In­no­va­ti­ve Ide­en und Kon­struk­tio­nen

Tro­cken­aus­bau­er und Stucka­teu­re sor­gen für at­trak­ti­ve raum­ab­schlie­ßen­de Ele­men­te

Kurier (Samstag) - - EXTRA -

DieHaupt­auf­ga­be des Stucka­teurs be­steht dar­in, sich mit Mör­tel aus­ein­an­der­zu­set­zen – in ar­beits­tech­ni­scher Hin­sicht und nicht im Sin­ne der Kon­kur­renz. „Dass mit Mör­tel nicht der be­kann­te Bau­meis­ter Richard Lug­ner, son­dern in Wahr­heit Mi­schun­gen aus Bin­de­mit­tel, wie Gips, Kalk und Ze­ment mit Was­ser und Sand als Zu­schlag­stof­fe ge­meint sind, wis­sen näm­lich die we­nigs­ten“, ver­an­schau­licht Ni­ko­laus Voit vom Ver­band Ös­ter­rei­chi­scher Stucka­teur- & Tro­cken­bau­un­ter­neh­mun­gen. So alt wie die ein­zel­nen Ma­te­ria­li­en sind, ist auch das Ge­wer­be. Streng ge­nom­men gibt es den Be­ruf des Stucka­teurs schon seit­dem Men­schen nicht mehr in Höh­len hau­sen. Wäh­rend die al­ten Ägyp­ter in den Ver­ar­bei­tun­gen der Che­ops-Py­ra­mi­den be­reits Gips ver­wen­den, er­kennt im eu­ro­päi­schen Raum erst die Epo­che des Ba­rocks den funk­tio­nel­len Wert des Gips, der bis heu­te nur noch mehr an Be­deu­tung ge­won­nen hat. Das Ver­lan­gen nach üp­pi­gen Ver­zie­run­gen brach­te die prak­ti­schen Funk­tio­nen des Gip­ses zum Vor­schein, die heu­te im Bau­we­sen nicht weg­zu­den­ken sind.

Die Er­run­gen­schaf­ten des Tro­cken­baus

Durch in­dus­tri­ell ge­fer­tig­te Voll­gips- oder Gips­kar­ton­plat­ten und vor­ge­misch­te Fer­tig­mör­tel wur­de der Tro­cken­bau und da­mit die Ar­beits­tech­nik des Stucka­teurs re­vo­lu­tio­niert. Die­se mo­der­nen Mit­tel er­mög­li­chen ei­ne Bau­wei­se, die nicht nur Zeit, son­dern wo­mög­lich auch Kos­ten spart. Nicht um­sonst er­staunt uns heu­te noch, wie lang und ar­beits­in­ten­siv an dem Bau der Py­ra­mi­den ge­ar­bei­tet wur­de. Heut­zu­ta­ge wird die gut­ge­schrie­be­ne Zeit für in­no­va­ti­ve Ide­en und Kon­struk­ti­on ge­nützt. Die Er­run­gen­schaf­ten des Tro­cken­baus sind weit­läu­fig und in ih­rer Wir­kung maß­geb­lich ent­schei­dend für un­ser Le­ben. All­täg­li­che Pro­ble­me wer­den ge­löst, mit de­nen sich die Ägyp­ter mit Si­cher­heit noch nicht be­schäf­tigt ha­ben. Letzt­lich ver­dan­ken wir es doch dem Tro­cken­bau, dass wir es im Win­ter warm ha­ben und nicht je­den Toi­let­ten­gang des Nach­bars mit­be­kom­men.

So­li­de Aus­bil­dung als Sprung­brett

Nur we­ni­ge Be­rufs­grup­pen müs­sen sich so an die Zeit ad­ap­tie­ren, wie die Sek­tio­nen des Stucka­teurs und Tro­cken­baus. Schließ­lich wird das Ar­beits­ver­fah­ren vom tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt und dem Bau­trend glei­cher­wei­se maß­geb­lich be­ein­flusst. Dies be­geg­net dem Be­trach­ter zwar nur im End­pro­dukt ei­nes Stucka­teurs, je­nen selbst be­glei­tet es aber vom Be­ginn sei­ner Be­rufs­lauf bahn an. Die drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung er­folgt in der Be­rufs­schu­le, wo theo­re­ti­sches Wis­sen an­ge­eig­net wird und in ei­nem Be­trieb. Hier kön­nen fun­da­men­ta­le, prak­ti­sche Fer­tig­kei­ten schon mög­lichst früh er­lernt und trai­niert wer­den. Nach der Lehr­ab­schluss­prü­fung ist man staat­lich an­er­kann­ter Stucka­teur und Tro­cken­aus­bau­er. Ei­ne Chan­ce auf Wei­ter­bil­dung bie­tet die Ab­sol­vie­rung der Meis­te­ro­der Werk­meis­ter­aus­bil- dung. Ein si­che­res Sprung­brett kön­nen auch Spe­zia­li­sie­run­gen in ei­nem der breit­ge­fä­cher­ten Tä­tig­keits­be­rei­che ei­nes Hand­wer­kers sein. Ne­ben dem klas­si­schen Be­rufs­bild ei­nes Stucka­teurs gibt es auch die Mög­lich­keit, sich als Wär­me-, Käl­te-, Schall- und Brand­schutz­tech­ni­ker zu be­wei­sen. Vor­aus­set­zun­gen für spä­te­ren Er­folg in der flo­rie­ren­den Bran­che sind aber nicht nur ei­ne gu­te Aus­bil­dung, In­ter­es­se und hand­werk­li­ches Ge­schick, son­dern auch die er­for­der­li­che Rou­ti­ne, Sach­kennt­nis und Em­pi­rie. Bei den Stucka­teu­ren ist es wohl wie mit dem Le­ben selbst, die zu­neh­men­de Er­fah­rung und Qua­li­tät kommt erst mit dem Al­ter.

