67 Af­gha­nen muss­ten zu­rück

Heu­er so vie­le Ab­schie­bun­gen wie in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren zu­sam­men

Kurier (Samstag) - - CHRONIK - VON DOMINIK SCHREIBER – J. GEBHARD

Die Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan sind der­zeit ei­nes der hei­ßes­ten Ei­sen in Eu­ro­pa. Deutsch­land hat erst am Di­ens­tag wie­der be­gon­nen, Per­so­nen per Flie­ger nach Ka­bul zu brin­gen. Vor al­lem Af­gha­nen mit schwe­ren Ver­bre­chen wur­de da­bei an den Hin­du­kusch ge­bracht. Die deut­sche Bild- Zei­tung ti­tel­te dar­auf­hin „Hier kom­men die Ver­bre­cher in Af­gha­nis­tan an!“und prä­sen­tier­te Fo­tos nach der Lan­dung.

In Ös­ter­reich wird be­reits seit Jah­res­be­ginn ernst ge­macht. 67 Af­gha­nen (aus­schließ­lich Män­ner) wur­den bis Stand Mit­te Ju­ni in ih­re Hei­mat ab­ge­scho­ben. Das geht aus ei­ner par­la­men­ta­ri­schen An­fra­ge der Grü­nen Alev Korun an In­nen­mi­nis­ter Wolf­gang So­bot­ka her­vor. Im Ge­gen­satz zu Deutsch­land wer­den in Ös­ter­reich nicht nur straf­fäl­li­ge ge­wor­de­ne Af­gha­nen ab­ge­scho­ben, son­dern auch nach dem Frem­den­recht. In den Jah­ren seit 2005 wur­den je­den­falls bis­her nie mehr als acht Af­gha­nen zwangs­wei­se in ih­re Hei­mat zu­rück­ge­bracht, von 2014 bis 2016 war es ins­ge­samt so­gar nur ein ein­zi­ger (sie­he Gra­fik).

Um­kämpft ist das The­ma vor al­lem we­gen ei­ner Fra­ge: Wie si­cher ist Af­gha­nis­tan? Das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um et­wa hat die höchs­te Rei­se­warn­stu­fe sechs für das ge­sam­te Land er­las­sen. Im Ju­ni gab es ei­nen An­schlag mit 80 to­ten Zi­vi­lis­ten. Das ös­ter­rei­chi­sche und deut­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um stu­fen Ka­bul hin­ge­gen als so si­cher ein, dass man Af­gha­nen dort­hin brin­gen kann. Die Be­trof­fe­nen wer­den aus­schließ­lich in die Haupt­stadt ge­bracht.

Mit­te Fe­bru­ar ha­ben die EU und Af­gha­nis­tan ein Ko- ope­ra­ti­ons­ab­kom­men ab­ge­schlos­sen. Bis 2020 wer­den da­für 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro nach Ka­bul über­wie­sen, da­für nimmt das Land bis zu 80.000 Af­gha­nen zu­rück. Ös­ter­reich nutzt für die ak­tu­el­len Trans­por­te vor al­lem von Schwe­den or­ga­ni­sier­te Fron­tex-Char­ter-Flug­ab­schie­bun­gen.

Ei­ner wehr­te sich

Nur in ei­nem Fall gab es da­bei laut dem Par­la­ments­do­ku­ment grö­be­re Pro­ble­me. Ein Af­gha­ne füg­te sich amTag vor sei­ner Ab­schie­bung Schnitt­ver­let­zun­gen am Ober­kör­per zu, die teil­wei­se so­gar ge­näht wer­den muss­te. „Trotz stän­di­ger Zu­spra­che und wie­der­er­hol­tem Er­su­chen um Ko­ope­ra­ti­ons­be­reit­schaft leis­te­te der Mann von Be­ginn sei­ner Ab­ho­lung bis zur Über­ga­be am Be­stim­mungs­ort im­mer wie­der mas­si­ven Wi­der­stand. Auf­grund der Er­folg­lo- sig­keit der an­ge­droh­ten und an­ge­kün­dig­ten Maß­nah­men und sei­ner Schlag- und Trit­tat­ta­cken ge­gen die ein­schrei­ten­den Be­am­ten muss­te ihm der Fi­xier­gurt (Klett­band) an­ge­legt wer­den. Da er wei­ter mit den Bei­nen um sich schlug, muss­ten die­se auch mit Band­sch­lin­gen fi­xiert wer­den“, heißt es in der An­fra­ge­be­ant­wor­tung. So­gar ein ei­ge­ner Kopf­schutz muss­te ihm an­ge- legt wer­den, weil der Mann ver­such­te, mit dem Kopf ge­gen die Flug­zeug­schei­be zu schla­gen.

