Wenn Events vie­le Spra­chen spre­chen

Der Be­darf an mehr­spra­chi­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on wächst ra­sant.

Kurier (Samstag) - - EXTRA -

Da­mit gro­ße Ver­an­stal­tun­gen wie et­wa Kon­gres­se, Pres­se­kon­fe­ren­zen oder Staats­be­su­che rei­bungs­los über die Büh­ne ge­hen, kommt es auf un­zäh­li­ge De­tails an. Ein ganz ent­schei­den­der Fak­tor da­bei ist die schrift­li­che und münd­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on vor, wäh­rend und nach der Ver­an­stal­tung. Denn: In Zei­ten fort­schrei­ten­der Glo­ba­li­sie­rung und Mehr­spra­chig­keit ist es es­sen­zi­ell, si­cher­zu­stel­len, dass sich al­le ver­ste­hen – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Hier kom­men Über­set­zerIn­nen und Dol­met­sche­rIn­nen ins Spiel. Ers­te­re ar­bei­ten schrift­lich und Zwei­te­re münd­lich. Bei bei­den Be­rufs­grup­pen gilt: Es wird hoch­pro­fes­sio­nel­le Ar­beit er­war­tet, ge­leis­tet und ent­spre­chend ab­ge­gol­ten.

Kul­tu­rel­le Un­ter­schie­de be­rück­sich­ti­gen

Die sprach­be­zo­ge­nen Tä­tig­kei­ten be­gin­nen lan­ge vor der Ver­an­stal­tung selbst: Ein­la­dun­gen, Pro­gram­me, Pres­se­aus­sen­dun­gen und sons­ti­ge Un­ter­la­gen wer­den in ei­ner Spra­che er­stellt und dann von pro­fes­sio­nel­len Über­set­zerIn­nen be­hut­sam in die Ziel­spra­che und –kul­tur über­setzt. Da­bei ist es ein Irr­tum zu glau­ben, dass „ein­fach nur über­setzt“wird. Schließ­lich gilt es, die Bot­schaft des Aus­gangs­tex­tes mit den Mög­lich­kei­ten der Ziel­spra­che aus­zu­drü­cken.

Be­son­ders wich­tig sind in die­sem Zu­sam­men­hang kul­tu­rel­le Un­ter­schie­de, die in je­de Über­set­zung ein­flie­ßen. Et­wa fin­den sich die in Ös­ter­reich so be­lieb­ten Ti­tel in eng­li­schen Über­set­zun­gen nicht wie­der, da dies der kul­tu­rel­len Pra­xis nicht ent­spricht. So wird aus ei­ner Frau Mag. Ing. Kom­mer­zi­al­rä­tin Ma­ri­an­ne May­er im Eng­li­schen sch­licht Ma­ri­an­ne May­er.

Wie schmeckt „bur­ned pan­ca­ke soup“?

Als be­son­ders her­aus­for­dernd ge­stal­tet sich die Über­set­zung von Spei­sen, et­wa für Staats­ban­ketts oder Lunch­buf­fets. Die Be­zeich­nun­gen re­gio­nal­ty­pi­scher Ge­rich­te, die in an­de­ren Spra­chen und Kul­tu­ren nicht exis­tie­ren, müs­sen mit viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl über­tra­gen wer­den. Die obers­te Re­gel hier: Das Er­geb­nis muss ap­pe­tit­lich klin­gen. Denn, wie Tri­sha Ko­va­cic-Young, Be­rufs­grup­pen­spre­che­rin der Sprach­dienst­leis­ter der Wirt­schafts­kam­mer Wi­en, es auf den Punkt bringt: „Wer wür­de schon, wie ein­mal auf ei­ner Wie­ner Spei­se­kar­te ge­se­hen, „bur­ned pan­ca­ke soup„ für „Fri­tat­ten­sup­pe“be­stel­len?“Bei Vor­tra­gen­den un­ter­schied­li­cher Mut­ter­spra­che wäh- rend der Ver­an­stal­tung sind Dol­met­sche­rIn­nen un­ver­zicht­bar, da­mit al­le Teil­neh­men­den so­wohl die Vor­tra­gen­den ver­ste­hen als auch Fra­gen aus dem Pu­bli­kum und die Ant­wor­ten dar­auf für al­le ver­ständ­lich sind.

