Das häss­li­che Ge­sicht von Face­book

Em­pö­rung über ge­ziel­te Wer­bung für An­ti­se­mi­ten

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON PATRICK DAX

Ver­käu­fer von Na­zi-De­vo­tio­na­li­en oder an­ti­se­mi­ti­sche Grup­pen, die ih­re Bot­schaft ziel­ge­rich­tet un­ters Volk brin­gen wol­len, ha­ben auf Face­book leich­tes Spiel. Face­book geht zu­meist erst dann da­ge­gen vor, wenn es me­dia­len Wir­bel gibt, wie im ak­tu­el­len Fall: Wie das US-Po­lit­ma­ga­zin Pro Pu­b­li­ca be­rich­tet, hat das On­li­ne-Netz­werk zu­ge­las­sen, dass Wer­be­trei­ben­de An­zei­gen ziel­ge­rich­tet an An­ti­se­mi­ten adres­sie­ren konn­ten. Be­zahl­te Pos­tings konn­ten auf Face­book an Leu­te aus­ge­spielt wer­den, die sich zu­vor als „Ju­den­has­ser“zu er­ken­nen ga­ben oder sich an The­men „Wie man Ju­den ver­brennt“oder „War­um Ju­den die Welt rui­nie­ren“in­ter­es­siert zeig­ten. Pro Pu­b­li­ca kauf­te zu Test­zwe­cken selbst sol­che An­zei­gen über Face­books Wer­be­platt­form. Die an­ti­se­mi­ti­schen Ka­te­go­ri­en wur­den nach An­ga­ben des Ma­ga­zins von Al­go­rith­men er­rech­net und von Face­book vor­ge­schla­gen.

Face­book re­agiert

Nach ent­spre­chen­den An­fra­gen von Pro Pu­b­li­ca hat Face­book die Mög­lich­keit, an sol­che Ziel­grup­pen Wer­bung aus­zu­spie­len, ent­fernt. Man wer­de künf­tig dar­auf ach­ten, dass sol­che al­go­rith­misch er­stell­ten Ka­te­go­ri­en von Mit­ar­bei­tern über­prüft wür­den, be­vor sie zum Kauf an­ge­bo­ten wer­den, hieß es. Bis auf Wei­te­res wür­den dis­kri­mi­nie­ren­de Ka­te­go­ri­en von der Platt­form ent­fernt, teil­te das On­li­ne-Netz­werk wei­ter mit. Face­book recht­fer­tig­te sich auch da­mit, dass die An­zahl der Leu­te, die durch ent­spre­chen­de Ka­te­go­ri­en er­reicht wer­den könn­te, „un­glaub­lich ge­ring“sei. Ein auf Pro Pu­b­li­ca ver­öf­fent­lich­ter Screen­shot zeigt, dass Face­book die Zahl der Nut­zer, die po­ten­zi­ell mit der Wer­be­ka­te­go­rie „Ju­den­has­ser“er­reicht wer­den kön­ne, mit 108.000 an­gibt. Rund 2300 Nut­zer könn­ten di­rekt an­ge­spro­chen wer­den, rech­net das so­zia­le Netz­werk vor. Be­fremd­lich nimmt sich auch ein Satz aus, der auf dem Screen­shot zu se­hen ist, mit dem Wer­be­trei­ben­den ne­ben Ka­te­go­ri­en wie „Ju­den­has­ser“, „Ger­man Schutz­staf­fel“oder „Na­ziPar­ty“gra­tu­liert wird: „Ih­re Pu­bli­kums­aus­wahl ist groß­ar­tig“, heißt es dort.

Kri­tik ließ nicht lan­ge auf sich war­ten: Man kön­ne von Face­book nicht ver­lan­gen, dass es nut­zer­ge­ne­rier­te In­hal­te mi­nu­ti­ös be­ob­ach­te. Das On­li­ne-Netz­werk soll­te aber zu­min­dest die Din­ge im Au­ge be­hal­ten, mit de­nen es Geld ver­die­ne, sag­te Aa­ron Rie­ke von dem auf Bür­ger­rech­te und Tech­no­lo­gie spe­zia­li­sier­ten Be­ra­tungs­un­ter­neh­men Up­turn dem US-Ma­ga­zin The At­lan­tic. Har­vard-Rechts­pro­fes­sor Jo­na­than Zit­train for­der­te ei­ne ge­ne­rel­le Über­prü­fung von Ka­te­go­ri­en, mit de­nen On­li­ne-Netz­wer­ke Wer­bung ver­kau­fen und sieht Face- book klar in der Schuld: „Sie sind da­für ver­ant­wort­lich, wel­che Grup­pe sie un­ter­stüt­zen.“Bei ei­nem Un­ter­neh­men­wie Face­book soll­te es Si­cher­heits­me­cha­nis­men ge­ben, die sol­che al­go­rith­misch er­stell­ten be­denk­li­chen Wer­be­grup­pen aus­schlie­ßen, sagt In­grid Brod­nig, Au­to­rin des Bu­ches „Lü­gen im Netz“zum KU­RIER.

Wie das On­li­ne-Ma­ga­zin Sla­te be­rich­tet, ist es auf Face­book wei­ter­hin mög­lich, ge­ziel­te Wer­bung an Leu­te aus­zu­spie­len, die et­wa am ras­sis­ti­schen Ku-Klux-Klan In­ter­es­se zei­gen oder der Tö­tung von ra­di­ka­len Mus­li­men auf­ge­schlos­sen ge­gen­über­ste­hen.

Im Ge­re­de

Face­book war erst vor Kur­zem ins Ge­re­de be­kom­men. Rus­si­sche Grup­pen hat­ten über ge­fälsch­te Pro­fi­le ge­ziel­te Wer­bung ge­schal­tet. So wur­de ver­sucht, in den USWahl­kampf ein­zu­grei­fen. Da­bei wur­den Fal­sch­nach­rich­ten ver­brei­tet, aber auch Teil­neh­mer für rech­te Pro­test­mär­sche ge­wor­ben. Eben­falls 2016 wur­de be­kannt, dass Wer­be­trei­ben­de für ih­re An­zei­gen spe­zi­fi­sche eth­ni­sche Grup­pen aus­wäh­len und an­de­re dis­kri­mi­nie­ren konn­ten.

Face­book sorgt in den USA für Auf­re­gung, weil es Wer­be­trei­ben­den er­mög­lich­te, an­ti­se­mi­ti­sche Grup­pen ge­zielt zu um­wer­ben

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