Ro­te Li­ni­en bei Tür­kis-Blau

Ko­ali­ti­ons­po­ker. Bei ei­nem Drit­tel der of­fe­nen Sach­fra­gen hakt es noch

Kurier (Samstag) - - POLITIK - – KKN/EP

Die Fron­ten für die nächs­ten Ver­hand­lungs­wo­chen zwi­schen ÖVP und FPÖ sind weit­ge­hend ab­ge­steckt: Mitt­ler­wei­le hat je­de der 25 Fach­grup­pen zu­min­dest ein Mal ge­tagt, auch die bud­ge­tä­ren Rah­men­be­din­gun­gen sind wei­test­ge­hend fest­ge­legt. So ging es am Frei­tag­abend im Wie­ner Pa­lais Epstein um den nächs­ten Schritt „in der nun an­ge­lau­fe­nen Pha­se der In­hal­te“, wie ein ÖVP-Spre­cher kurz vor der Run­de der Chef­Ver­hand­ler um die Par­tei­ob­leu­te Se­bas­ti­an Kurz und Heinz-Chris­ti­an Stra­che schil­der­te. „Jetzt“, sag­te Stra­che, „be­ginnt die ech­te in­halt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung“. De­ren Ba­sis sind die mitt­ler­wei­le den Chef-Ver­hand­lern ge­mel­de­ten Zwi­schen­er­geb­nis­se der Un­ter­grup­pen-Ver­hand­ler der Par­tei­en – in Ko­ali­ti­ons­spra­che „Clus­ter-Lei­ter“ge­nannt.

ÖVP und FPÖ nah­men sich mehr Zeit als bis­her: Da­mit „open end“in die Frei­tag­nacht ver­han­delt wer­den konn­te, wur­de auch ei­ne Pres­se­kon­fe­renz nach den Ge­sprä­chen ge­stri­chen. Aus den ge­nau­en Ver­hand­lungs­in­hal­ten macht die Run­de der Chef-Ver­hand­ler nach wie vor ein Ge­heim­nis – nur so viel: FPÖ-Chef Stra­che kün­dig­te am spä­ten Nach­mit­tag an, al­le heik­len The­men durch­ar­bei­ten zu wol­len.

Die of­fe­nen Fra­gen des Ko­ali­ti­ons­po­kers, so Stra­che , sei­en in drei Seg­men­te ein­zu­tei­len: Bei ei­nem Drit­tel ge­be es zahl­rei­che Über­schnei­dun­gen, ein wei­te­res Drit­tel las­se auf­grund ähn­li­cher An­sich­ten durch­aus taug­li­che Kom­pro­mis­se zu; und das letz­te Drit­tel sei schließ­lich je­nes, in dem bei­de Par­tei­en nun „ro­te Li­ni­en“fest­le­gen müss­ten, weil man doch noch ein gu­tes Stück von­ein­an­der ent­fernt sei. Hier wer­de man sich schwer tun, so Stra­che.

Kam­mern & Ple­bis­zi­te

ÖVP-Ver­hand­ler Ger­not Blü­mel mein­te das­sel­be, for­mu­lier­te es aber prä­gnan­ter: „Es hakt da und dort“. Den­noch, so Blü­mel, sei mitt­ler­wei­le rund ein Vier­tel der tür­kis­blau­en Ver­hand­lungs­ma­ra­thons ab­sol­viert. Kurz­um: Für Kom­pro­mis­se im heik­len Drit­tel der Ko­ali­ti­ons­ma­te­rie nimmt sich Tür­kis-Blau nun die rest­li­chen drei Vier­tel der ge­plan­ten Ver­hand­lungs­zeit.

Wo ge­nau es noch hakt, wird zwar nicht ver­ra­ten – aber al­lei­ne in der zen­tra­len Fra­ge der Kam­mer-Pflicht­mit­glied­schaf­ten tren­nen ÖVP und FPÖ Wel­ten. Wäh­rend die Volks­par­tei für ei­ne Bei­be­hal­tung der Pflicht­mit­glied­schaf­ten ein­tritt, will die FPÖ ge­nau die­se ab­schaf­fen – ob den Frei­heit­li­chen der in ÖVP-Krei­sen kur­sie­ren­de Kom­pro­miss ei­ner Mit­glie­derAb­stim­mung aus­reicht, wur­de von den Blau­en noch nicht kommentiert.

De­bat­tiert wer­den soll da­her auch über Sen­kun­gen und Zweck­wid­mun­gen von Kam­mer­bei­trä­gen. Auch dif­fi­zil dürf­te die Fra­ge der von der FPÖ zur Ko­ali­ti­ons­be­din­gung er­ho­be­nen di­rek­ten De­mo­kra­tie wer­den. Dort be­steht zwar sei­tens der ÖVP wie bei der Fu­si­on der So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger grund­sätz­lich Zu­stim­mung, über die De­tails müs­se al­ler­dings erst ge­spro­chen wer­den. Nicht zu­letzt wol­len ÖVP und FPÖ ihr zen­tra­les Vor­ha­ben – das Sen­ken der Ab­ga­ben­quo­te auf 40 Pro­zent – in die nicht ge­ra­de ro­si­gen bud­ge­tä­ren Rah­men­be­din­gun­gen ein­bet­ten.

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