Dol­met­sche­rIn­nen ar­bei­ten et­wa si­mul­tan mit tech­ni­scher Un­ter­stüt­zung, wo­bei sie in schall­iso­lier­ten Dol­metsch­ka­bi­nen mit Sicht auf die Büh­ne sit­zen, den Ori­gi­nal­ton über Kopf- hö­rer emp­fan­gen und ih­re Dol­met­schung in ein Mi­kro­fon spre­chen. Die­se Dol­met­schung emp­fängt das Pu­bli­kum im Saal über Kopf­hö­rer. Die­ses so­ge­nann­te Si­mult­an­dol­met­schen ist ei­ne ko­gni­ti­ve Höchst­leis­tung, wes­halb in Zwei­er-Teams ge­ar­bei­tet wird. Es gilt, das Ge­spro­che­ne zu ver­ste­hen, zu ana­ly­sie­ren und in Se­kun­den­schnel­le in­halt­lich kor­rekt in die an­de­re Spra­che zu trans­por­tie­ren. „Die be­son- de­re Her­aus­for­de­rung beim Si­mult­an­dol­met­schen ist we­ni­ger das Fach­vo­ka­bu­lar, das im Vor­feld gut vor­be­rei­tet wer­den kann, als das Tem­po der Vor­tra­gen­den“, weiß Dag­mar Jen­ner, Mit­glied der Be­rufs­grup­pe Sprach­dienst­leis­ter, aus ih­rer Pra­xis zu be­rich­ten. Oh­ne tech­ni­sche Hilfs­mit­tel kommt das Kon­se­ku­tiv­dol­met­schen aus, bei dem die Dol­met­sche­rin Wort­mel­dun­gen von bis zu 10 Mi­nu­ten Län­ge nach der Ori­gi­nal­re­de in die je­weils an­de­re Spra­che über­trägt.

Spe­zia­lis­tIn­nen für Ge­bär­den­dol­met­schen

Sind ge­hör­lo­se Gäs­te im Pu­bli­kum, wer­den Ge­bär­den­sprach­dol­met­scherIn­nen ge­bucht, die et­wa die deut­sche Ori­gi­nal­re­de in ös­ter­rei­chi­sche Ge­bär­den­spra­che über­tra­gen. Für vie­le ist es fas­zi­nie­rend, die­ser ganz oh­ne Wor­te aus­kom­men­den Kom­mu­ni­ka­ti­on zu­zu­se­hen. We­nig be­kann­tes De­tail am Ran­de: Es gibt kei­ne in­ter­na­tio­na­le Ge­bär­den­spra­che, son­dern re­gio­na­le Spra­chen, wie bei den Laut­spra­chen auch. Die ös­ter­rei­chi­sche Ge­bär­den­spra­che ist seit 2005 of­fi­zi­ell in Ös­ter­reich als Spra­che an­er­kannt. Schwer­hö­ri­ge und Ge­hör­lo­se, die die Ge­bär­den­spra­che nicht be­herr­schen, wer­den mit der Di­enst­leis­tung des Schrift­dol­met­schens un­ter­stützt. Da­bei wird das Ge­sag­te in­klu­si­ve al­ler Zu­satz­in­for­ma­tio­nen – wie et­wa Ge­räu­sche, La­chen, Zö­gern etc. in Echt­zeit ver­schrift­licht und auf ei­ne Lein­wand pro­ji­ziert.

Pro­fes­sio­nel­le Nach­ar­beit

Auch nach ei­ner Ver­an­stal­tung gilt es, schrift­li­ches Ma­te­ri­al in meh­re­ren Spra­chen be­reit­zu­stel­len, et­wa in der Form von Pres­se­mel­dun­gen oder Be­rich­ten über das Event. An die­ser Stel­le schließt sich der Kreis – und die nächs­te mehr­spra­chi­ge Ver­an­stal­tung kann in An­griff ge­nom­men wer­den.

In der Wirt­schafts­kam­mer Wi­en sind Über­set­zerIn­nen und Dol­met­sche­rIn­nen in der Be­rufs­grup­pe Sprach­dienst­leis­ter or­ga­ni­siert. Die rund 836 ak­ti­ven Mit­glie­der de­cken un­zäh­li­ge Spra­chen, von Afri­kaans bis Un­ga­risch ab. Die Da­ten­bank kann rund um die Uhr auf der Web­site der Sprach­dienst­leis­ter ab­ge­fragt wer­den:

Da Si­mult­an­dol­met­schen ei­ne ko­gni­ti­ve Höchst­leis­tung ist, wird da­bei stets in Zwei­er-Teams ge­ar­bei­tet.

Für ei­ne per­fek­te Ver­stän­di­gung zwi­schen Prinz Charles und Mi­nis­ter So­bot­ka sorg­te Sprach­dienst­leis­te­rin Dag­mar Jen­ner.

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