FPÖ-Kam­pa­gne: War­um Stra­che zum Schei­dungs­hel­fer wur­de

Blau­er Wahl­kampf.

Kurier (Samstag) - - POLITIK - VON CHRIS­TI­AN BÖHMER

„Im Gr­und­ver­ständ­nis pro­pa­giert die FPÖ ei­ne au­to­ri­tä­re Stell­ver­tre­ter­po­li­tik.“

Wal­ter Ötsch Kul­tur­wis­sen­schaft­ler

Die Bot­schaf­ten sind ge­blie­ben. Al­ler­dings wer­den sie jetzt nicht bra­chi­al, son­dern sub­ti­ler trans­por­tiert.

Hin­zu kommt, dass der Wahl­kampf im In­ter­net ei­ge­nen Ge­set­ze folgt: Um ein po­li­ti­sches Vi­deo vi­ral wer­den zu las­sen, al­so mas­sen­haft zu ver­brei­ten, ge­nügt es nicht, po­li­ti­sche In­hal­te pro­fes­sio­nell auf­zu­be­rei­ten. „Die Men­schen tei­len nur Vi­de­os, die sie selbst un­ter­halt­sam oder wit­zig fin­den“, sagt der blaue Stra­te­ge. „Und ge­nau das schaf­fen wir mit den Hu­ber-Spots ganz gut.“

Mar­kiert der neue Stil im frei­heit­li­chen Wahl­kampf ei­ne Trend­wen­de? Kann sie da­mit – noch – mehr Wäh­ler an­spre­chen?

Kul­tur­wis­sen­schaf­ter Wal­ter Ötsch wagt dies­be­züg­lich kei­ne Pro­gno­se. Ei­nes ist für den jahr­zehn­te­lan­gen Be­ob­ach­ter der FPÖ („Hai­der light“) aber klar: die Blau­en ge­ben sich sanf­ter. „Im Ver­gleich zu frü­he­ren Wahl­kampf-Hil­fen wie den in Wi­en ein­ge­setz­ten An­ti-Tür­ken-Co­mics sind die In­ter­ne­tS­pots op­tisch freund­li­cher“, sagt Ötsch zum KU­RIER.

Blau­er Heils­brin­ger

Im Kern pro­pa­gie­re die FPÖ frei­lich wei­ter­hin ei­ne „po­pu­lis­tisch-au­to­ri­tä­re Po­li­tik“.

Aber wie kann man das ar­gu­men­tie­ren? Gibt sich Stra­che doch nun als der hilfs­be­rei­te Gu­te, der den Sprach­lo­sen ei­ne Stim­me ver­leiht.

Ötsch ant­wor­tet so: „Der ,Ich sa­ge es für euch’-Spot zeigt Men­schen bei der Part­ner­su­che, beim Hei­ra­ten und im An­ge­sicht des To­des – al­so in den wich­tigs­ten Pha­sen des Le­bens.“

In der­art exis­ten­zi­el­len Si­tua­tio­nen wür­de ei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Po­li­tik an Mut und Ei­gen­ver­ant­wor­tung des Ein­zel­nen ap­pel­lie­ren – aber eben das tue Stra­che nicht. „An­statt zu sa­gen: ,Ihr müsst euch zu­sam­men­rau­fen und ich bzw. die Po­li­tik kön­nen euch hel­fen’, spricht Stra­che für die Be­trof­fe­nen. Er macht sie zu Un­mün­di­gen und trifft für sie ei­ne Ent­schei­dung. Im Gr­und­ver­ständ­nis ist das ei­ne au­to­ri­tä­re Stell­ver­tre­ter­po­li­tik.“

Sprach­rohr: In „Ich sa­ge es für euch“(Screen­shots) sagt FPÖ-Chef Stra­che, was an­de­re nicht kön­nen

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