Kei­ne Wöl­fe auf den Al­men

ÖVP-Lan­des­vi­ze Pern­kopf will ge­nau wis­sen, wo die Tie­re sind / War­nung vor Rot-Blau im Bund

Kurier (Samstag) - - CHRONIK - VON MICHA­EL JÄGER UND KATHARINA SALZER

Der Kampf ge­gen die tsche­chi­schen Atom­kraft­wer­ke und das Wie­der­auf­tre­ten des Wol­fes be­schäf­ti­gen ihn po­li­tisch. Der KU­RIER sprach dar­über und an­de­re re­le­van­te Nie­der­ös­ter­reich-The­men mit ÖVPLan­des­haupt­frau­stell­ver­tre­ter Ste­phan Pern­kopf. KU­RIER: US-Prä­si­dent Do­nald Trump be­zwei­felt den Kli­ma­wan­del. War­um hat er un­recht? Ste­phan Pern­kopf: Das ist ein ab­so­lu­ter Schwach­sinn. Auch Do­nald Trump wird die Ener­gie­wen­de nicht auf­hal­ten kön­nen. Ge­ra­de die Un­wet­ter im ei­ge­nen Land soll­ten ihm zum Um­den­ken be­we­gen. Aber er will aus dem Kli­ma­schutz aus­stei­gen.

Die USA wer­den das letzt­end­lich nicht tun, weil dann wird Trumps Amts­zeit vor­über sein. Beim The­ma Kli­ma­schutz tun Sie sich nicht schwer.

Wir lie­gen hier sehr gut. Über 100 Pro­zent des Strom­be­darfs kommt aus er­neu­er­ba­rer Ener­gie, der Eu­ro­paSchnitt liegt bei 25 Pro­zent. Nie­der­ös­ter­reich muss trotz­dem Strom im­por­tie­ren.

Rech­ne­risch ha­ben wir be­reits mehr als 100 Pro­zent Ei­gen­ver­sor­gung. Aber wir müs­sen auch zeit­wei­se im­por­tie­ren, des­halb dür­fen wir nicht auf­hö­ren, für mehr er­neu­er­ba­re Ener­gie zu sor­gen. Gibt es nicht schon ge­nug Wind­rä­der im Bun­des­land?

Ak­tu­ell sind es 600 Wind­rä­der. Vor zwei Jah­ren ha­ben wir da­her be­schlos­sen, dass ma­xi­mal nur ein Pro­zent der Lan­des­flä­che für Wind­kraft ver­baut wer­den darf. Wie viel geht noch?

Rund 150 Wind­kraft­an­la­gen sind noch mög­lich. Wir set­zen auch auf Leis­tungs­stei­ge­rung an be­ste­hen­den Stand­or­ten. Zu den Maß­nah­men ge­hört nicht die Atom­kraft. Deutsch­land hat ei­nen Aus­stiegs­plan, Tsche­chi­en nicht. Wie will man den Nach­barn da­zu brin­gen?

Bei den tsche­chi­schen Freun­den kämp­fen wir mas­siv ge­gen den Aus­bau der Atom­kraft. Ge­gen Du­ko­va­ny gab es 64.000 Un­ter­schrif­ten aus NÖ. Ge­gen das tsche­chi­sche Atom­müll­la­ger sind es be­reits über 30.000. Aber Un­ter­schrif­ten wer­den wohl nicht rei­chen.

Lan­des­haupt­frau Jo­han­na Mikl-Leit­ner und ich ma­chen das bei all un­se­ren Ge­sprä­chen mit Tsche­chi­ens Po­li­ti­kern zum The­ma. Gibt es ein Um­den­ken?

Teil­wei­se. Vor ei­nem hal­ben Jahr ha­ben wir es erst­mals ge­schafft, dass sich ei­ni­ge tsche­chi­sche Bür­ger­meis­ter un­se­rer Pro­test­be­we­gung an­ge­schlos­sen ha­ben. Ein an­de­res bri­san­tes The­ma ist der Wolf, der über Tsche­chi­en nach Nie­der­ös­ter­reich ein­ge­wan­dert ist. Wie vie­le Tie­re gibt es jetzt wirk­lich?

Bio­lo­gen sa­gen zwei Er­wach­se­ne und neun Jung­tie­re ha­ben sich am Trup­pen­übungs­platz in All­ent­steig nie­der­ge­las­sen. Die Jäger spre­chen von an­de­ren Zah­len. Wer kommt jetzt für den Wolfs­scha­den auf?

Wir wer­den hier die Bau­ern nicht imS­tich las­sen. Es ist ganz klar, dass das Land Nie­der­ös­ter­reich mit der Land­wirt­schafts­kam­mer die Ent­schä­di­gung für ge­ris­se­ne Tie­re über­neh­men wird. Wie wol­len Sie mit der Wolf­s­po­pu­la­ti­on um­ge­hen?

Wir wer­den die Tie­re be­sen­dern, das ist aus­ge­macht. Wir müs­sen wis­sen, wo sich die Wöl­fe be­fin­den. War­um wol­len Sie ihn auf Schritt und Tritt über­wa­chen?

