Ers­te tür­kis-blaue Mar­kie­run­gen

„Schlan­ker Staat“und har­te Mi­gra­ti­ons-Li­nie: Die Über­schrif­ten für Ver­hand­lungs-Fahr­plan ste­hen

Kurier (Samstag) - - POLITIK - VON KLAUS KNITTELFELDER

Die Be­zie­hung zwi­schen ÖVP und FPÖ scheint aber­mals ein neu­es Le­vel er­reicht zu ha­ben, das zeig­te ÖVPChef Sebastian Kurz schon bei sei­ner An­kunft im Wie­ner Pa­lais Nie­der­ös­ter­reich: An­statt sie wie bis­her als „Ver­hand­lungs­part­ner“zu be­zeich­nen, nann­te Kurz die Frei­heit­li­chen be­reits „Ko­ali­ti­ons­part­ner“.

Gut drei St­un­den spä­ter, nach En­de der Run­de der Chef-Ver­hand­ler um die bei­den Par­tei­chefs, wur­de dann auch in­halt­li­cher Na­tur ein wei­te­rer Schritt in Rich­tung ge­mein­sa­mer Re­gie­rung ge­tan. Nach­dem ei­ne Wo­che lang die Bud­get-Si­tua­ti­on der Re­pu­blik ana­ly­siert und da­mit der mo­ne­tä­re Spiel­raum ei­ne schwarz-blau­en Ko­ali­ti­on aus­ge­mes­sen wur­de, prä­sen­tier­ten Kurz und FPÖChef Heinz-Chris­ti­an Stra­che ihr ge­mein­sa­mes Grund­ge­rüst für die künf­ti­ge Zu­sam­men­ar­beit.

Wer die Pro­gram­me der bei­den Par­tei­en in Gr­und­zü­gen kennt, wird bei der Lek­tü­re des schwarz-blau­en „Fahr­plans“nicht groß über­rascht: Auf et­was mehr als drei A4-Sei­ten gos­sen ÖVP und FPÖ ih­re Zie­le aus den Wahl­pro­gram­men in ein ge­mein­sa­mes Pa­pier mit fünf Teil­be­rei­chen. Ei­ner der zen­tra­len Punk­te: Die Steuer­und Ab­ga­ben­quo­te soll, wie im Wahl­kampf mehr­fach von bei­den ge­for­dert, von der­zeit mehr als 43 Pro­zent „in Rich­tung“40 Pro­zent ge­drückt wer­den. Zu­dem wer­den Kür­zun­gen bei So­zi­al­leis­tun­gen für Aus­län­der und Ver­schär­fun­gen im Straf­recht an­ge­peilt. „Das sind die Leit­li­ni­en, die wir nun un­se­ren Fach­grup­pen mit­ge­ben“, sag­te Kurz bei der Prä­sen­ta­ti­on der ge­mein­sa­men Punk­te.

Die wohl kon­kre­tes­ten Pas­sa­gen des Pa­piers be­tref­fen Si­cher­heit un­dMi­gra­ti­on: So wün­schen sich ÖVP und FPÖ et­wa mehr Po­li­zei­prä­senz im öf­fent­li­chen Raum und wol­len die ös­ter­rei­chi- schen Gren­zen auch wei­ter­hin kon­trol­lie­ren – zu­min­dest so lan­ge, bis „die Schen­genAu­ßen­gren­ze ge­si­chert ist“. Ein­mal mehr als Idea­le aus­ge­ge­ben wur­den die Min­dest­si­che­rungs-Mo­del­le von Ober­und Nie­der­ös­ter­reich – in die­ser „Min­dest­si­che­rung light“sol­len Asyl­be­rech­tig­te künf­tig we­ni­ger be­kom­men. Zu­dem soll es für Aus­län­der ei­ne fünf­jäh­ri­ge War­te­frist ge­ben, be­vor man Trans­fer­leis­tun­gen wie Kin­der­geld be­kommt. Im Pa­pier ist auch die Re­de von ei­ner von bei­den Par­tei­en im Wahl­kampf avi­sier­ten Zu­sam­men­le­gung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger, Ef­fi­zi­enz­stei­ge­run­gen bei Pen­sio­nen und För­de­run­gen, mehr di­rek­ter De­mo­kra­tie und ei­ner „Mo­der­ni­sie­rung der So­zi­al­part­ner­schaft“– ob die­se auch die Ab­schaf­fung der Pflicht­mit­glied­schaf­ten be­inhal­tet, lie­ßen Kurz und Stra­che al­ler­dings of­fen. Über­haupt gin­gen bei­de kaum ins De­tail: „Das sind nun Über­schrif­ten, die in den Ver­hand­lun­gen mit Le­ben er­füllt wer­den müs­sen“, er­klär­te Stra­che.

„Kei­ne Fe­ti­schis­ten“

Kri­tisch er­wähnt wur­den ein­mal mehr die nicht ge­ra­de bil­li­gen Be­schlüs­se kurz vor der Wahl: Maß­nah­men um rund drei Mil­li­ar­den Eu­ro, so Kurz, wur­den oh­ne Ge­gen­fi­nan­zie­rung durch­ge­boxt – und müs­sen nun erst ins ak­tu­el­le Bud­get ein­ge­rech­net wer­den. Die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on sei gros­so mo­do al­so „trotz gu­ter Kon­junk­tur und nied­ri­ger Zin­sen nicht ge­ra­de wün­schens­wert“, sag­te Kurz. Trotz die­ses Um­stan­des und der an­ge­peil­ten mas­si­ven Steu­er­sen­kun­gen wol­len die bei­den Par­tei­en ein struk­tu­rel­les Bud­get­de­fi­zit von 0,5 Pro­zent nicht über­schrei­ten – zu­min­dest lang­fris­tig. Grund­sätz­lich, sag­te Stra­che, „wol­len wir nicht mehr aus­ge­ben, als wir ein­neh­men“. Nach­satz: „Übers Knie bre­chen“, so Stra­che, wol­le man die Sa­che mit der ri­go­ro­sen Spar­po­li­tik aber nicht. „Wir sind ja kei­ne Null­de­fi­zit-Fe­ti­schis­ten“.

Zeig­ten sich bei den Ver­hand­lun­gen ein­mal mehr in ko­ali­tio­nä­rer Ein­tracht: ÖVP-Chef Sebastian Kurz und FPÖ-Chef Heinz-Chris­ti­an Stra­che

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