Film ab, aber „in Eng­lish, plea­se!“

Ki­nos, die Fil­me in Ori­gi­nal­fas­sun­gen zei­gen, flo­rie­ren. Vor al­lem Jun­ge schau­en gern auf Eng­lisch.

Kurier (Samstag) - - CHRONIK - VON JU­LIA SCHRENK

Die Pre­mie­re von „Mord im Ori­ent­ex­press“im Eng­lish Ci­ne­ma Haydn am Don­ners­tag war aus­ver­kauft. Ge­fei­ert wur­de ne­ben der neu­es­ten Ver­fil­mung des Aga­tha Chris­tie-Klas­si­kers auch das 100jäh­ri­ge Be­ste­hen des Ki­nos.

Seit 1994 wer­den in der Wie­ner Ma­ria­hil­fer Stra­ße nur Ori­gi­nal­ver­sio­nen von Fil­men ge­zeigt. Dass Ki­no­be­su­cher, die Fil­me in der Ori­gi­nal­fas­sung schau­en – nicht syn­chro­ni­siert und oh­ne Un­ter­ti­tel – wird laut Chris­ti­an Dörf­ler, Be­trei­ber des Haydn Ki­nos, „im­mer mehr ein The­ma. Gott sei Dank.“

Grund­sätz­lich sei­en Trends im Ki­no schwie­rig fest­zu­ma­chen. Man wis­se oft nicht, war­um die Be­su­cher­zah­len plötz­lich stei­gen oder sin­ken. Oft ha­be das le­dig­lich da­mit zu tun, wel­che Fil­me in die Ki­nos kom­men und ob sie für das je­wei­li­ge Ki­no und sein Pro­gramm auch pas­sen. Der Ac­tion-Kas­sen­schla­ger wird sich in ei­nem Ar­thouse-Ki­no wahr­schein­lich nicht po­si­tiv auf Be­su­cher­zah­len aus­wir­ken. Ein Dra­ma, das rund um die Os­car-Ver­lei­hung in die ös­ter­rei­chi­schen Ki­nos kommt, wahr­schein­lich schon.

Dass das Haydn-Ki­no heu­er sein bes­tes Er­geb­nis seit Be­ginn an ein­fah­ren wird, liegt laut Chris­ti­an Dörf­ler dar­an, dass Eng­lisch „in“ist: Von Jän­ner bis Ok­to­ber die­ses Jah­res ver­zeich­net das Haus 150.000 Zu­schau­er. Im ge­sam­ten Jahr 2007 wa­ren es 114.000. „Vor al­lem die Jun­gen su­chen Un­ter­hal­tung auf Eng­lisch.“

Wäh­rend das Ziel­pu­bli­kum sei­nes Ki­nos frü­her aus Men­schen ab 19 oder 20 Jah- ren be­stan­den ha­be, wür­den heu­te auch vie­le 14- oder 15-Jäh­ri­ge kom­men. „Die sind das Eng­li­sche schon ge­wohnt“– von Vi­deo­spie­len, von Down­loads, von Streams.

Kei­ne Syn­chro

„Die Jün­ge­ren ver­ste­hen viel­leicht am An­fang nicht al­les, aber das ist ih­nen egal. Die wol­len die Schau­spie­ler mit ih­ren Ori­gi­nal­stim­men hö­ren und nicht syn­chro­ni­siert“, sagt Dörf­ler.

Erst am Mitt­woch ver­öf­fent­lich­te der Sprach­rei­sen­or­ga­ni­sa­tor EF ei­ne Stu­die über Eng­lisch-Kennt­nis­se. Ös­ter­reich rutsch­te zwar im in­ter­na­tio­na­len Ran­king von Platz acht auf Platz zehn, den­noch ha­be sich das Eng­lisch der Ös­ter­rei­cher ver­bes­sert. Am­bes­ten schnit­ten die jüngs­ten Un­ter­such­ten – die 18- bis 20-Jäh­ri­gen – ab.

Über­haupt sei es eu­ro­pa­weit fast ein­zig­ar­tig, dass Ki­no­fil­me im deutsch­spra­chi­gen Raum syn­chro­ni­siert ge­zeigt wer­den. „Ab­ge­se­hen von Ita­li­en und Spa­ni­en, wo das auch noch so ist, wer­den über­all Ori­gi­nal­fas­sun­gen ge­zeigt“, sagt Kurt Schra­mek, der das Burg Ki­no am Opern­ring be­treibt.

Dort wer­den schon seit den 1950er-Jah­ren Fil­me in Ori­gi­nal­fas­sung ge­zeigt. Jah­re­lang war es da­mit das ein­zi­ge Ki­no in Wi­en. Nach­dem ab 1994 auch im Haydn Ki­no Fil­me auf Eng­lisch ge­zeigt wur­den, kam in den 2000er- Jah­ren das Ar­tis Ki­no da­zu. Und von ur­sprüng­lich ei­nem Ki­no­saal, in dem Ori­gi­nal­fas­sun­gen ge­zeigt wur­den, stei­ger­te sich das An­ge­bot auf mitt­ler­wei­le zwölf Sä­le in drei Ki­nos. „Durch die Ver­meh­rung der Sä­le ist das An­ge­bot kon­ti­nu­ier­lich ge­wach­sen“, sagt Schra­mek. Die Be­su­cher­zah­len ha­ben sich auf drei Ki­nos ver­teilt. „Jetzt sind die Ka­pa­zi­tä­ten aus­ge­schöpft.“

All­zu viel Kon­kur­renz zwi­schen dem Burg Ki­no und dem Haydn bzw. dem Ar­tis ge­be es nicht: „Die Ki­nos sind un­ter­schied­li­cher ge­wor­den“, sagt Schra­mek. Und al­le drei, die Fil­me in Ori­gi­nal­fas­sun­gen zei­gen, gibt es noch: Es muss sich al­so die Grund­ge­samt­heit an Be­su­chern ver­än­dert ha­ben“, sagt Haydn-Chef Dörf­ler.

Seit 2003 be­treibt C. Dörf­ler (li. mit sei­nem Va­ter) das Eng­lish Ci­ne­ma Haydn in der Ma­ria­hil­fer Stra­ße

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