Oh­ren­ki­no mit Street­dance-Akro­ba­tik

„Break The Tan­go“(ab 26. Sep­tem­ber im Mu­se­umsQuar­tier) – ein Feu­er­werk der Emo­tio­nen

Kurier (Samstag) - - KULTUR - AUS ZÜ­RICH WER­NER RO­SEN­BER­GER

Läs­sig, sinn­lich, auf­re­gend. Von ir­gend­wo er­klingt ei­ne scharf ak­zen­tu­ier­te, me­lan­cho­li­sche Me­lo­die. Als­bald grum­melt ei­ne Bass­kla­ri­net- te zum Kla­ge­lied, zum Tanz der gro­ßen Ge­füh­le. Die ei­nen schwe­ben im Puls­schlag von Bu­e­nos Ai­res ele­gant über das Par­kett, u. a. die ehe­ma­li­gen Tan­go­welt­meis­ter Ger­man Cor­ne­jo und Gi­se­la Ga­leas­si so­wie Eze­quiel Lo- pez und Ca­mi­la Aleg­re, die den gan­zen ge­tanz­ten Kon­ti­nent der Kla­ge­tö­ne er­forscht ha­ben. Die an­de­ren – ath­le­ti­sche Break­dan­cer aus Süd­ko­rea, Ita­li­en, Me­xi­ko und den Phil­ip­pi­nen – brin­gen mit spek­ta­ku­lä­ren Mo­ves und atem­be­rau­ben­der Akro­ba­tik den „Wow“-Ef­fekt in „Break The Tan­go“.

Über­zeu­gen­der Stil­mix

Die Show auf Eu­ro­pa­tour­nee – ab 26. Sep­tem­ber im Wie­ner Mu­se­umsQuar­tier – zeigt, dass sich das Dra­ma­ti­sche, Ag­gres­si­ve und Sehn­süch­ti­ge des Tan­go, des ar­gen­ti­ni­schen Na­tio­nalGen­res, mit der ex­plo­si­ven Ener­gie und ex­al­tier­ten Le­bens­lust der Street­dan­cer kon­ge­ni­al ver­bin­den lässt.

Bei­de – Break­dance und Tan­go – sind an den Rän­dern der Ge­sell­schaft ent­stan­den, wa­ren einst Sub­kul­tur und le­gen noch im­mer viel Wert auf Im­pro­vi­sa­ti­on.

Das wie­der­um war ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung für den Re­gis­seur. Cor­ne­jo: „Das Schwie­rigs­te war, die bei­den Sti­le zu dis­zi­pli­nie­ren, um dann zu ar­bei­ten, wie man für ei­ne Tanz­show eben ar­bei­tet.“

Ei­ne ar­gen­ti­ni­sche Live­Band mit der stimm­ge­wal­ti­gen Sän­ge­rin Gi­se­la Le­pio lie­fert den Sound zu­mOh­ren­ki­no, ei­nem Feu­er­werk der Emo­tio­nen, das aus Bal­la­den be­steht, Tan­go, ar­ran­giert mit elek­tro­ni­schen Beats und Klän­gen, wie ihn die Band Otros Ai­res er­fun­den hat, und be­kann­ten Hit­pa­ra­den-Pop-Co­ver-Songs von Ade­le und Beyon­cé. Das Fi­na­le il­lus­trie­ren schließ­lich La­tin-Rhyth­men von Sha­ki­ra.

Der Im­puls, das Mög­li­che aus dem schein­bar Un­mög­li­chen zu schaf­fen, kommt aus der Schweiz. Dort hat­te der Zürcher Pro­du­zent und Be­trei­ber der dor­ti­gen MAAG-Hal­le, Dar­ko Soolfrank, 2013 nach ei­nem Tan­go-Gast­spiel die Idee, aus tra­di­tio­nel­len und ul­trahip­pen Tanz­for­men et­was Neu­es zu ent­wi­ckeln.

„Ich ha­be Cor­ne­jo ge­fragt, wie heu­te die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on in Bu­e­nos Ai­res Tan­go tanzt“, sagt Soolfrank im KU­RI­ER-Ge­spräch. „Wir phi­lo­so­phier­ten über neue Tanz­for­men, über die Ent­wick- lung klas­si­scher Tanz­sti­le, die Ver­mi­schung von Tra­di­ti­on und Mo­der­ne. So hat al­les be­gon­nen.“

Nach ers­ten Work­shops wur­de der Schwei­zer Break­dance-Cho­reo­graf Björn „Buz“Mei­er en­ga­giert, der „ex­trem mu­si­ka­li­sche“BBoys für die Pro­duk­ti­on aus­ge­sucht und neue Fi­gu­ren kre­iert hat: „Break The Tan­go“war ge­bo­ren.

Wo­bei kei­ne Ge­schich­te er­zählt wird, son­dern es aus­schließ­lich dar­um geht zu zei­gen, wie sich das Be­we­gungs­vo­ka­bu­lar der Tanz­sti­le all­mäh­lich bunt mi­schen lässt. Manch­mal ist es ein Mit- ein­an­der, manch­mal ein Ge­gen­ein­an­der. „Das Wich­tigs­te war für mich“, so Soolfrank, „dass der Stil­mix ehr­lich und au­then­tisch rü­ber­kommt.“

Nach der Deutsch­lan­dP­re­mie­re ju­bel­te die Ham­bur­ger Mor­gen­post: „Welt­klas­seNi­veau.“Und Die Welt schrieb: „Über­trifft al­le Er­war­tun­gen.“

Die Gren­zen zwi­schen schein­bar ver­schie­de­nen Wel­ten lö­sen sich auf: Tan­go und Break­dance sind kein Wi­der­spruch, son­dern kön­nen sich wun­der­bar er­gän­zen – im Bild oben Sze­nen aus „Break The Tan­go“

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