Prü­gel­vi­deo: Leo­nie muss wei­ter auf ih­re The­ra­pie war­ten

Pro­zess.

Kurier (Samstag) - - CHRONIK - VON MICHAELA REIBENWEIN

Leo­nie hat sich ver­än­dert. Das Mäd­chen, das im Vor­jahr mit vier an­de­ren ei­ne 15- Jäh­ri­ge vor dem Do­nau­zen­trum ver­prü­gel­te – das Vi­deo wur­de drei Mil­lio­nen Mal ge­klickt – tritt im Ober­lan­des­ge­richt ganz brav auf. Ro­sa Bla­zer, Bu­si­ness­rock, kei­ne fre­chen Ant­wor­ten mehr.

Auch das We­sen der 16Jäh­ri­gen soll nun ein an­de­res sein, be­schreibt ih­re Be­wäh­rungs­hel­fe­rin. Sie sei pakt­fä­hig und zu­ver­läs­sig. Drei Mal im Mo­nat be­sucht sie die Psy­cho­the­ra­pie. Sie wohnt al­lei­ne in ei­ner be­treu­ten Woh­nung, küm­mert sich ge­ra­de dar­um, den Haupt­schul­ab­schluss nach­zu­ho­len. Das an­ge­ord­ne­te An­ti-Ge­walt­trai­ning hat sie aber im­mer noch nicht ab­sol­viert. Das liegt nicht an ihr. „Die Nach­fra­ge ist enorm. Die War­te­lis­te auch“, sagt Andre­as Zem­ba­ty vom Ver­ein Neu­start. Gleich­zei­tig dau­ert es, bis ge­nü­gend Mäd­chen für ei­ne Grup­pe zu­sam­men sind. Sechs bis acht sol­len es sein. Leo­nie ist die Num­mer fünf. „Im No­vem­ber soll­te der Kurs aber star­ten“, sagt er.

Leo­nie wur­de im Fe­bru­ar zu 18 Mo­na­ten Haft ver­ur­teilt, sechs da­von un­be­dingt. Sie hat die Stra­fe ab­ge­ses­sen. Doch das Ur­teil (ihr Op­fer er­litt ei­nen dop­pel­ten Kie­fer­bruch) emp­fin­det sie als un­ge­recht. „Weit über­zo­gen“, nennt das auch ih­re An­wäl­tin Da­nie­la Schiesl. Auch die bei­den an­de­ren Mäd­chen, die we­gen der schwe­ren Kör­per­ver­let­zung zu je zwölf Mo­na­ten be­dingt ver­ur­teilt wor­den wa­ren, sind mit dem Ur­teil nicht ein­ver­stan­den. Das wür­de sie künf­tig bei der Job­su­che be­hin­dern.

Zu­dem sei es nicht ih­re Schuld ge­we­sen, dass das Vi­deo im Netz ge­lan­det ist – ge­pos­tet hat­te es ei­ne Freun­din des Op­fers. „In der heu­ti­gen Zeit wird al­les ver­öf­fent­licht. Ver­kehrs­un­fäl­le und Flug­zeug­ab­stür­ze genau­so wie das ers­te Hau­ferl vom Hund. Das kann man den Ju­gend­li­chen nicht zur Last le­gen“, meint ei­ne Ver­tei­di­ge­rin.

Ge­läu­tert

Die Müt­ter der bei­den sind zur Ver­hand­lung ge­kom­men, ent­schul­di­gen sich und be­teu­ern, dass ih­re Töch­ter ge­läu­tert sei­en. Nur von Leo­nies Fa­mi­lie ist nie­mand da. „Schwie­ri­ge fa­mi­liä­re Ver- hält­nis­se“hat­te der Rich­ter schon im Fe­bru­ar als Mil­de­rungs­grund be­rück­sich­tigt.

Frei­tag­mit­tag wird die Be­ru­fung der Mäd­chen zu­rück ge­wie­sen. „Das Op­fer wird le­bens­lang an den Über­grif­fen lei­den. Die Tat­hand­lung war zu mas­siv. Da sah man ex­tre­me Bru­ta­li­tät und Em­pa­thie­lo­sig­keit.“Und auch, dass das Vi­deo nicht von den Tä­tern ins Netz ge­stellt wur­de, be­ein­druckt den Rich­ter nicht. „Es wur­de in WhatsApp-Grup­pen ge­stellt. Es mag heu­te zwar al­les im Netz lan­den. Aber es ist un­se­re Auf­ga­be, hier Schran­ken zu schaf­fen.“

Mehr als drei Mil­lio­nen Mal wur­de das Vi­deo im In­ter­net an­ge­klickt

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