Na­tio­nal­rat tagt doch drei Ta­ge vor der Wahl

ÖVP-Vi­ze­kanz­ler mahnt zur Ver­nunft, Ne­os schla­gen Wahl­zu­ckerl-Alarm

Kurier (Samstag) - - POLITIK - – KLAUS KNITTELFELDER

Neun Jah­re ist sie mitt­ler­wei­le her, die le­gen­dä­re Na­tio­nal-rats­sit­zung vier Ta­ge vor der Wahl im Jahr 2008: Bis 4 Uhr 13 in der Früh wur­den noch­letz­te Wahl­zu­ckerl ver­teilt – von der Ab­schaf­fung der Stu­di­en­ge­büh­ren, über ei­ne Ver­län­ge­rung der Hack­ler­re­ge­lung bis hin zu Er­hö­hun­gen von Pfle­ge­geld, Pen­si­on und Fa­mi­li­en­bei­hil­fe. Bis heu­te kos­ten die Be­schlüs­se den Steu­er­zah­ler rund 4,3 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr, rech­ne­te das ÖVP ge­führ­te Fi­nanz­mi- nis­te­ri­um jüngst vor.

Da­mit dies heu­er nicht wie­der ge­schieht, wa­ren sich SPÖ und ÖVP de fac­to be­reits ei­nig, die bei­den ge­plan­ten Sit­zungs­ta­ge am 12. und 13. Ok­to­ber ent­fal­len zu las­sen – oder sie zu­min­dest um ei­ne Wo­che vor­zu­ver­le­gen.

Raus­ver­kauf-Ge­fahr

Die­ses Vor­ha­ben schei­ter­te nun. Zwar ei­nig­te sich die Prä­si­di­al­kon­fe­renz – be­ste­hend aus den drei Na­tio­nal­rats­prä­si­den­ten und al­len Klub­spit­zen – auf den Ent­fall der Sit­zung am 13. Ok­to­ber, je­ne am Tag da­vor fin­det al­ler­dings statt. Be­schlos­sen wer­den soll dort un­ter an­de­rem die im Eil­tem­po ver­ein­bar­te Pen­si­ons­er­hö­hung zu­sätz­lich zur ge­setz­lich vor­ge­se­hen In­fla­ti­ons­an­pas­sung.

Ob dies das ein­zi­ge Zu­ckerl die­ser Sit­zung bleibt, ist of­fen – ÖVP und Ne­os mah­nen je­den­falls zur Vor­sicht: „Wir wün­schen uns, dass kei­ne Aus­ver­kauf-Be­schlüs­se ge­fällt wer­den“, heißt es et­wa aus dem schwar­zen Par­la­ments­klub. Be­sorgt gibt sich auch der Vi­ze­kanz­ler: „Ich hof­fe in­stän­dig, dass die Ver- nunft Ober­hand be­hält und wir vor Be­schlüs­sen, die wie im Jahr 2008 nur dem Wahl­kampf ge­schul­det sind und künf­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen be­las­ten, ver­schont blei­ben“, sagt Wolf­gang Brand­stet­ter (ÖVP) zum KU­RIER. Die Ne­os se­hen das ähn­lich: Zwar sei es in Ord­nung, dass der Na­tio­nal­rat ar­bei­tet – „wir se- hen aber schon die Ge­fahr, dass die Sit­zung für Wahl­zu­ckerl miss­braucht wird“, sagt Ne­os-Ab­ge­ord­ne­ter Ni­ko­laus Scher­ak im KU­RIER-Ge­spräch.

Die Grü­nen kün­dig­ten in­des an, bei „Be­schlüs­sen, die viel Geld kos­ten“, wohl nicht da­bei zu sein. Aus der SPÖ heißt es, dass man zum Sit­zungs­ab­lauf im Ok­to­ber noch nichts sa­gen kön­ne – es gä­be aber Pro­jek­te, die man avi­sie­ren könn­te. Bri­sant: Zu­sätz­lich zu den fi­xen Plen­ar­ta­gen könn­te es noch zu Son­der­sit­zun­gen kom­men. SPÖ und ÖVP könn­ten theo­re­tisch noch zwei Sit­zun­gen ver­an­las­sen, Grü­ne und FPÖ noch je ei­ne.

Warnt da­vor, in der End­pha­se des Wahl­kamp­fes im Na­tio­nal­rat wie im Jahr 2008 teu­re Zu­ckerln zu ver­tei­len: Vi­ze­kanz­ler Wolf­gang Brand­stet­ter

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