Man­ning als Do­zen­tin in Har­vard – ein „Feh­ler“

Weil die Whist­leb­lo­we­r­in ein­ge­la­den wor­den war, sag­te der CIA-Di­rek­tor ab.

Kurier (Samstag) - - INTERNATIONAL - VON SUSANNE BOBEK

Die Eli­te-Uni­ver­si­tät Har­vard hat ei­ner „Ver­rä­te­rin Ame­ri­kas“ei­ne Gast­do­zen­ten­stel­le an­ge­bo­ten. Je­ner Chel­sea Man­ning, die der Ent­hül­lungs­platt­form Wi­ki­leaks vor Jah­ren rund 700.000 ge­hei­me Do­ku­men­te des US-Mi­li­tärs zu­ge­spielt hat­te. Wi­ki­leaks ist für CIA-Di­rek­tor Mi­ke Pom­peo ein „feind­li­cher Ge­heim­dienst“– und so sag­te er aus Em­pö­rung ei­nen ge­plan­ten Auf­tritt ab und feu­er­te schwe­re Sal­ven ge­gen die Har­vard-Lei­tung der Ken­ne­dy School of Go­vern­ment.

Sei­ne Ab­sa­ge ha­be nichts mit der Tat­sa­che zu tun, dass Man­ning Trans­gen­der sei, son­dern „al­les mit ih­rer Iden­ti­tät als Ver­rä­te­rin der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka“. Sie ha­be Agen­ten in Ge­fahr ge­bracht. „Die Ent­schei­dung ver­mit­telt den Stu­den­ten den Ein­druck, dass man so­wohl Do­zen­tin in Har­vard als auch ei­ne in den USA ver­ur­teil­te Ver­bre­che­rin sein kann“, mo­nier­te Pom­peo. Er kön­ne „nicht Teil ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on sein, die ei­ner ver­ur­teil­ten Ver­bre­che­rin und Ge­heim­nis­ver­rä­te­rin die Eh­re er­wei­se“. Kurz zu­vor hat- te Mi­ke Mo­rell, ehe­ma­li­ger stell­ver­tre­ten­der CIA-Di­rek­tor, mit ei­ner ähn­li­chen Be­grün­dung sei­nen so­for­ti­gen Rück­tritt als Do­zent er­klärt.

Die Har­vard-Lei­tung re­agier­te um­ge­hend und zog das Sti­pen­di­um zu­rück: „Man­ning als Gast­do­zen­tin ein­zu­la­den, war ein Feh­ler“, sag­te Dou­glas El­men­dorf. „Ich se­he jetzt deut­li­cher, dass die Men­schen den Ti­tel ei­ner Gast­do­zen­tin als Aus­zeich­nung be­grei­fen.“

Chel­sea Man­ning hat­te beim Mi­li­tär als Ana­lys­tin ge­ar­bei­tet und be­ging den größ­ten Ge­heim­nis­ver­rat in der US-Ge­schich­te. Da­für wur­de sie zu 35 Jah­ren Haft ver­ur­teilt und nach sie­ben Jah­ren erst in sei­nen letz­ten Amts­ta­gen von Ba­rack Oba­ma be­gna­digt. Man­ning hät­te in Har­vard als „kon­tro­vers dis­ku­tier­te Per­son“Dis­kus­sio­nen be­feu­ern sol­len. Das macht jetzt üb­ri­gens auch der frü­he­re Pres­se­spre­cher von Do­nald Trump, Se­an Spi­cer.

Chel­sea Man­ning, 29, als „kon­tro­vers dis­ku­tier­te Per­son“

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