Schrems: Kri­tik am In­ter­net der Din­ge

Wie die Ver­net­zung un­se­ren Um­gang mit per­sön­li­chen Da­ten ver­än­dert, er­zählt Max Schrems.

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON BAR­BA­RA WIMMER

Der Face­book-Klä­ger will sich als Nächs­tes die Her­stel­ler von smar­ten Ge­rä­ten vor­neh­men.

Die An­zahl ver­netz­ter Ge­rä­te im In­ter­net der Din­ge steigt welt­weit kon­ti­nu­ier­lich an. Knapp 8,4 Mil­li­ar­den Ge­rä­te sol­len laut ei­ner Stu­die des Markt­for­schungs­un­ter­neh­mens Gart­ner bis En­de 2017 ver­netzt sein. Doch muss man wirk­lich den Kühl­schrank mit dem To­as­ter ver­net­zen und brau­chen wir ei­ne Win­del mit ein­ge­bau­ten Sen­so­ren? „Beim In­ter­net der Din­ge (IoT) steckt die Ge­sell­schaft noch in der Lern­pha­se“, sagt der Da­ten­schüt­zer Max Schrems dem KU­RI­ER.

„Bei je­der neu­en Tech­no­lo­gie gibt es erst ein­mal ei­nen Wahn und al­les wird ge­macht, was geht. Wir müs­sen uns ir­gend­wann aber die Fra­ge stel­len, wie viel Ver­net­zung ei­gent­lich ge­sund ist“, er­klärt Schrems. „Frü­her hat es für al­les ein elek­tri­sches Ge­rät ge­ge­ben, bis man drauf­ge­kom­men ist, dass das über­haupt nichts bringt. Die­sel­be Ent­wick­lung wer­den wir bei der Ver­net­zung durch­ma­chen. Ich brau­che kei­ne App, um mein Licht zu steu­ern“, sagt der ös­ter­rei­chi­sche Jus-Ab­sol­vent, der durch sei­ne Kla­gen ge­gen Face­book in­ter­na­tio­nal be­kannt ge­wor­den ist.

Mit­den­ken

Ei­gent­lich soll­ten Her­stel­ler bei der Ent­wick­lung ih­rer smar­ten Ge­rä­te, die mit dem In­ter­net ver­netzt sind, ab Mai 2018 Da­ten­schutz von vorn­her­ein mit­be­den­ken. Zu die­sem Zeit­punkt tritt die EUDa­ten­schutz­ver­ord­nung in Kraft. Die­se sieht vor, dass die Pri­vat­sphä­re stan­dard- mä­ßig bei der Ent­wick­lung von neu­en Pro­duk­ten be­rück­sich­tigt wer­den muss. „Man könn­te die Ge­rä­te von An­fang an so ge­stal­ten, so­dass mög­lichst we­ni­ge per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten ge­sam­melt wer­den“, sagt Schrems.

Bei Ge­rä­ten rund um das In­ter­net der Din­ge sei es teil­wei­se schwie­rig zu be­ur­tei­len, wo die per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten an­fan­gen, und wo sie auf­hö­ren. „Wennnur rund zehn Pro­zent der Da­ten, die durch ver­netz­te Ge­rä­te ge­sam­melt wer­den, ei­nen Rück­schluss auf Ge­wohn­hei­ten zu­las­sen, sind das dann per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten oder nicht? Das wird noch sehr span­nend“, so Schrems.

Kla­gen

Vie­le Ent­wick­ler von ver­netz­ten Lam­pen, Vi­bra­to­ren, Schlüs­seln oder Pflanzen­sen­so­ren den­ken al­ler­dings gar nicht erst dar­an, dass sie beim De­sign ih­res Pro­dukts von der EU-Da­ten­schutz­ver­ord­nung be­trof­fen sein könn­ten. An­de­re ha­ben be­reits an­ge­kün­digt, die neu­en Stan­dards „so lan­ge igno­rie­ren zu wol­len, bis sie je­mand ein­klagt“. „Das pro­bie­ren am An­fang al­le“, sagt Schrems da­zu und schmun­zelt.

Ein greif ba­res Bei­spiel ist der­zeit et­wa die un­ver­hält­nis­mä­ßi­ge Samm­lung von Da­ten durch Pkw-Her­stel­ler von so­ge­nann­ten „Con­nec­ted Cars“. Die­se las­sen Fahr­zeug-Be­sit­zer be­reits mit dem Kauf­ver­trag un­ter­schrei­ben, dass die wäh­rend des Fah­rens ge­sam­mel­ten Da­ten in ih­ren Be­sitz über­ge­hen. „Es ist ver­ständ­lich, dass die Her­stel­ler Zu­griff auf Dia­gno­se­da­ten ha­ben möch­ten. Aber wenn sie auf­zeich­nen, wann wer wo­hin fährt, dann wird das rechts­wid­rig“, sagt Schrems. Laut ei­ner Aus­wer­tung des ÖAMTC tun dies ei­ni­ge Her­stel­ler al­ler- dings be­reits. „Es wird auch mit Dro­gen ge­han­delt, aber das ist trotz­dem nicht le­gal. Es muss halt je­mand kla­gen.“

Or­ga­ni­sa­ti­on grün­den

Schrems plant seit ei­ni­ger Zeit, ei­ne Da­ten­schutz-Or­ga­ni­sa­ti­on zu grün­den, die sich ge­nau um sol­che Fäl­le küm­mern möch­te. Der Ver­ein sei be­reits mit zwei wei­te­ren Per­so­nen zu­sam­men an­ge­mel­det wor­den, so Schrems. Es sei nur noch „ei­ne Fra­ge der Fi­nan­zie­rung“, bis der Ver­ein sei­ne Tä­tig­keit auf­neh­men kön­ne. Rund 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro wür­de er im ers­ten An­lauf da­für brau­chen. „Ei­ne Zeit­fra­ge ist es auch“, sagt der Da­ten­schüt­zer.

„Als Ver­brau­cher wird man bei al­len Ar­ten von Da­ten­schutz­ver­let­zun­gen Scha­den­er­satz ver­lan­gen kön­nen. Wenn et­wa vier Mil­lio­nen Men­schen kla­gen und je­der 1000 Eu­ro Scha­dens­er­satz for­dert, könn­te das teu­rer wer­den“, so Schrems.

Der Da­ten­schutz­ak­ti­vist möch­te ei­ne NGO grün­den, um für Ver­brau­cher Scha­den­er­satz ein­zu­trei­ben

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