Mein Ziel ist es nicht, den Wolf im gan­zen Land sess­haft zu ha­ben. Ich ge­he da­von aus, dass sich dar­über al­le Par­tei­en ei­nig sind. Ge­hört der Wolf al­so nur in den Tier­park?

Rein recht­lich ha­be ich hier kei­ne Hand­ha­be. Wir schau­en uns aber ge­ra­de an, wie an­de­re Län­der mit die­sem Pro­blem um­ge­hen, Bay­ern über­legt et­wa wolf­freie Zo­nen zu schaf­fen. Und in All­ent­steig?

Wenn das Bun­des­heer dort mit dem Wolf le­ben will, dann soll mir das recht sein. Was geht für Sie gar nicht?

Ich will den Wolf nicht in der klas­si­schen Kul­tur­land­schaft ha­ben. Es wird im­mer schwie­ri­ger, Bau­ern zu fin­den, die ih­re Tie­re auf die Alm auf­trei­ben. Da will ich nicht noch das Ri­si­ko ein­ge­hen, dass Tie­re ge­ris­sen wer­den. Wöl­fe auf der Alm?

Das will ich nicht, wir se­hen aus an­de­ren Bun­des­län­dern, dass die Her­den­schutz­maß­nah­men nicht wirk­lich grei­fen. Un­dich kann­nicht al­les ein­zäu­nen. Es gibt auch Be­richt, dass die Her­den­schutz­hun­de für den Men­schen ge­fähr­lich sind. Das brau­chen wir nicht. Und wenn der Wolf doch auf der Alm auf­taucht?

Da muss man erst die eu­ro­päi­schen Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen, um ihn dort zu ent­neh­men, wo man ihn nicht ha­ben will. Zur Lan­des­po­li­tik. Der neue SPÖ-Chef Franz Schnabl rückt in die Lan­des­re­gie­rung als Num­mer zwei des SPÖ-Teams ein. Hat es Sie über­rascht, dass er nicht als Num­mer eins kommt?

Das ha­be ich nicht zu kom­men­tie­ren. Ich hat­te mit sei­nem Vor­gän­ger, Lan­des­rat An­d­rosch, ei­ne gu­te Zu­sam­men­ar­beit. Ich hof­fe, dass es durch die­sen Per­so­nal­wech­sel nicht zu ei­ner Ver­schlech­te­rung kommt. Bei der Wahl zum Lan­des­rat braucht Schnabl nicht die Un­ter­stüt­zung der ÖVP, als Lan­des­haupt­frau-Stell­ver­tre­ter schon. Hät­te ihn die ÖVP nicht ge­wählt?

Das ist ei­ne rein SPÖ-in­ter­ne Ent­schei­dung. Schnabl hat zu­letzt die Auf­wer­tung des länd­li­chen Raums ge­for­dert. Wird dies das gro­ße Land­tags­wahl­kampf­the­ma zwi­schen ÖVP und SPÖ?

Wenn ich mir die Aus­sa­gen von Bun­des­kanz­ler Kern über die Bau­ern an­schaue, die er als Sub­ven­ti­ons­emp­fän­ger be­schimpft, sind die SPÖ-Po­li­ti­ker die letz­ten, die die Bau­ern ver­tre­ten kön­nen. Die SPÖ will die Ab­schaf­fung des Pfle­ge­re­gres­ses über ei­ne Erb­schafts­steu­er fi­nan­zie­ren. War­um regt das ge­ra­de Bau­ern­po­li­ti­ker so auf?

Es wird im­mer von ei­ner Gren­ze ab ei­ner Mil­li­on Eu­ro ge­spro­chen. Da wä­ren klei­ne­re Bau­ern­be­trie­be mit ei­nem Hof, ei­nem Trak­tor und zehn Hekt­ar be­trof­fen. Das hat nichts mit Reich­tum zu tun, son­dern das braucht man für die täg­li­che Pro­duk­ti­on. Wir las­sen uns doch nicht den Acker und Trak­tor weg­be­steu­ern. Auch klei­ne Ge­wer­be­be­trie­be wür­de das schnell tref­fen. Wer Erb­schafts­steu­er for­dert, ist kein Ko­ali­ti­ons­part­ner?

Das ha­be nicht ich zu ent­schei­den. Wer bil­det dann die Ko­ali­ti­on?

Ich war­ne da vor Rot- Blau. Die SPÖ wird al­les tun, um die Macht zu er­hal­ten, auch wenn die ÖVP als Ers­ter durchs Ziel geht. Sie sa­gen, je­des Kind soll ein Mal auf ei­nem Bau­ern­hof ge­we­sen sein. War­um ei­gent­lich? Wir wol­len mehr Ver­läss­lich­keit und Treue zu den ös­ter­rei­chi­schen Pro­duk­ten er­rei­chen. Ein Weg dort­hin ist, dass sich je­des Kind zu­min­dest ein Mal ei­nen hal­ben Tag auf ei­nem Bau­ern­hof auf­hält.

Im neu­en Talk „War­um ei­gent­lich ...?“sprach KU­RIER-CR Hel­mut Brandstätter mit Ste­phan Pern­kopf – ab so­fort auf ku­rier.at und schaut-tv

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