Sound­ma­ker für Stars und Shows

Richard Oes­ter­rei­cher, ei­ner der letz­ten Gran­den der Big-Band-Ära, fei­ert 85. Ge­burts­tag

Kurier (Samstag) - - KULTUR - VON WER­NER RO­SEN­BER­GER

Für sei­ne Freun­de ist er „der Ri­chie“. „A Seel’ von an Men­schen“so­wie­so. Und „Mis­ter Big Band“wird 85 am 10. No­vem­ber. Richard Oes­ter­rei­cher, „Sir Richard“, wie ihn Vik­tor Ger­not nennt, fei­ert sei­nen Ge­burts­tag am Di­ens­tag li­ve im Por­gy & Bess, un­ter­stützt von sei­nem Quar­tett & Fri­ends, mit ei­ner bes­wing­ten, mu­si­ka­li­schen Rei­se durch das „Gre­at Ame­ri­can Song­book“.

All­zu gro­ßen Stress will er sich nicht mehr­ma­chen:„Nur noch Auf­trit­te an­neh­men, die mir Freu­de ma­chen.“Im kom­men­den Jahr zum Bei­spiel wie­der beim Opern­ball und im Som­mer 2018 mit Vik­tor „The Croo­ner“Ger­not und Big Band im Glo­be Thea­ter.

Aber wie war das da­mals zur „St­un­de null“1945 in Wi­en? „Wir muss­ten in den Luft­schutz­kel­ler ge­hen. Und ein schlim­mes Er­leb­nis für mich war, als bei ei­nem Bom­ben­an­griff knapp vor Kriegs­en­de un­ser Nach­bar­haus ge­trof­fen wur­de“, er­in­nert sich Oes­ter­rei­cher. „Die Hälf­te der rund 40 To­ten wa­ren Kin­der, al­le am Geh­steig auf­ge­bahrt, und da wa­ren vie­le Freun­de und Kin­der da­bei, die mit mir in die Schu­le ge­gan­gen sind. Das war ent­setz­lich.“

Weg zur Mu­sik

Seit den Nach­kriegs­jah­ren ist der Mu­si­ker über die Jahr­zehn­te als treu­er Be­glei­ter der hei­mi­schen Jazz- und Un­ter­hal­tungs­sze­ne be­kannt. Ei­gent­lich woll­te der Sohn ei­nes Mu­sik­leh­rers und ge­lern­te Schrift­set­zer aus Wi­en Mar­ga­re­ten als Halb­wüch­si­ger „viel lie­ber Fuß­ball spie­len“.

Aber die Lei­den­schaft für die Mu­sik aus Ame­ri­ka, „die wir in der Be­sat­zungs­zeit ge­hört ha­ben“, war letzt­lich stär­ker. 1972 wur­de er Mit­glied der Big Band, die sich der ORF für Sen­dun­gen und Auf­trit­te leis­te­te, über­nahm 1976 de­ren mu­si­ka­li­sche Lei­tung und kom­po­nier­te u. a. auch Si­gna­ti­ons für die ORF- Shows „Wer A sagt“, „Cham­pi­on“, „O du mein Ös­ter­reich“und „Count­down“.

„Da­mals, wäh­rend mei­ner 20 Jah­re Rund­funk-Zeit, ha­be ich am meis­ten ge­lernt“, er­zählt Oes­ter­rei­cher, der sich das Gi­tar­re-Spiel sel­ber bei­ge­bracht hat, im KURIERGe­spräch. Es war die Zeit, als gro­ße Bands noch die Be­gleit­mu­sik für TV-Shows spiel­ten.

Ein Alleskönner

Als um 1980 die ORF- Big­Band ab­ge­schafft wird, hat er „das Glück, fast nur mehr fürs Fern­se­hen zu ar­bei­ten“. Mit der Richard Oes­ter­rei­cher Big Band. Als dis­kre­ter Sound­ma­ker für Stars und Shows.

Da lernt er Peter Alexander als „groß­ar­ti­gen Mu­si­ker“schät­zen und ar­bei­tet u. a. mit Udo Jür­gens: „Ein sym­pa­thi­scher Typ, der im Volks­gar­ten al­le Si­na­tra-Lie­der ge­sun­gen hat, be­vor er be­kannt ge­wor­den ist.“; au­ßer­dem u. a. mit Bill Ram­sey, Ca­te­ri­na Va­len­te, Kurt So­wi­netz, Edi­ta Gru­bero­va, Ma­ri­an­ne Mendt und José Car­re­ras, aber auch mit dem kürz­lich ver­stor­be­nen Wie­ner­lied­sän­ger Karl Ho­di­na.

„Es gab noch nie so vie­le und so gu­te Jazz­mu­si­ker wie jetzt, aber gleich­zei­tig wer­den die Auf­tritts­mög­lich­kei­ten im­mer we­ni­ger“, klagt Oes­ter­rei­cher. „Ei­gent­lich war in den 50er-Jah­ren Jazz auch Tanz­mu­sik. Durch die Popmu­sik hat sich al­les ge­än­dert, und die Jazz­mu­si- ker be­kom­men nur mehr sehr schwer En­ga­ge­ments.“

Al­lein mit der Mund­har­mo­ni­ka trat Oes­ter­rei­cher u.a. an der Sei­te von To­ni Stri­cker, Herb El­lis, Erich Klein­schus­ter, Paul Kuhn und Art Far­mer auf und ist als vir­tu­os jaz­zen­der So­list am „Fotz­ho­bel“nach wie vor ge­fragt.

„Man fühlt sich ja ganz schlecht, wenn man mit welt­be­kann­ten Stars spielt“, sagt der pas­sio­nier­te Wie­ner be­schei­den mit Un­der­state­ment. „Denn Stars wa­ren wir al­le nicht. Wir sind aus Ös­ter­reich ja nie raus­ge­kom­men.“

Mund­har­mo­ni­ka ha­be ihm im­mer schon ge­fal­len. „Ich ha­be da­durch auch vie­le jun­ge Mu­si­ker wie Gi­na Schwarz ken­nen­ge­lernt“, sagt Oes­ter­rei­cher, „und das funk­tio­niert bis heu­te, da wer­de ich im­mer wie­der ein­ge­la­den.“

Nach­satz: „Und ich hof­fe, dass es noch ei­ne Zeit lang so wei­ter­geht.“

Mund­har­mo­ni­ka-So­list und Jazz­Mu­si­ker Richard Oes­ter­rei­cher

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