To­des­flug: Arch igno­rier­te Re­geln

Zwi­schen­be­richt zum Ab­sturz: Der Stei­rer hät­te zum Flug nie­mals ab­he­ben dür­fen

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON DO­MI­NIK SCHREI­BER

Der Stei­rer flog mit 100 km/h durch die Nacht, ob­wohl er nicht ein­mal hät­te star­ten dür­fen.

„Für mich gel­ten kei­ne Re­geln“, sag­te der Stei­rer Han­nes Arch nur rund zwei Wo­chen vor sei­nem Tod in ei­ner Ex­per­ten­run­de. Und der ehe­ma­li­ge Lei­ter der Un­fall­un­ter­su­chungs­stel­le in Wi­en er­klär­te, dass „mei­ne Toch­ter nie­mals mit Han­nes Arch hät­te mit­flie­gen dür­fen“.

Nun hat die Un­ter­su­chungs­stel­le des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums pünkt­lich den Zwi­schen­be­richt zum Ab­sturz des 48-jäh­ri­gen welt­be­kann­ten Kunst­flie­gers fer­tig­ge­stellt. Und durch das Do­ku­ment, das dem KU­RI­ER vor­liegt, wird nun erst­mals of­fen­sicht­lich: Arch hat bei sei­nem To­des­flug ge­gen in­ter­na­tio­na­le Luft­fahrt­re­geln ver­sto­ßen. Und zwar gleich ge­gen meh­re­re.

Am 8. Sep­tem­ber 2016 war Arch um 14.52 Uhr bei der Eber­fel­der Hüt­te ge­lan­det. Er brach­te laut dem Be­richt dem Hüt­ten­wart fri­sche Le­bens­mit­tel (of­fen­bar ei­nen Sack Erd­äp­fel) mit. Drei sol­cher Ver­sor­gungs­flü­ge pro Sai­son hät­te er durch­füh­ren dür­fen. Ob er die­se Zahl über­schrit­ten hat, lässt sich nicht mehr fest­stel­len. Denn zu­min­dest bei sei­nem To­des­flug gab Arch ei­nen fal­schen Flug­plan ab. So hät­te er ei­gent­lich nur bis zum He­li­port in Sankt Jo­hann im Pon­gau flie­gen dür­fen.

Doch der Stei­rer lan­de­te bei der Eber­fel­der Hüt­te auf 2346 Me­tern Hö­he. Spä­tes­tens um 16 Uhr hät­te er laut sei­ner Ge­neh­mi­gung durch das Amt­derKärnt­ner Lan­des­re­gie­rung den Rück­flug star­ten müs­sen. Um 20.07 Uhr ging die Son­ne un­ter und Arch hat­te kei­ne Be­rech­ti- gung für ei­nen In­stru­men­ten­flug. Den­noch star­te­te der Stei­rer erst um 21.02 Uhr sei­ne Trieb­wer­ke – ent­ge­gen al­len Re­geln. Nicht ein­mal ei­ne Schwer­punkt­be­rech­nung führ­te er mehr durch.

„Kein Si­gnal“

Dem 62-jäh­ri­gen Hüt­ten­wart Rein­hard B., den er spon­tan mit­nahm, er­zähl­te er, dass er rund 1000 Me­ter auf­stei­gen wür­de und dann di­rekt nach Salz­burg flie­gen wol­le. Arch gab die Da­ten in sein Na­vi ein un­d­auf de­mDis­play stand „kein Si­gnal“. Sei­nem Pas­sa­gier, den das be­un­ru­hig­te, sag­te Arch, dass dies nichts aus­ma­che.

Ge­gen 21.05 Uhr hob Arch mit sei­ner Ro­bin­sonMa­schi­ne ab. Die von den Un­fal­ler­mitt­lern re­kon­stru­ier­te Flug­rou­te zeigt, dass Arch zu­nächst ziel­ge­nau den Ta­l­aus- gang an­vi­sier­te. Er flog er in der Dun­kel­heit nur mit ei­nem Lan­deschein­wer­fer und das mit ei­ner Ge­schwin­dig­keit von bis zu 100 km/h. Da­bei dürf­te er fälsch­li­cher­wei­se nach rechts Rich­tung Os­ten ab­ge­bo­gen sein. War­um der Kunst­flie­ger das tat, wird wohl für im­mer ein Rät­sel blei­ben, der Be­richt geht dar­auf nicht nä­her ein. Mög­li­cher­wei­se hat­te der 48-Jäh­ri­ge in der Dun­kel­heit die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren. Of­fen­bar ver­such­te er, ent­lang des Göss­nitz­bachs zu f lie­gen. Bei der Un­fall­stel­le f ließt ein klei­ner Was­ser­fall in den Bach, so ist es denk­bar, dass Arch irr­tüm­lich ge­glaubt hat, dass der Bach dort ver­läuft. Statt­des­sen f log er aber auf den Was­ser­fall zu.

Der Pas­sa­gier konn­te je­den­falls nur noch „St­ei­ne und Fel­sen“be­ob­ach­ten. Plötz- lich zog Arch den Hub­schrau­ber steil nacho­ben­und­prall­te auf 2358 Me­tern ge­gen den fel­si­gen Un­ter­grund. „Han­nes stieß ei­nen To­des­schrei aus, den ver­ges­se ich nie“, sag­te Rein­hard B. spä­ter in ei­nem In­ter­view.

Tod durch Ge­nick­bruch

Die Wrack­tei­le des R66 ver­teil­ten sich auf ei­nen Ra­di­us von rund 100 Me­tern, hält der Unfallbericht fest. Arch selbst starb an ei­nem Ge­nick­bruch. Die Un­fall­stel­le war in so un­weg­sa­men Ge­län­de, dass die Berg­ret­tung erst ge­gen 4.30 Uhr ein­traf. Der Hüt­ten­wart über­leb­te mit zwei Hals­wir­bel­brü­chen so­wie ei­ner Frak­tur ei­nes Len­den­wir­bels und meh­re­rer Rip­pen. Er konn­te ge­gen 6.15 Uhr vom Ret­tungs­hub­schrau­ber ins LKH Kla­gen­furt trans­por­tiert wer­den.

Am 8. Sep­tem­ber 2016 stürz­te Arch bei sei­nem „Wahn­sinns­flug“ab und ver­starb an der Un­fall­stel­le. In sei­ner Hei­mat­stadt Tro­faiach gab es ein Lich­ter­meer zu sei­nen Eh­ren

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