Das In­nen­mi­nis­te­ri­um be­ton­te, dass es zu kei­nen Kne­be­lun­gen ge­kom­men sei und auch kei­ne Hand­schel­len ein­ge­setzt wor­den sei­en. Im Fall des Af­gha­nen, der Ge­gen­wehr ge­leis­tet hat, war auch ein er­fah­re­ner Mit­ar­bei­ter des „Ver­eins Men­schen­rech­te Ös­ter­reich“mit an Bord.

In Sum­me wur­den al­ler­dings mehr als die 67 Af­gha­nen, die in ih­re Hei­mat zu­rück muss­ten, ab­ge­scho­ben. Ins­ge­samt 536 muss­ten Ös­ter­reich im Vor­jahr ver­las­sen, 363 da­von zwangs­wei­se.

Die Zahl der Asyl­an­trä­ge geht je­den­falls auch zu­rück. Bis En­de Au­gust wur­den von Af­gha­nen le­dig­lich 2620 sol­che An­trä­ge ge­stellt, im Vor­jahr wa­ren es noch in Sum­me knapp 11.800 ge­we­sen, 2016 so­gar dop­pelt so vie­le. Ball­haus­platz. Der Bau der An­ti-Ter­ror-Mau­er auf dem Ball­haus­platz ist ab­ge­sagt, die po­li­ti­sche Ver­stim­mung bleibt. Wie be­rich­tet, stopp­te Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Tho­mas Droz­da im Auf­trag von Bun­des­kanz­ler Chris­ti­an Kern (bei­de SPÖ) nach hef­ti­gen Pro­tes­ten das be­reits in Bau be­find­li­che Pro­jekt. Statt­des­sen soll der Platz nun mit Pol­lern ge­si­chert wer­den.

„An sich wä­re es die Auf­ga­be des In­nen­mi­nis­te­ri­ums ge­we­sen, Vor­schlä­ge zu un­ter­brei­ten und für ei­ne ad­äqua­te Dis­kus­si­on zu sor­gen“, sag­te Droz­da am Frei­tag zum KU­RIER. „Man hät­te uns et­wa in ei­ner Re­gie­rungs­sit­zung in­for­mie­ren kön­nen, was auf dem Ball­haus­platz ge­plant ist.“Dass das Pro­jekt aber nur auf Be­hör­de­nebe­ne ab­ge­han­delt wur­de, ha­be zu dem be­kann­ten Er­geb­nis ge­führt. Als der Mau­er­bau be­kannt wur­de, ha­be man je­den­falls rasch re­agiert. „Die Pol­ler sind in Hin­blick auf das Stadt­bild die bes­se­re Lö­sung“, be­tont Droz­da.

Kri­tik kommt von der FPÖ: „Dass man am Ball­haus­platz nun end­lich ei­ne Lö­sung ge­fun­den hat, ist schön und gut, aber was ist mit der Si­cher­heit an­de­rer fre­quen­tier­ter Be­rei­che wie Fuß­gän­ger­zo­nen, Ein­kaufs­stra­ßen oder Märk­ten so­wie Plät­zen, wo häu­fig Ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den?“, fragt sich Vi­ze­bür­ger­meis­ter Jo­hann Gu­de­nus. „Es braucht für die ge­sam­te Stadt ein ver­nünf­ti­ges Si­cher­heits­kon­zept. Im­mer nur bei Be­darf Bar­ri­ka­den zu er­rich­ten, um Ter­ror-Atta­cken vor­zu­beu­gen, kann kei­ne Lö­sung sein.“

Seit zwei Wo­chen sorgt die Bau­stel­le für Auf­re­gung

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