Rauch­ver­bot, bit­te war­ten

Gas­tro-Re­geln. Ärz­te war­nen vor Lo­cke­rung. VP & FP: Noch kein The­ma

Kurier (Samstag) - - POLITIK - – CHRIS­TI­AN BÖH­MER

Ei­gent­lich passt zwi­schen FPÖ-Chef Heinz-Chris­ti­an Stra­che und sei­nen Stell­ver­tre­ter Her­bert Kickl kein Blatt – schon gar nicht in die­sen Ta­gen, wo doch die bei­den Frei­heit­li­chen in füh­ren­der Po­si­ti­on an ei­ner Ko­ali­ti­on mit der Volks­par­tei zim­mern.

Ein The­ma gibt es al­ler­dings, bei dem Stra­che und Kickl frei­mü­tig zu­ge­ben, dass sie die An­sicht des je­weils an­de­ren so gar nicht tei­len, und das ist das Rau­chen.

Für Nicht­rau­cher Kickl ist völ­lig klar, dass die Ge­sell­schaft ei­ne Ver­ant­wor­tung hat, ih­re Mit­glie­der vor dem ge­sund­heits­schä­di­gen­den Ver­hal­ten zu schüt­zen – ins­be­son­de­re die Nicht­rau­cher; Rau­cher Stra­che sieht das nicht so streng und ap­pel­liert bis­wei­len an Frei­heit und Selbst­ver­ant­wor­tung.

Und so lag es am Frei­tag an Her­bert Kickl zu er­klä­ren, was Ver­tre­ter der ÖVP schon tags zu­vor be­teu­ert hat­ten, näm­lich: Man ha­be über das Rauch­ver­bot, das ab Mai 2018 gel­ten wird, noch gar nicht ge­re­det.

We­der Ja noch Nein

„Der Um­gang mit dem Rauch­ver­bot war bis­lang nicht Ge­gen­stand der Ver­hand­lun­gen zwi­schen FPÖ und ÖVP. An­ders­lau­ten­de Me­dien­be­rich­te sind un­rich­tig“, ließ Kickl tro­cken in ei­ner Aus­sen­dung fest­hal­ten.

Die Fest­stel­lung tat in­so­fern not, als seit Ta­gen dar­über spe­ku­liert wird, dass die FPÖ der ÖVP be­reits ab­ge- run­gen ha­be, das be­reits 2015 be­schlos­se­ne Rauch­ver­bot in Lo­ka­len doch wie­der auf­zu­wei­chen bzw. zu kip­pen. „Der Rück­tritt vom Rauch­ver­bot wä­re ein Rück­schritt ins ge­sund­heits­po­li­ti­sche St­ein­zeit­al­ter“, sagt der Arzt und frü­he­re Ge­sund­heits­spre­cher der ÖVP, Er­win Ra­sin­ger, zum KU­RI­ER.

Ra­sin­ger ge­hört dem neu ge­wähl­ten Na­tio­nal­rat bzw. den Ver­hand­lungs­grup­pen zwar nicht mehr an. Er wür­de es aber für ei­nen „dra­ma­ti­schen Feh­ler“hal­ten, den Nicht­rau­cher-Schutz auf­zu­wei­chen. „Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on, die OECD und al­le EU-Nach­barn wür­den es mit Kopf­schüt­teln kom­men­tie­ren, wenn Ös­ter­reich, das bei den ent­spre­chen­den Ge­sund­heits­da­ten oh- ne­hin nicht gut liegt, nun zu­sätz­lich wie­der rau­cher­freund­li­cher wird.“

Zahl­rei­che Ex­per­ten, dar­un­ter die Krebs­hil­fe und der Haupt­ver­band der So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger, warn­ten am Frei­tag da­vor, das Rauch­ver­bot zu­rück­zu­neh­men.

Un­ter­stützt wird der Wunsch durch ak­tu­el­le Zah­len der OECD. Dem­nach sind die Ös­ter­rei­cher beim Ni­ko­tin-Kon­sum, al­so bei ei­nem der we­sent­lichs­ten Ri­si­ko­Fak­to­ren für schwe­re und töd­li­che Er­kran­kun­gen, deut­lich über dem OECD-Schnitt: Wäh­rend in den 35 OECDLän­dern rund 18 Pro­zent der Be­völ­ke­rung rau­chen, sind es in Ös­ter­reich 24 Pro­zent. Und „im Ge­gen­satz zur gro­ßen Mehr­heit der OECD-Staa­ten ist der An­teil der Rau­cher in Ös­ter­reich in den ver­gan­ge­nen De­ka­den nicht zu­rück­ge­gan­gen“, notiert die OECD. Sie emp­fiehlt des­halb, das Be­zugs­al­ter bei Ta­bak und Al­ko­hol an­zu­he­ben.

Ku­rio­ses Schluss­licht

Die Tat­sa­che, dass hier­zu­lan­de über­haupt noch über ein Rauch­ver­bot in öf­fent­li­chen Räu­men (Ar­beits­platz, Re­stau­rants, Pubs, Äm­ter, etc.) dis­ku­tiert wird, ist im eu­ro­päi­schen Ver­gleich für sich ge­nom­men ein Ku­rio­sum. Denn in al­len 28 EU-Staa­ten gel­ten Rauch­ver­bo­te. Vor­rei­ter wie Ir­land ha­ben das ge­ne­rel­le Rauch­ver­bot in öf­fent­li­chen Räu­men seit nicht we­ni­ger als 13 Jah­ren.

„Der Rück­tritt vom Rauch­ver­bot wä­re ein Rück­schritt ins ge­sund­heits­po­li­ti­sche St­ein­zeit­al­ter.“ Er­win Ra­sin­ger Ex-ÖVP-Ge­sund­heits­spre­cher „Der Um­gang mit dem Rauch­ver­bot war bis­lang nicht Ge­gen­stand der Ver­hand­lun­gen.“ Her­bert Kickl Ko­ali­ti­ons­ver­hand­ler der FPÖ

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