Wirt­schafts­kam­mer Wi­en: Neu­er Vor­stoß für In­fra­struk­tur-Hol­ding

Stand­ort­an­walt.

Kurier (Samstag) - - WIRTSCHAFT - VON FRANZ JANDRASITS

„Wir ha­ben drei gro­ße Brem­sen bei In­fra­struk­tur­pro­jek­ten. Die ers­te Brem­se ist die lan­ge Ver­fah­rens­dau­er, die zwei­te die man­geln­de Ko­or­di­nie­rung beim Bau und drit­tens gibt es zu we­nig Nut­zung durch an­de­re In­fra­struk­tur­be­rei­che, et­wa ein ge­mein­sa­mes Breit­band­netz für West­bahn und West­au­to­bahn.“Alex­an­der Biach, Vi­ze-Di­rek­tor der Wirt­schafts­kam­mer Wi­en und Chef des Haupt­ver­ban­des der So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger, will den Aus­bau der In­fra­struk­tur be­schleu­ni­gen und den Be­trieb ef­fi­zi­en­ter ma­chen.

Die Lö­sung der drei gro­ßen Pro­ble­me sieht er in ei­nem Drei-Säu­len-Mo­dell. Ers­te Säu­le ist ana­log zum Um­welt­an­walt ein so ge­nann­ter Stand­ort­an­walt. Die­ser soll das Pro­jekt für den Er­rich­ter bzw. Be­trei­ber der In­fra­struk­tur, al­so et­wa statt den ÖBB oder der Au­to­bahn­ge­sell­schaft As­fi­nag, ver­tre­ten. Au­ßer­dem soll er auf die Dau­er der Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren und auf bü­ro­kra­ti­sche Miss­stän­de ach­ten. An­ge­sie­delt sein könn­te der Stand­ort­an­walt in der Wirt­schafts­kam­mer. Er soll auch Par­tei­en­stel­lung in den Ver­fah­ren ha­ben.

Hol­ding-Lö­sung

Als zwei­te we­sent­li­che Säu­le sieht Biach die seit Jah­ren zwi­schen ÖVPun­dSPÖhef­tig um­strit­te­ne In­fra­struk­tur­hol­ding. In die­se sol­len die gro­ßen staat­li­chen bzw. teil­staat­li­chen Un­ter­neh­men wie die ÖBB, der Au­to­bahn­be­trei­ber As­fi­nag, der Was­ser­stra­ßen­be­trei­ber Via Do­nau, die Ener­gie­kon­zer­ne OMV und Ver­bund, Post, Te­le­kom, aber auch die Bun­des­im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft BIG und die Aus­tro Con­trol ein­ge­bracht wer­den. Biach: „Ich glau­be schon, dass es Sinn macht, sich die­ses al­te Kon­zept wie­der an­zu­se­hen.“

Al­ler­dings müs­se kla­rer als bis­her de­fi­niert wer­den, dass die Hol­ding nicht ei­ne Neu­auf­la­ge der ehe­ma­li­gen Staats­hol­ding ÖIAG wer­den soll, die die Un­ter­neh­men pri­va­ti­siert. „Klar ist, dass die In­fra­struk­tur wei­ter in öf­fent­li­chem Ei­gen­tum bleibt.“

Über die Hol­ding könn­ten aber ge­mein­sa­me Aus­schrei­bun­gen er­fol­gen und auch ko­or­di­nier­te In­fra­struk­tur­plä­ne er­stellt wer­den. Ver­schmel­zung der Un­ter­neh­men und Qu­er­fi­nan­zie­run­gen soll es nicht ge­ben, aber et­wa ge­mein­sa­me Fi­nan­zie­run­gen, was den Schul­den­ab­bau be­schleu­ni­ge und Kos­ten spa­re. Ei­ne ähn­lich ge­la­ger­te Hol­dung war 2015 am Wi­der­stand der SPÖ ge­schei­tert.

Drit­te Säu­le ist die Bün­de­lung der Re­gu­lie­rungs­kom­pe­ten­zen. Künf­tig soll es ähn­lich der deut­schen Bun­des­netz­agen­tur statt ei­ge­ner Be­hör­den für Te­le­kom, Ener­gie oder Schie­nen­ver­kehr nur noch ei­nen In­fra­struk­tur-Re­gu­la­tor ge­ben. Da­durch kön­ne nicht nur die Ef­fi­zi­enz ge­stei­gert, son­dern auch der Aus­bau bes­ser auf­ein­an­der ab­ge­stimmt wer­den.

ÖBB und As­fi­nag sol­len bei Bau­auf­trä­gen en­ger zu­sam­men­ar­bei­ten

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Alex­an­der Biach: Drei Säu­len für drei gro­ße Pro­blem­krei­se

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