Die No­t­hel­fer im Puch 500

50 Jah­re ARBÖ-Pan­nen­dienst – am An­fang mit nur 19 PS.

Kurier (Samstag) - - CHRONIK - VON BIRGIT SEISER

Ich hab mehr als zwei Mil­lio­nen Ki­lo­me­ter am Bu­ckel“, er­zählt Pan­nen­hel­fer Hans Rei­chen­au­er. Vor 50 Jah­ren war er ei­ner der ers­ten Au­ßen­dienst­ler des ARBÖ und da­mals mit ei­nem Puch 500 un­ter­wegs. „Das Ge­fährt hat 16 PS ge­habt. Ab­schlep­pen hat man da­mit nicht ge­konnt, dar­um ha­ben wir bald ei­nen Kä­fer mit 34 PS be­kom­men.“

Als 22-Jäh­ri­ger be­warb sich der Wie­ner 1967 als Hel­fer in der Not auf Wi­ens Stra­ßen. Die Ar­beits­uni­form von da­mals er­in­ner­te an die ei­nes Po­li­zis­ten, und auch das An­se­hen, das die Pan­nen­hel­fer da­mals ge­nos­sen, war ähn­lich hoch: „Frü­her war man noch wer. Wenn wir ge­kom­men sind, ha­ben sich Schau­lus­ti­ge um uns her­um ver­sam­melt, um un­se­re Werk­zeu­ge zu se­hen und zu schau­en, wie wir die Au­tos re­pa­rie­ren“, sagt der 72-Jäh­ri­ge. Nach ge­ta­ner Ar­beit sei dann hin und wie­der ei­ne Ein­la­dung zum Heu­ri­gen aus­ge­spro­chen wor­den. „Das war frü­her eben so. Aber Al­ko­hol am Steu­er geht nicht – da­mals wie heu­te.“

Die meis­ten Pro­ble­me wa­ren für Rei­chen­au­er und sei­ne 37 Kol­le­gen in ganz Ös­ter­reich schnell vor Ort zu be­he­ben. 50 Jah­re spä­ter hat sich zwar der Per­so­nal­stand mehr als ver­zehn­facht – der­zeit sind 400 Hel­fer im gan­zen Land im Ein­satz – die Pan­nen sind aber die glei­chen ge­blie­ben. „Die Top-drei-Grün­de, war­um wir ge­ru­fen wer­den, sind nach wie vor Pro­ble­me mit der Bat­te­rie, den Rei­fen und der Elek­trik“, er­klärt ARBÖ-Spre­cher Se­bas­ti­an Obrecht.

„Das Au­to sagt, was nicht passt“

Ob­wohl sich ei­ni­ge Din­ge an­schei­nend nie än­dern, hat sich wäh­rend der Di­enst­zeit von Hans Rei­chen­au­er viel ge­tan: „ Heu­te sagt ei­nem ja das Au­to am Dis­play, was nicht passt. Das ha­ben wir al­les selbst her­aus­fin­den müs­sen.“Was sich in den letz­ten 50 Jah­ren am stärks­ten ver­än­dert hat, kann der Rou­ti­nier ein­fach zu­sam­men­fas­sen: „Die Park­platz­si­tua­ti­on“. Frü­her hät­te man gar nicht dar­an ge­dacht, in Wi­en kei­nen Park­platz zu fin­den.

Der 72-Jäh­ri­ge hat ei­nen Füh­rer­schein al­ler Klas­sen. Sei­nen Lkw-Schein möch­te er aber nicht noch ein­mal ver­län­gern las­sen: „Ich glau­be, ich wer­de nicht mehr so oft ei­nen Sat­tel­schlep­per fah­ren“, schmun­zelt Rei­chen­au­er. Ge­fähr­lich sei der Job auch heu­te noch. „Frü­her gab es kei­ne gu­te Be­leuch­tung auf den Au­to­bah­nen. Heu­te sind die Len­ker zu schnell un­ter­wegs. Das liegt an den Au­tos. Da merkt man gar nicht, dass man mit 130 km/h fährt, weil al­les lei­se ist und die Stra­ßen gut sind.“

Des­halb will der Pan­nen­hel­fer den Len­kern noch mit auf den Weg zu ge­ben: „Man darf sich nicht über­schät­zen und soll bei lan­gen Stre­cken un­be­dingt Pau­sen ein­le­gen. Das hat mich 55 Jah­re lang si­cher über­all hin­ge­bracht.“

Der Puch 500 war das ers­te Pan­nen­dienst-Au­to des ARBÖ; 1979 ka­men dann Mer­ce­des

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