Raum­ge­stal­tung im Zen­trum

Bau­phy­si­ka­li­sche An­for­de­run­gen ei­nes Bau­werks sind ei­ne der Haupt­aus­ein­an­der­set­zun­gen des Tro­cken­baus. Da­zu ge­hö­ren The­men, wie Schall-, Wär­me-, Feuch­te-, und Brand­schutz. Im Ge­gen­satz zum her­kömm­li­chen Bau ei­nes Ge­bäu­des, be­fasst sich der Tro­cken­bau nicht mit sta­tisch tra­gen­den Funk­tio­nen. Das be­deu­tet, der Fo­kus liegt auf ei­ner ef­fek­ti­ven Raum­ge­stal­tung. Mit­tels Mon­ta­ge- und Leicht­bau­wei­se des Tro­cken­baus kön­nen schmü­cken­de und prak­ti­sche Prä­mis­sen zu­frie­den­ge­stellt wer­den und dies meist bes­ser als mit der her­kömm­li­chen mas­si­ven Bau­art. „Da so gut wie je­des an­satz­wei­se mo­der­ne Ge­bäu­de ge­wis­sen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ent­spre­chen muss und eben­so der de­ko­ra­ti­ve An­spruch der Kun­den ent­spre­chend der Zeit per­ma­nent im Hin­ter­grund steht, ist der Tro­cken­bau im­mer be­glei­tet von lo­gis­ti­schen und funk­ti­ons­be­zo­ge­nen Auf­ga­ben­stel­lun­gen“, er­klärt Ni­ko­laus Voit. Es ist wich­tig, beim Bau­en die Fach­fir­men mit­ein­zu­be­zie­hen, um das best­mög­li­che Re­sul­tat zu er­zie­len. „Wer bil­lig baut, baut teu­er“, so lau­tet ein Sprich­wort, das stimmt. Ge­ra­de bei grö­ße­ren Bau­wer­ken lohnt es sich, auf kom­pe­ten­te Be­ra­tung und qua­li­ta­ti­ve Ar­beit zu set­zen.

Kom­ple­xe Kon­struk­tio­nen

Zu den Grund­ele­men­ten des Tro­cken­baus ge­hö­ren raum­ab­schlie­ßen­de Kon­struk­tio­nen, sei es als Wand, Bo­den, De­cke, oder Bau­teil­be­klei­dung. Solch ein fer­ti­ges End­pro­dukt kann al­ler­dings nur durch sorg­fäl­ti­ge Vor­be­rei­tun­gen be­werk­stel­ligt wer­den. Die­se Un­ter­kon­struk­ti­on und Trag­ge­rüs­te für Ein­bau­tei­le sind der Grund­pfei­ler für f lä­chi­ge Be­klei­dungs­ele­men­te. Im All­ge­mei­nen wird viel mit Ste­cken und Schrau­ben ge­ar­bei­tet. Aus die­sen ein­fa­chen Bau­tei­len fer­ti­gen Stucka­teu­re und im Tro­cken­bau tä­ti­ge Fach­kräf­te kom­ple­xe Tro­cken­bau­kon­struk­tio­nen. Von äu­ße­ren Fas­sa­den­be­klei­dun­gen, über In­stal­la­ti­ons­wän­de, Bo­den­sys­te­me, De­cken­be­klei­dun­gen, Ein­bau­ten und sons­ti­ge Ver­klei­dun­gen bie­tet der Tro­cken­bau sehr viel­fäl­ti­ge Bau­mög­lich­kei­ten. Häu­fi­ge Auf­trä­ge er­ge­ben sich auch aus dem Be­darf nach ei­nem Raum-in-Raum-Sys­tem. Hier­bei kann so­gar auf we­nig Raum neue Struk­tur ver­lie­hen und wei­te­rer Platz ge­schaf­fen wer­den. An die­sem Bei­spiel er­kennt man, wie wich­tig es ist, nicht aus Be­darf nach ei­ner Raum­tei­lung ei­ne Trenn­wand auf­zu­stel­len, son­dern durch gu­te Pla­nung und Ver­ar­bei­tung ei­nen le­bens­wer­ten Raum zu ent­wi­ckeln. Ei­ne Wand auf­stel­len kann fast je­der mit den rich­ti­gen Mit­teln, aber um wah­re Qua­li­tät zu ge­währ­leis­ten und Er­war­tun­gen ge­recht zu wer­den, muss ei­ne am­bi­tio­nier­te Fach­kraft hin­zu­ge­zo­gen wer­den.

Mit den Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten des Tro­cken­baus kön­nen de­ko­ra­ti­ve und prak­ti­sche Prä­mis­sen glei­cher­ma­ßen be­rück­sich­tigt wer­den

Stucka­teur­ar­bei­ten er­for­dern sehr gu­te Fach­kennt­nis­se

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