Krea­ti­ves Ses­sel­spiel

Der ita­lie­ni­sche Mö­bel­her­stel­ler Ma­gis hat mit sei­nen Pro­duk­ten ei­ne Rei­he von De­sign-Iko­nen ge­schaf­fen. Jetzt fei­ert das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men von Welt­ruf sei­nen 40. Ge­burts­tag.

Kurier (Samstag) - - MENSCHEN - VON COR­DU­LA PUCHWEIN

» Selbst Men­schen, die sich in kei­ner Wei­se für De­sign, auch nicht für Mö­bel und schon gar nicht für die krea­ti­ven Köp­fe da­hin­ter in­ter­es­sie­ren – die­sen Ses­sel ken­nen fast al­le: den „Chair One“. Ja, den mit der un­ver­wech­sel­ba­ren, geo­me­tri­schen Git­ter­struk­tur (Bild

rechts oben). Und der ers­te Stuhl, den Ma­gis 2003 im Alu­mi­ni­um­D­ruck­guss her­ge­stellt hat und da­mit je­de De­si­gn­vor­stel­lung ge­sprengt hat. Der Clou aber ist: Der Ses­sel ist noch da­zu be­quem.

Als das Sitz­mö­bel, er­dacht von Kon­stan­tin Gr­cic, auf den Markt kam, sprach al­le Welt dar­über. Und tut es noch. „Chair One“ist ein Dau­er­sel­ler, wie so vie­le Mö­bel – ob aus Plas­tik, Alu­mi­ni­um, Schmie­de­ei­sen und ähn­lich un­kon­ven­tio­nel­len Ma­te­ria­li­en – die

Ma­gis mit Sitz in Tor­re di Mos­to bei Venedig in vier Jahr­zehn­ten her­vor­ge­bracht hat: das abs­trak­te Sitz­mö­bel „Trio­li“von Ee­ro Aar­nio für die „Me-Too“-Kol­lek­ti­on et­wa. Oder: Bar­stuhl „Bom­bo“, „Steel­wood Chair“, „Bank Fol­ly“, Krei­sel­ses­sel „Spun“, Kin­der­stuhl „Pup­py“, das be­rühm­te Po­ly­ethy­len-Hünd­chen von Ee­ro Aar­nio. Die Lis­te der Kult­mö­bel ist lang, vie­les ist preis­ge­krönt und steht in re­nom­mier­ten Mu­se­en wie dem Mo­dern Art Ne­wYork und Cent­re

Pom­pi­dou Pa­ris. Seit 1976, als Eu­ge­nio Pe­raz­za das Un­ter­neh­men ge­grün­det hat, ist ei­ni­ges an Mo- bi­li­ar zu­sam­men­ge­kom­men. Jetzt fei­ert Ma­gis 40. Ge­burts­tag und die De­si­gn­com­mu­ni­ty gra­tu­liert. „Pe­raz­za ist Fel­li­ni. Ma­gis ist Cine­cit­tà. Wir, die De­si­gner, sind Schau­spie­ler in die­sem un­glaubli- chen Wahn­sinn, der ei­nen der in­ter­es­san­tes­ten Fil­me der ita­lie­ni­schen In­dus­trie ent­ste­hen ließ“, mei­nen die De­sign-Brü­der Ro­n­an und Er­wan Bou­roullec. Auch der fran­zö­si­sche Star­de­si­gner Phil­ip­pe St­arck stellt sich mit Glück­wün­schen ein: „ Ma­gis ge­hört zu den bes­ten De­si­gner­fir­men der Welt.

Ma­gis denkt nie an Trends und Mar­ke­ting­zie­le. Al­les ist Ehr­lich­keit, In­tel­li­genz, For­schung, Pro­dukt­ent­wick­lung.“

Da­mit trifft St­arck den Na­gel auf den Kopf. Denn ge­nau das ist es, was Eu­ge­nio Pe­raz­za, Sohn Al­ber­to und des­sen Frau Bar­ba­ra am Her­zen liegt. Al­le Pro­duk­te müs­sen funk­tio­nell, tech­nisch hoch­wer­tig sein, aber auch äs­the­tisch über­zeu­gen. Kurz: Ma­gis will ein­fach mehr. Die­ser An­spruch schwingt auch im Na­men Ma­gis mit. Das Wort kommt aus dem Latei­ni­schen und be­deu­tet so viel wie „mehr aus et­was ma­chen“– und dar­auf ver­ste­hen sich die Pe­raz­zas bes­tens. Ja, das ha­ben sie prak­tisch in ih­rer DNA. Stän­dig ex­pe­ri­men­tie­ren sie mit in­no­va­ti­ven Ma­te­ria­li­en und Tech­no­lo­gi­en, die sie mit eben­so un­kon­ven­tio­nel­len Ide­en und De­signs ver­bin­den. Das ist die ho­he Kunst und gleich­zei­tig das Mar­ken­zei­chen der Mö­bel­ma­cher. Al­ber­to Pe­raz­za: „Wenn wir zu­rück­bli­cken, se­hen wir, dass wir an­ders wa­ren, viel hat sich ver­än­dert. Was aber nicht an­ders ge­wor­den ist und sich mit der Zeit im­mer mehr ge­fes­tigt hat, ist das We­sen von Ma­gis: die For­schung, der Wil­le, sich neu­en Her­aus­for­de­run­gen zu stel­len und Neu­es aus­zu­pro­bie­ren.“«

Ma­gis mal ba­rock. „Proust“ist ein ma­jes­tä­ti­scher Fau­teuil aus Po­ly­äthy­len, auch für den Au­ßen­be­reich ge­eig­net

Ein Schau­kel­stuhl wie ei­ne Skulp­tur: „Vo­ido“by R. Arad, 2006. Gibt’s auch für drau­ßen

Ses­sel „Mi­là“by J. Hayón, ele­gant in An­leh­nung an die ka­ta­lo­ni­sche Mo­der­ne

Kennt je­der: „Chair One“, ent­wor­fen von Kon­stan­tin Gr­cic, her­ge­stellt im Alu-Druck­guss­ver­fah­ren

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