fin von Wer­ner Fay­mann und Bü­ro­lei­te­rin von Staats­se­kre­tär Jo­sef Os­ter­may­er. Das OECDMan­dat ist mit Som­mer 2018 be­fris­tet. Es sei viel zu früh, sagt Stu­bits-Wei­din­ger, um ih­re wei­te­ren Job-Plä­ne zu kom­men­tie­ren.

Pech für al­le drei ist frei­lich, dass in der Na­tio­nal­bank in nächs­ter Zeit kein at­trak­ti­ver Haupt­ab­tei­lungs­lei­terPos­ten frei ist. Ein­fa­che Referenten-Jobs, die sie vor­her be­klei­de­ten, dürf­ten in­zwi­schen zu min­der sein. „Weih­nach­ten ist noch weit weg und wün­schen kann man sich viel“, tönt es aus der Bank. Die Zei­ten, als po­li­ti­sche Günst­lin­ge mit Top-Jobs ver­sorgt wur­den, sei­en vor­bei. War­ten wir’s ab.

Die Füh­rungs­gre­mi­en in der Na­tio­nal­bank wer­den nach wie vor par­tei­po­li­tisch ge­nau­es­tens aus­ta­riert

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