Akut­hil­fe für ver­fal­le­nen Orts­kern

Land Salz­burg über­nimmt um sechs Mil­lio­nen Eu­ro drei bau­fäl­li­ge Ge­bäu­de

Kurier (Samstag) - - CHRONIK - VON THOMAS SENDLHOFER

„Jetzt ist es Zeit zu Han­deln. Der Ort muss vor dem wei­te­ren Ver­fall ge­schützt wer­den.“

Die­se Wor­te stam­men von Bad Gas­teins Bür­ger­meis­ter Ger­hard St­ein­bau­er (ÖVP) – vor knapp zehn Jah­ren. Zu der Zeit woll­te der da­ma­li­ge Stell­ver­tre­ter von Lan­des­haupt­frau Ga­bi Burg­stal­ler, Wil­fried Has­lau­er (ÖVP), die Lie­gen­schaf­ten samt dem Kon­gress­haus über­neh­men und sa­nie­ren. Vor Kos­ten von bis zu 140 Mil­lio­nen Eu­ro warn­te da­mals SPÖ-Fi­nanz­lan­des­rat Da­vid Bren­ner. Er er­teil­te den Plä­nen ei­ne Ab­sa­ge, da er für die Ver­staat­li­chung von pri­va­ten Ho­tels nicht zur Ver­fü­gung ste­he.

Da­nach wur­de es all­mäh­lich ru­hig um die Bau­rui­nen Ho­tel Strau­bin­ger, Post­ge­bäu­de und Ba­de­schloss auf dem Strau­bin­ger­platz. Als vor Mo­na­ten erst­mals me­di­al Ge­rüch­te ver­brei­tet wur­den, dass doch noch ein­mal Be­we­gung für die Plä­ne fürs brö­ckeln­de Zen­trum des Ku­r­orts kom­men könn­te, ließ Bür­ger­meis­ter St­ein­bau­er Rat­lo­sig­keit durch­klin­gen. Die Si­tua­ti­on sei un­ver­än­dert.

Ort war­te­te 18 Jah­re

Am Frei­tag die Kehrt­wen­de nach 18 Jah­ren War­te­zeit: „Wir ha­ben end­lich Ver­fü­gungs­ge­walt über die Ge­bäu­de“, ver­kün­de­te St­ein­bau­er. Ver­ges­sen schei­nen die Zei­ten, in de­nen der Bür­ger­meis­ter kei­ne net­ten Wor­te für die Ei­gen­tü­mer („klas­si­sche Spe­ku­lan­ten“) fand. Lan­des­haupt­mann Has­lau­er war näm­lich­kurz­fris­tig nach Bad Gas­tein ge­kom­men, um die Über­nah­me der drei Ge­bäu­de durch das Land be­kannt zu ge­ben. Sechs Mil­lio­nen Eu­ro lässt sich das Land die bau­fäl­li­gen Ge­bäu­de kos­ten. Die Ei­gen­tü­mer aus Wi­en, Phil­ip­pe Du­val und Franz Wo­j­na­row­ski sei­en „im Preis ent­ge­gen ge­kom­men“. Bis zum Win­ter­be­ginn sei­en noch drin­gend ers­te Sa­nie­rungs­ar­bei­ten not­wen­dig, sagt Has­lau­er. Ma­xi­mal 7,5 Mil­lio­nen Eu­ro will das Land in- klu­si­ve der Pro­jekt­ent­wick­lung in­ves­tie­ren. Nach dem Ver­kauf an Be­trei­ber sol­len die Ge­bäu­de wie­der ei­ner „wirt­schaft­li­chen und tou­ris­ti­schen Nut­zung“zu­ge­führt wer­den. „Das Ziel ist, dass wir nach zwei Jah­ren wie­der drau­ßen sind aus der Ge­schich­te“, meint Has­lau­er. Wich­tig sei es ihm, „die Hand drauf zu ha­ben, wer kommt“. Dass das Land auf den ma­ro­den Bau­ten sit­zen blei­ben könn­te, fürch­tet Has­lau­er nicht.

For­mell muss am Di­ens­tag noch die Fonds­kom­mis­si­on des Wachs­tums­fonds des Lan­des zu­stim­men. Da­zu ha­be es „po­si­ti­ve Vor­ge­sprä­che“ge­ge­ben, sagt Has­lau­er. Die Kauf­ver­trä­ge mit den Ei­gen­tü­mern sind je­den­falls be­reits un­ter Dach und Fach.

Nur die „hal­be Mie­te“

Für Bür­ger­meis­ter St­ein­bau­er ist nach ei­ner „zä­hen Par­tie“nun der „Gor­di­sche Kno­ten zer­schla­gen“. Er er- war­tet sich, dass im Ort, der im Jahr mehr als 1,1 Mil­lio­nen Näch­ti­gun­gen zählt, nun neue Ho­tel­be­trie­be ent­ste­hen. Andre­as Kand­ler, SPÖ-Frak­ti­ons­ob­mann im Ge­mein­de­rat Bad Gas­teins, teilt die Freu­de über den De­al – es ge­be ei­nen frak­ti­ons­über­grei­fen­den Schul­ter­schluss. Wenn­gleich er we­ni­ger eu­pho­risch ist. „Mich wun­dert schon, dass sich das Land da drü­ber traut“, meint Kand­ler. Er spricht von der „hal­ben Mie­te“, zu­mal sich das Kon­gress­haus und das ge­gen­über­lie­gen­de Haus Aus­tria nach wie vor „in den Fän­gen des Herrn Du­val“be­fin­den wür­den, wie Kand­ler sagt.

Dass das Land die bei­den Ge­bäu­de eben­falls über­nimmt, kommt für Has­lau­er aber nicht in Fra­ge. Er hof­fe, dass an­de­re In­ves­to­ren den Weg in den Ku­r­ort fin­den – oder die Fa­mi­lie Du­val selbst. Dar­auf ha­ben die Gas­tei­ner in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten aber ver­geb­lich ge­war­tet.

Die drei Ge­bäu­de am Strau­bin­ger­platz (links un­ten) rot­ten seit zwei Jahr­zehn­ten vor sich hin

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