Nie­mand wird die schmut­zi­ge See­le put­zen

Nichts als die Nacht. De­büt nach Flug­zeug­ab­sturz

Kurier (Samstag) - - KULTUR - – PE­TER PISA

Als John Wil­li­ams „Sto­ner“schrieb, den per­fek­ten Ro­man, der ihn welt­be­rühmt mach­te – al­ler­dings erst 20 Jah­re nach Wil­li­ams’ Tod –, da war sei­ne Phi­lo­so­phie längst: Na gut, hab’ ich halt wie­der ein Buch ge­schrie­ben, aber wenn ich In­stal­la­teur ge­wor­den wä­re – auch egal ...

Bei sei­nem De­büt, das nun über­setzt wur­de (da­mit sind al­le Pro­sa­wer­ke vom deut­schen Ver­lag „er­le­digt“wor­den – lei­der), war Wil­li­ams noch en­thu­si­as­tisch.

Ekel

An­fang 20 war er, bei der Air Force war er, Fun­ker, über Bur­ma wur­de das Auf­klä­rungs­flug­zeug ab­ge­schos­sen – fünf Ka­me­ra­den tot, nur er und der Pi­lot über­leb­ten.

Im Dschun­gel be­gann er, „Nichts als die Nacht“zu schrei­ben.

Ein Ge­fühl be­schrieb er, al­lein aus äu­ße­ren Hand­lun­gen im Le­ben des jun­gen Ant­ho­ny Max­ley be­schrieb Wil­li­ams des­sen See­len­zu­stand (der zum Teil auch je­ner des Au­tors war):

Ekel über die Welt und über sich selbst. Max­leys Mut­ter hat­te auf den Va­ter ge­schos­sen und sich selbst er­schos­sen. Er kommt nicht zur Ru­he, er läuft fie­bernd durch die No­vel­le, au­ßer am An­fang, da wacht er nach ei­ner al­ko­ho­li­schen Nacht auf und blickt in sei­ne Woh­nung. Ein um­ge­kipp­ter vol­ler Aschen­be­cher, ge­brauch­te Ta­schen­tü­cher auf dem Tep­pich ... Max­ley denkt: Hier sieht es aus wie in mei­ner See­le, un­or­dent­lich und schmut­zig.

Die Putz­frau wird gleich kom­men.

Er denkt: Mei­ne See­le, die kann sie nicht put­zen. Wer könn­te das schon, die See­le sau­ber ma­chen?

Kraft

Ein Miss­er­folg war’s 1948. Ein ver­ges­se­nes Buch. John Wil­li­ams schlug des­halb die Hoch­schul­lehr­er­lauf­bahn ein (Eng­li­sche Li­te­ra­tur an der Uni­ver­si­ty of Den­ver).

Kann sein, dass man heu­te sei­nen„Hel­den“nicht in­ter­es­sant, nicht nah ge­nug fin­det. Kann sein, dass des­sen Art, mit dem Er­leb­ten um­zu­ge­hen, schwer nach­voll­zieh­bar ist.

Aber John Wil­li­ams frü­he Kraft wird man stark zu spü­ren be­kom­men. Man fällt nicht in ei­nen Rausch wie bei „Sto­ner“und „But­cher’s Cros­sing“und „Au­gus­tus“. Aber man staunt ... näm­lich dar­über, dass man die­sen Schrift­stel­ler je­mals hat über­se­hen kön­nen.

20 Jah­re nach sei­nem Tod welt­be­rühmt: der Texa­ner John Wil­li­ams (1922–1994)

John Wil­li­ams: „Nichts als die Nacht“Über­setzt von Bern­hard Rob­ben. dtv. 160 Sei­ten. 18,50 Eu­ro.

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