Bumm, bumm, bumm statt sti­lis­ti­scher Viel­falt

Die Go­ril­laz re­du­zier­ten ih­ren Sound beim Wi­en-Kon­zert auf Dan­ce-Club-Ni­veau.

Kurier (Samstag) - - RÄTSEL · KULTUR - VON BRI­GIT­TE SCHOKARTH

Es soll­te ein Gag sein. 1998 grün­de­ten Damon Al­barn und sein Freund und Co­mic­Zeich­ner Ja­mie Hew­lett die Cartoon-Band Go­ril­laz. Al­barn – von sei­nem mit der Brit­pop-Band Blur er­reich­ten Ce­le­bri­ty-Sta­tus an­ge­wi­dert – woll­te da­mit der Mu­sik­in­dus­trie ei­nen Spie­gel vor­hal­ten. Wa­ren die Co­mic-Fi­gu­ren Mur­doc, Nood­le, 2D und Rus­sel in der Öf­fent­lich­keit vor ihn ge­scho­ben, konn­te er da­hin­ter in al­ler Ru­he, ma­chen, was er will. Ka­ri­ka­tu­ren müs­sen sich ge­gen gän­gi­ge Re­geln und Markt­an­for­de­run­gen stem­men.

So spiel­ten die Go­ril­laz die ers­te Tour hin­ter ei­ner Lein­wand, auf die die Cartoon-Band pro­ji­ziert wur­de. Schon 2010 tra­ten die Mu­si­ker aber hin­ter dem Vor­hang her­vor, weil sich die Band vom Spaß­pro­jekt zum Me­ga­s­el­ler ent­wi­ckelt hat­te. Auch als die Go­ril­laz Don­ners­tag – zum ers­ten Mal in ih­rer 19jäh­ri­gen Ge­schich­te – in Wi­en auf­tra­ten, wa­ren die Co­mics nur mehr in Vi­de­os hin­ter Al­barn und sei­nen Mit­strei­tern zu se­hen.

Ein Dut­zend Mu­si­ker hat Al­barn (ab­ge­se­hen von den Fea­tu­re-Gäs­ten) in der Band. Doch in der Stadt­hal­le kön­nen sie das, was die Go­ril­laz auf Plat­te aus­macht, nicht re­kre­ieren. Das liegt vor al­lem an dem mie­sen Sound, der nur Bäs­se und Hö­hen be­tont und da­zwi­schen aus­lässt. Für ei­nen pri­mi­ti­ven Dan­ce-Act mag das viel­leicht pas­send sein. Bei den Go­ril­laz ging es aber im­mer um mehr als nur Beats, die in die Bei­ne­fah­ren. Mit so un­ter­schied­li­chen Kol­la­bo­ra­teu­ren wie De La Soul, Sno­op Dogg, Lou Reed, Bob­by Wo­mack und Mick Jo­nes und Paul Si­mo- non von The Clash ver­schmolz Al­barn Club-At­mo­sphä­re mit Soul un­dRock, mit Hip-Hop und Gos­pel. Er hat mu­si­ka­lisch Neu­es ge­wagt und mit oft iro­ni­schen Tex­ten, die po­li­tisch und so­zi­al ge­färbt sind, in­tel­li­gen­te Pop­Songs ge­schaf­fen.

Fein­hei­ten

In der Stadt­hal­le blieb von die­ser Viel­sei­tig­keit nichts üb­rig. Der Sound brumm­te und kreisch­te, be­grub je­de Raf­fi­nes­se, all die Fein­hei­ten der Ar­ran­ge­ments, die man von Plat­ten kennt. Ei­gent­lich war – zu­min­dest auf den Rän­gen – nicht ein­mal aus­zu­ma­chen, ob die­se Fein­hei­ten über­haupt ge­spielt wur­den, oder die Li­ve-Ar­ran­ge­ments der Ein­gän­gig­keit we­gen ab­sicht­lich auf plump ge­trimmt wa­ren.

Da­bei wä­re die Selt­list un­ter­halt­sam ge­stal­tet ge­we­sen: Da wa­ren die ro­cki­gen An­sät­ze von „M1 A1“, der ge­nau­so sü­ße wie schrä­ge Pop von „On Me­lan­ch­oly Hill“und mit „Ga­ra­ge Pa­lace“ra- san­ter Hip-Hop. Litt­le Simz, Ja­mie Prin­ciple und Ze­bra Katz sind auf die­ser Tour da­bei, ha­ben in der zwei­ten Hälf­te Auf­trit­te. Ein paar an­de­re Vo­kal-Gäs­te wer­den per Vi­deo ein­ge­spielt.

An­sons­ten zeigt die LEDWand die char­man­ten Car­toons von Ja­mie Hew­lett, der es ir­gend­wie schafft, 2D, Nood­le und Co. ge­nau­so ent­zü­ckend wie stumpf­sin­nig aus­se­hen zu las­sen. Doch auch da sind die in die Clips ein­ge­ar­bei­te­ten po­li­ti­schen Bot­schaf­ten durch die auf es­ka­pis­ti­sche Fe­te zie­len­de Mu­sik in den Hin­ter­grund ge­drückt.

Am En­de zeig­te sich Al­barn vom Wie­ner Pu­bli­kum an­ge­tan. Klar, die Stim­mung war auch nicht schlecht. Die Beats hat­ten schon ih­re Wir­kung. Aber von ei­nem in­no­va­ti­ven Mu­si­ker wie ihm hät­te man er­war­tet, dass er das Go­ril­laz-Ma­te­ri­al dif­fe­ren­zier­ter aus­führt und nicht so ka­te­go­risch auf Par­ty und den Spaß­fak­tor re­du­ziert.

Go­ril­laz-Car­toons: Heu­te nur mehr Il­lus­tra­ti­on für Al­barns Band

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