Bit­co­in scha­det der Um­welt

Ei­ne Trans­ak­ti­on be­nö­tigt so viel Ener­gie wie ein Haus­halt in zwei Wo­chen

Kurier (Samstag) - - FUTUREZONE - VON DA­VID KOTRBA UND FLO­RI­AN CHRIS­TOF

Wäh­rend sich Bit­co­in-Be­sit­zer über stän­dig neue Re­kord­hoch-Mel­dun­gen freu­en (der KU­RI­ER be­rich­te­te), lei­det die Um­welt un­ter der di­gi­ta­len Wäh­rung. Wie die Ana­lys­ten der Kryp­towäh­rungs­Platt­form Di­gi­co­no­mist er­rech­net ha­ben, wer­den der­zeit für ei­ne ein­zi­ge Bit­co­inTrans­ak­ti­on theo­re­tisch 215 Ki­lo­watt­stun­den Strom ver­braucht. Grund da­für ist der stei­gen­de Preis der Wäh­rung. Erst ges­tern klet­ter­te der Bit­co­in-Wert auf 7300 Dol­lar.

Für Un­ter­neh­men zahlt es sich da­durch aus, die ei­ge­ne Rech­ner-In­fra­struk­tur auf­zu­rüs­ten, um per Mi­ning (sie­he rechts) an Bit­co­ins zu ge­lan­gen oder als Netz­werk­kno­ten zu fun­gie­ren und Trans­ak­ti­ons­Ge­büh­ren zu er­hal­ten. Da­mit ein­her­ge­hend steigt der Strom­ver­brauch.

Zwei Mal Tes­la auf­la­den

Mit den er­rech­ne­ten 215 Ki­lo­watt­stun­den Strom pro Bit­co­in-Trans­ak­ti­on könn­te man ei­nen durch­schnitt­li­chen ös­ter­rei­chi­schen Haus­halt mehr als zwei Wo­chen mit Ener­gie ver­sor­gen. Au­ßer­dem könn­te man da­mit zwei Mal den der­zeit größ­ten Ak­ku des Elek­tro­au­to­bau­ers Tes­la voll­la­den, ei­nen Kühl­schrank für ein gan­zes Jahr be­trei­ben oder 1872 Li­ter Was­ser ko­chen. Der­zeit wer­den rund 300.000 Bit­co­inTrans­ak­tio­nen pro Tag durch­ge­führt. Selbst bei kon­ser­va­ti­ver Be­rech­nung ist der Ener­gie­ver­brauch von Bit­co­in enorm. Als Mi­ni­mal­wert wer­den 77 Ki­lo­watt­stun­den pro Trans­ak­ti­on an­ge­nom­men.

Der er­höh­te Strom­ver­brauch lässt sich di­rekt in stei- gen­de Emis­sio­nen um­rech­nen. Als Bei­spiel führt das USMa­ga­zin Mo­ther­board ein Bit­co­in-Mi­ning-Un­ter­neh­men in der Mon­go­lei an, das sei­nen Strom al­lei­ne aus Koh­le­kraft­wer­ken be­zieht. Der Strom­be­darf zum Er­rech­nen ei­nes ein­zi­gen Bit­co­in führt zu acht bis 13 Ton­nen Koh­len­di­oxid-Emis­sio­nen. Pro St­un­de wer­den 24 bis 40 Ton­nen Koh­len­di­oxid er­zeugt. Ein Au­to müss­te über 200.000 Ki­lo­me­ter fah­ren, um ei­ne ähn­li­che Emis­si­ons­men­ge zu er­zeu­gen.

Was­ser statt Koh­le

Die Strom­kos­ten in ei­ner der größ­ten Bit­co­in-Mi­nen in Chi­na be­tra­gen rund 39.000 Dol­lar pro Tag. Die ho­hen Strom­prei­se sol­len auch der Grund sein, war­um sich Kryp­to-Mi­ning in Ös­ter­reich nicht aus­zah­le. Das Ge­gen­teil will nun das Wie­ner Start-up Hy­droMi­ner be­wei­sen. Es be­treibt sei­ne „Mi­ning-Rech­ner“mit güns­ti­ger und um­welt­freund­li­cher Was­ser­kraft­ener­gie, wo­durch es beim Ab­bau di­gi­ta­ler Wäh­run­gen kon­kur­renz­fä­hig sein kann.

„Un­se­re Rech­ner ste­hen di­rekt bei Was­ser­kraft­wer­ken in Schön­berg und Waid­ho­fen an der Ybbs“, sagt Hy­droMi­ner-CEO Na­di­ne Dam­blon zum KU­RI­ER. Der­zeit wer­den Gut­schei­ne – so­ge­nann­te To­kens – ver­kauft, die ab 2018 bei Hy­droMi­ner in Ki­lo­watt­stun­den ein­ge­löst wer­den kön­nen. Die­se Ki­lo­watt­stun­den wer­den dann um­ge­rech­net in Ener­gie, die die Hy­droMi­ner-Rech­ner da- zu be­nö­ti­gen, um Kryp­towäh­run­gen zu er­zeu­gen. Die Kun­den be­kom­men dem­ent­spre­chend ih­ren ge­schürf­ten An­teil in der di­gi­ta­len Wäh­rung aus­be­zahlt.

Gro­ßes In­ter­es­se

Das Kon­zept von Hy­droMi­ner stößt auf gro­ßes In­ter­es­se bei In­ves­to­ren. In der ers­ten, li­mi­tier­ten Ver­kaufs­pha­se wa­ren al­le ver­füg­ba­ren To­ken in 36 Mi­nu­ten aus­ver­kauft.

In der ak­tu­el­len vier­wö­chi­gen Ver­kaufs­pha­se, die noch bis 15. No­vem­ber an­dau­ert, konn­te Hy­droMi­ner in­ner­halb von 24 St­un­den mehr als 1,1 Mil­lio­nen USDol­lar lu­krie­ren. Nach der­zei­ti­gem Stand hat das jun­ge Wie­ner Un­ter­neh­men be­reits mehr als 2,1 Mil­lio­nen US-Dol­lar ein­ge­sam­melt.

Beim Mi­ning wer­den, ähn­lich wie beim Schür­fen im Gold­berg­werk, Kryp­towäh­run­gen mit­hil­fe der Re­chen­kraft von Com­pu­tern ab­ge­baut

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.