Br­ex­it darf Ös­ter­reich nichts kos­ten

Wi­en for­dert, dass nach dem Bri­ten-Aus­tritt auch die EU-Aus­ga­ben re­du­ziert wer­den

Kurier (Samstag) - - POLITIK - VON MAR­GA­RE­THA KOPEINIG

Die Auf­re­gung un­ter den rei­chen EU-Mit­glieds­län­dern ist groß: Mit dem Aus­tritt der Bri­ten ge­hen dem EU-Haus­halt laut ei­ner Stu­die des Eu­ro­pa­Par­la­ments jähr­li­che Ein­nah­men von mehr als zehn Mil­li­ar­den Eu­ro net­to ver­lo­ren.

Deutsch­land müss­te dem­nach bei un­ver­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen (glei­che Aus­ga­ben­struk­tur wie bis­her) deut­lich mehr zah­len, rund 3,8 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr. 2016 über­wies Ber­lin rund 12,9 Mil­li­ar­den Eu­ro net­to an die EU. Auf Frank­reich ent­fie­len 8,2 Mil­li­ar­den Eu­ro, auf Ita­li­en et­wa ei­ne Mil­li­ar­de.

Und Ös­ter­reich? Un­ter der An­nah­me, dass die EUAus­ga­ben gleich blei­ben und Net­to­zah­ler für den ge­sam­ten bri­ti­schen EU-Bei­trag auf­kom­men, müss­te Ös­ter­reich jähr­lich bis zu 400 Mil­lio­nen Eu­ro mehr an die EU zah­len. Die­se Sum­me nann­te das Bü­ro von Fi­nanz­mi­nis­ter Hans Jörg Schel­ling dem KU­RI­ER.

400 Mil­lio­nen Eu­ro?

De­zi­diert weist man im Ka­bi­nett von Schel­ling aber dar­auf hin, dass die Bun­des­re­gie­rung sich „da­für ein­set­zen wird, dass nach dem Br­ex­it die EU-Aus­ga­ben im Aus­maß des weg­fal­len­den Net­to­bei­tra­ges der Bri­ten re­du­ziert wer­den. Da­durch wür­de kein Mit­glieds­staat hö­he­re Bei­trä­ge leis­ten müs­sen“. Für Ös­ter­reich be­deu­tet das aber auch, dass die Kür­zung des EUHaus­hal­tes auch ei­ne Kür­zung der Rück­flüs­se nach sich zie­hen wür­de. Das heißt, die EUFör­de­run­gen, et­wa für Bau­ern, wür­den sich ver­rin­gern.

Ös­ter­reich speist in die­sem Jahr den EU-Haus­halt mit 2,4 Mil­li­ar­den Eu­ro, rund 1,7 Mil­li­ar­den kom­men an Rück­flüs­sen zu­rück.

Für den Fall, dass die EUAus­ga­ben nach dem Br­ex­it gleich blei­ben, müss­te der Net­to­bei­trag des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­rei­ches von den an­de­ren Mit­glieds­staa­ten bzw. Net­to­zah­lern kom­pen­siert wer­den. Die­se Stra­te­gie ist nicht sehr wahr­schein­lich.

Wirk­lich heiß wird die De­bat­te über die Br­ex­it-Kos­ten un­ter Ös­ter­reichs EU-Vor­sitz in der zwei­ten Hälf­te 2018. Dann ste­hen die fi­na­len Aus­tritts­ver­hand­lun­gen an – und da­mit die Kos­ten­fra­ge.

May will Da­tums­ge­setz

Die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May ver­langt in­des­sen, das Da­tum per Ge­setz fest­zu­le­gen: Dem­nach soll­te der Aus­tritt am 29. März 2019 um 23.00 Uhr (Gre­en­wich Time) er­fol­gen, nach Mit­tel­eu­ro­päi­scher Zeit ist das um Mit­ter­nacht. May will mit der Fi­xie­rung des Aus­tritts­da­tums zwei Zie­le er­rei­chen: Die pro­eu­ro­päi­schen Ab­weich­ler in der ei­ge­nen Par­tei, die aus wirt­schaft­li­chen Grün­den ge­gen ei­nen har­ten Br­ex­it sind, auf Li­nie brin­gen. Und­zu­man­de­ren will die po­li­tisch ge- schwäch­te Pre­mier­mi­nis­te­rin mit dem neu­en Ge­setz ver­hin­dern, dass durch mög­li­che vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len oder ein neu­es Re­fe­ren­dum der Aus­tritt rück­gän­gig ge­macht wer­den könn­te. Ein Be­schluss im bri­ti­schen Par­la­ment über das Da­tums­ge­setz dürf­te Mo­na­te dau­ern.

Für Brüs­sel ist die­se Fra­ge völ­lig ir­re­le­vant, weil das EUAus­tritts­ge­setz oh­ne­dies vor­sieht, dass zwei Jah­re nach Ver­hand­lungs­be­ginn (29. März 2017) der Aus­tritt au­to­ma­tisch er­folgt – mit oder oh­ne Ab­kom­men über die künf­ti­gen Be­zie­hun­gen zwi­schen der EU und dem Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich.

EU stellt Frist

Bei der eben be­en­de­ten sechs­ten Ver­hand­lungs­run­de mit den Bri­ten gab es er­neut kei­ne Fort­schrit­te. EU-Chef­ver­hand­ler Mi­chel Bar­nier ver­liert lang­sam die Ge­duld: Er setzt den Bri­ten jetzt ei­ne zwei­wö­chi­ge Frist für ei­ne Grund­satz­ei­ni­gung über die wich­tigs­ten Eck­punk­te des Aus­tritts (Zah­lun­gen der Bri­ten an die EU, die Rech­te der EU-Bür­ger, die im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich le­ben so­wie die Grenz­fra­ge Ir­land/Nord­ir­land).

Gibt es bis zum EU-Gip­fel Mit­te De­zem­ber kei­ne Re­sul­ta­te, dann kön­ne es noch kei­ne Ver­hand­lun­gen über die zu­künf­ti­gen Be­zie­hun­gen der Uni­on mit den Bri­ten, vor al­lem im Han­dels­be­reich, ge­ben.

Saal­die­ner in Brüs­sel räumt Fah­nen weg: Die Bri­ten-Flag­ge stand bis­her im­mer ne­ben dem EU-Ban­ner

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