Al­le Rin­der sind schon da:

Ös­ter­reichs Bau­ern sind be­sorgt: Hö­he­re Im­port­quo­ten und das Aus für Zöl­le könn­ten den Preis für Rind­fleisch um 15 Pro­zent ab­stür­zen las­sen. Be­son­ders der De­al mit Bra­si­li­en & Co ist hei­kel.

Kurier (Samstag) - - WIRTSCHAFT - VON H. SILEITSCH-PARZER

Schon in we­ni­gen Jah­ren könn­te ei­ne Wel­le an Bil­lig­fleisch über Eu­ro­pa her­ein­bre­chen, be­fürch­ten Ös­ter­reichs Land­wir­te. Der Grund sind rie­si­ge Han­dels­ab­kom­men, die die EU-Kom­mis­si­on im Auf­trag der 28 Mit­glied­staa­ten ver­han­delt.

Als hei­kels­ter De­al gilt da­bei je­ner mit den vier Mer­co­sur-Staa­ten Bra­si­li­en, Ar­gen­ti­ni­en, Uru­gu­ay und Pa­ra­gu­ay. Die land­wirt­schaft­li­chen Gü­ter sind da­bei näm­lich ein Spiel­ball der Ver­hand­ler.

Han­dels­ab­kom­men sind üb­li­cher­wei­se ein Ge­ben und Neh­men: Es wer­den Wirt­schafts­in­ter­es­sen ab­ge­tauscht. Die EU will die Lie­fe­run­gen von Ma­schi­nen, Au­tos und Phar­ma­zeu­ti­ka aus­wei­ten und pocht auf ei­nen zoll­frei­en Zu­gang. Ös­ter­reichs star­ke In­dus­trie­be­trie­be die­ser Bran­chen könn­ten sich freu­en, für sie tä­ten sich neue Markt­chan­cen auf.

Das wol­len sich die Süd­ame­ri­ka­ner aber – wie bei sol­chen De­als üb­lich – so teu­er wie mög­lich ab­kau­fen las­sen. Ih­nen geht es dar­um, ih­re jetzt schon ge­wal­ti­gen Ex­por­te von Agrar­gü­tern in die EU wei­ter zu stei­gern. Das treibt Agra­ri­ern Schweiß­per­len auf die Stirn, denn ein Über­an­ge­bot lässt die Prei­se sin­ken.

Zu­cker und Et­ha­nol

AmF­rei­tag ging in Bra­si­lia die 30. Ver­hand­lungs­run­de für das EU-Mer­co­sur-Ab­kom­men zu En­de. EU-Han­dels­kom­mis­sa­rin Ce­ci­lia Malm­ström hält so­gar ei­nen Ab­schluss bis Jah­res­en­de für denk­bar. Das ist aber höchst frag­lich: Das hei­ße Rin­gen um die sen­si­blen Be­rei­che hat ge­ra­de erst be­gon­nen. Und das sind aus EU- und ös­ter­rei­chi­scher Sicht vor al­lem Rind­fleisch, Zu­cker, Et­ha­nol und Ge­flü­gel, sagt Karl Bau­er, Au­ßen­han­dels­ex­per­te in der Land­wirt­schafts­kam­mer, zum KU­RI­ER.

Bei­spiel hoch­wer­ti­ges Rind­fleisch: Schon jetzt kä­men aus dem Mer­co­sur 250.000 Ton­nen auf Eu­ro­pas Bin­nen­markt. Die EU hat­te zu­letzt wei­te­re 70.000 Ton­nen zoll­be­güns­tig­tes Fleisch an­ge­bo­ten. Zu we­nig aus Sicht der Süd­ame­ri­ka­ner.

Da­zu kom­men die schon be­schlos­se­nen hö­he­ren Quo­ten mit Ka­na­da aus dem CETA-Ab­kom­men. „Das muss man al­les ku­mu­la­tiv be­wer­ten. Al­lei­ne bei Rind­fleisch droht ein Preis­ver­lust von mehr als 15 Pro­zent“, warnt Bau­er un­ter Be­ru­fung auf ei­ne EU-ei­ge­ne Stu­die.

Zu­min­dest sei­en Im­por­te von Hor­mon-Rind­fleisch in die EU aus­ge­schlos­sen. „Das ist ei­ne kla­re ro­te Li­nie“, sagt Bau­er. Den­noch dro­he ein ver­zerr­ter Wett­be­werb, wenn die Ab­kom­men nicht auch für Be­rei­che wie Ar­beits­recht, Um­welt- oder Tier­schutz ein­heit­lich ho­he Stan­dards de­fi­nie­ren. Und die Rück­ver­folg­bar­keit des Flei­sches ga­ran­tie­ren: „Da hat es in der Ver­gan­gen­heit Miss­stän­de ge­ge­ben.“

Der Br­ex­it droht die La­ge üb­ri­gens zu ver­schlim­mern. Die Bri­ten sind der Haupt­ab­neh­mer der be­nach­bar­ten Rin­der-Groß­macht Ir­land. Soll­ten sich die Iren nach dem bri­ti­schen EU-Aus­tritt neue Märk­te su­chen müss­ten, wür­de das auf die Prei­se drü­cken.

Ein zu­sätz­li­ches Pro­blem gibt es bei Et­ha­nol, wo die EU 600.000 Ton­nen Im­por­te er­lau­ben will. Wenn Eu­ro­pa selbst künf­tig we­ni­ger Etha- nol aus Wei­zen oder Mais pro­du­ziert, müss­te es das da­bei an­fal­len­de Ne­ben­pro­dukt Ei­weiß als Fut­ter­mit­tel zu­kau­fen – üb­li­cher­wei­se ist das gen­tech­nisch ver­än­der­tes So­ja aus Bra­si­li­en.

Mehr Druck be­fürch­tet auch die eu­ro­päi­sche Zu­cker­in­dus­trie, die nach dem Aus-

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