Stu­rer Preis­kampf in Frank­reich: But­ter ist jetzt Man­gel­wa­re

Acht Ki­lo But­ter isst ein Fran­zo­se pro Jahr. Doch weil sich Milch­ko­ope­ra­ti­ven und Han­dels­ket­ten in ei­nen Preis­krieg ver­strick­ten, sind die Re­ga­le oft leer.

Kurier (Samstag) - - INTERNATIONAL - VON SU­SAN­NE BOBEK Hams­ter­käu­fe.

Die Fran­zo­sen sind Welt­meis­ter im Pro-Kopf-Ver­brauch von But­ter. Acht Ki­lo pro Kopf ge­gen­über 5,3 Ki­lo in Ös­ter­reich (2016). Seit der Frei­ga­be der eu­ro­päi­schen Milch­quo­te 2015 lie­fern sich Bau­ern, Mol­ke­rei­en, Milch­in­dus­trie und Han­dels­ket­ten ei­ne Preis­schlacht.

Zu­nächst ent­stand ei­ne Milch­schwem­me, die zu ei­ner star­ken Pro­duk­ti­ons­dros­se­lung führ­te. Übe­r­all zo­gen dar­auf­hin die But­ter­prei­se an. Aber in Frank­reich wei­ger­ten sich die Han­dels­ket­ten mehr zu be­zah­len. Dar­auf­hin ent­schie­den sich vie­le Milch­ko­ope­ra­ti­ven, fran­zö­si­sche But­ter in die Wachs­tums­märk­te Ja­pan und Chi­na zu ex­por­tie­ren, weil sie dort fet­te Ge­win­ne er­zie­len kön­nen. Seit An­fang des Jah­res leg­ten die But­ter­ex­por­te um fast 50 Pro­zent zu. Der Preis für ei­ne Ton­ne But­ter klet­ter­te zwi­schen April 2016 und Ok­to­ber 2017 von 2500 Eu­ro auf 6500 Eu­ro. Pro Ki­lo braucht man 22 Li­ter Milch.

Die ge­stie­ge­ne Nach­fra­ge wird üb­ri­gens auch da­mit er­klärt, dass Er­näh­rungsex- per­ten nicht mehr vor dem „schlech­ten Cho­le­ste­rin“war­nen, son­dern dem na­tür­li­chen Fett der But­ter ei­ne ge­sun­de Wir­kung zu­schrei­ben.

Angst vor Knapp­heit

Die Fran­zo­sen hams­tern seit Wo­chen But­ter und frie­ren sie ein. In­ner­halb ei­ner Ok­to­ber­wo­che zog die Nach­fra­ge um fast 20 Pro­zent an, wo­mit die Re­ga­le gleich wie­der leer wa­ren.

„Es ist nur die Angst vor der Knapp­heit, die die Knapp­heit schafft“, be­schwich­tig­te das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um. Doch die La­ge ist ernst, denn mitt­ler­wei­le muss­ten ei­ni­ge Un­ter­neh­men we­gen des But­ter­man­gels so­gar die Pro­duk­ti­on ein­stel­len. Bei der Fir­ma „François“, die hoch­wer­ti­gen Blät- ter- und Mür­be­teig her­stellt, wur­de ein Teil der Be­leg­schaft vor­über­ge­hend ar­beits­los ge­mel­det. „Das könn­te uns um­brin­gen“, sagt Clau­de François, Che­fin des Be­trie­bes im Dé­par­te­ment Cher.

Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Sté­pha­ne Tra­vert will die Blo­cka­de zwi­schen ver­ar­bei­ten­den Be­trie­ben und Ein­zel­han­dels­rie­sen auf­bre­chen. Ein Kom­pro­miss scheint jetzt so­gar in Sicht zu sein. Die gro­ßen Ver­brau­cher­märk­te wie Su­per-U, In­ter­m­ar­ché oder Auchan ha­ben sich dar­auf ver­stän­digt, die Prei­se für But­ter um 10 bis 15 Pro­zent an­zu­he­ben. Leer aus­ge­hen dürf­ten da­bei nur die Bau­ern: Von der teu­re­ren But­ter im Su­per­markt bleibt der An­kaufs­preis für Milch so gut wie un­be­ein­flusst.

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