„Ich weiß nicht, ob es gut ist, für Zerstörung zu sor­gen“

Wi­en. Po­li­tik.

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - Ma­ria Vas­silak­ou

Rot-Grün in Wi­en Die rot-grü­ne Ko­ali­ti­on star­te­te 2010. Nach der Wahl 2015 kam es zu ei­ner Neu­auf­la­ge. Ge­mein­sam ver­fügt die Ko­ali­ti­on der­zeit über 54 von 100 Man­da­ten im Ge­mein­de­rat bzw. Land­tag (SPÖ 44, Grü­ne 10). Zu den be­kann­tes­ten Pro­jek­ten von Rot-Grün zäh­len un­ter an­de­rem die Aus­wei­tung der Park­raum­be­wirt­schaf­tung, die Fuß­gän­ger­zo­ne Ma­ria­hil­fer Stra­ße und die Ein­füh­rung der 365Eu­ro-Öf­fi-Jah­res­kar­te. SPÖ und Grü­ne be­schlos­sen am Frei­tag im Bil­dungs­aus­schuss des Ge­mein­de­ra­tes ein stren­ge­res Kin­der­gar­ten­ge­setz. Und zwar ge­gen die Stim­men von ÖVP und FPÖ. Das er­staunt, weil nach der um­strit­te­nen Kin­der­gar­ten­Stu­die des Re­li­gi­ons­päd­ago­gen Ed­nan As­lan ge­ra­de die­sen bei­den Frak­tio­nen die Kon­troll­me­cha­nis­men nicht weit ge­nug gin­gen.

Wie be­rich­tet, wer­den im no­vel­lier­ten Ge­setz die An­for­de­run­gen an die Be­trei­ber deut­lich er­höht. Wer künf­tig ei­nen Kin­der­gar­ten er­öff­nen will, muss für die Ge­neh­mi­gung ein päd­ago­gi­sches Kon­zept auf Ba­sis des Wie­ner Bil­dungs­plans so­wie ei­nen Bu­si­ness­plan vor­le­gen.

Au­ßer­dem ist nun of­fen­zu­le­gen, ob und wel­che re­li­giö­se Ver­mitt­lung statt­fin­den soll. Zu­dem wer­den Kin­der­gar­ten­lei­tern 100 St­un­den Aus­bil­dung in Kon­flikt­und Per­so­nal­ma­nage­ment so­wie Teament­wick­lung vor­ge­schrie­ben. Die An­zahl der Kon­trol­lo­re wird (un­ab­hän­gig vom Kin­der­gar­ten­ge­setz) auf 20 er­höht.

Der ÖVP geht das aber nicht weit ge­nug: Die Tür­ki­sen for­dern 100 Kon­trol­lo­re. Mit­tels dring­li­cher An­fra­ge möch­te Stadt­par­tei­chef Ger­not Blü­mel im Ge­mein­de­rat zu­dem wis­sen, ob „es in Hin­kunft un­an­ge­kün­dig­te Kon­trol­len ge­ben“wer­de ( was ei­gent­lich gän­gi­ge Pra­xis ist; Anm.). Und wie die Stadt mit­tels Sub­ven­ti­ons­ver­ga­be „die För­de­rung von ge­sell­schaft­li­chen Par­al­lel­struk­tu­ren so­wie Ab­schot­tungs­ten­den­zen“in is­la­mi­schen Kin­der­gär­ten un­ter­bin­den bzw. ver­hin­dern will.

Dop­pel­te Be­stä­ti­gung

Dass die ÖVP den stren­ge­ren Be­stim­mun­gen für Kin­der­gär­ten nicht zu­stimm­te, lässt den zu­stän­di­gen SPÖ-Stadt­rat Jür­gen Czer­no­hor­sz­ky „ma­xi­mal un­be­ein­druckt“, da es die­ser bloß dar­um ge­he, „ei­nen po­li­ti­schen Skan­dal zu in­sze­nie­ren“. Durch die Be­wer­tung von Aslans Stu­die durch ex­ter­ne Gut­ach­ter fühlt er sich be­stä­tigt.

Die hat­ten zwar kein wis­sen­schaft­li­ches Fehl­ver­hal­ten im ju­ris­ti­schen Sin­ne fest­ge­stellt, aber qua­li­ta­ti­ve De­fi­zi­te und „wis­sen­schaft­lich nicht nach­voll­zieh­ba­re“Än­de­run­gen, die im In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­ri­um vor­ge­nom­men wor­den wa­ren. Be­kräf­tigt fühlt sich aber auch die ÖVP. Weil As­lan „Fak­ten und Pro­blem­stel­lun­gen auf­ge­zeigt“ha­be, wür­den „rein kos­me­ti­sche Ali­bi-Ak­tio­nen der Stadt­re­gie­rung nicht aus­rei­chen“.

Ma­ria Vas­silak­ou: „Ich weiß nicht, ob es gut ist, für Cha­os und Zerstörung zu sor­gen“

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