Roman Raf­rei­der, TV-Mo­de­ra­tor

Der be­kann­te ORF-An­chor­man nimmt erst­mals zu den Vor­wür­fen und dem me­dia­len Echo Stel­lung

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - SEI­TE 25

Der ORF- An­chor­man nimmt zur an­geb­li­chen Ge­walt-Af­fä­re rund um sei­ne Per­son Stel­lung. Die öf­fent­li­che De­bat­te be­las­tet ihn sehr.

Der KU­RIER sprach mit ORFMo­de­ra­tor Roman Raf­rei­der, der we­gen ei­ner an­geb­li­chen Ge­walt-Af­fä­re Ur­laub vom TV-Schirm ma­chen muss. KU­RIER: Herr Raf­rei­der, un­ser Tref­fen fin­det in der Wie­ner Ci­ty statt. Trau­en Sie sich über­haupt noch auf die Stra­ße? Roman Raf­rei­der: Nein, ich bin zwar kein be­son­ders ängst­li­cher Mensch, aber die Si­tua­ti­on ist ex­trem be­las­tend. Auf dem Weg hier­her ha­be ich nur auf den Bo­den oder das Han­dy ge­starrt. Seit letz­ter Wo­che bin ich un­ter­ge­taucht. Ich ha­be mich in ei­ne Hüt­te zu­rück­ge­zo­gen und auch kei­ne Zei­tun­gen ge­le­sen. Zu­letzt ha­be ich auf ei­nem Wein­gut in Nie­der­ös­ter­reich ge­wohnt. War­um pas­siert jetzt doch der Gang an die Öf­fent­lich­keit?

Ich ha­be mir fest vor­ge­nom­men– auch auf An­ra­ten all mei­ner Be­ra­ter, dar­un­ter mein An­walt Oli­ver Scher­baum –, dass ich kein State­ment ab­ge­be; aus Re­spekt vor den un­be­fan­ge­nen Er­mitt­lun­gen der Jus­tiz und vor al­lem aus Re­spekt vor dem höchst per­sön­li­chen Le­bens­be­reich mei­ner Ex-Freun­din. Re­spekt vor mei­nem Pri­vat­le­ben gibt es oh­ne­hin nicht mehr. Aber jetzt pas­sie­ren Din­ge, die ich nicht mehr hin­neh­men kann – et­wa der Wahn­sinn im Bou­le­vard. Da läuft ein bi­zar­rer Ver­such ei­ner Ver­nich­tung und Vor­ver­ur­tei­lung ab. Da wer­den pri­va­te Whats­App-Nach­rich­ten aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­sen ver­öf­fent­licht, weil sich, wie ich­hö­re, ein­bis­lan­gun­be­kann­ter An­walt wich­tig ma­chen will. Ich muss jetzt mei­ne Fa­mi­lie, mei­nen Sohn und mich selbst schüt­zen. Apro­pos Sohn: Wür­den Sie bei sei­nem Le­ben schwö­ren, Ih­re Ex nicht ge­schla­gen zu ha­ben?

Das schwö­re ich. Oh­ne mei­nen Sohn hier rein­zie­hen zu wol­len. Ich bin 48 Jah­re alt, und ich ha­be noch nie in mei­nem Le­ben ei­ne Frau ge­schla­gen. Üb­ri­gens auch kei­nen Mann. War­um hat die Po­li­zei dann ein Be­tre­tungs­ver­bot für die Woh­nung Ih­rer Ex-Freun­din aus­ge­spro­chen? Das legt für die meis­ten den Ver­dacht na­he, dass an dem Vor­wurf doch was dran ist…

Ja, das kam auch für mich ziem­lich über­ra­schend, vor al­lem weil es gar nicht not­wen­dig ge­we­sen wä­re, weil ich aus der Woh­nung schon lan­ge aus­ge­zo­gen bin und ich sie mei­ner Ex-Freun­din ja über­las­sen ha­be. Sie wohnt da auch jetzt noch drin­nen und ich zah­le wei­ter­hin die Mie­te. Und das ist auch okay für mich. Wie kann es dann so weit kom­men?

Ich ha­be mich in ei­ne Frau ver­liebt, wo ich im Lau­fe der Be­zie­hung ent­deckt ha­be – durch­aus mit ih­rer Hil­fe– dass sie ei­ne pro­ble­ma­ti­sche Ver­gan­gen­heit hat. In ei­ner Bou­le­vard­zei­tung wa­ren Mes­sen­ger-Nach­rich­ten von Ih­nen, wo Sie Ih­rer Ex-Freun­din dro­hen, dass Sie sie fer­tig ma­chen könn­ten. So et­was soll­te in ei­ner Be­zie­hung, auch wenn sie ge­schei­tert ist, auch nicht auf der Ta­ges­ord­nung ste­hen…

Ja, das stimmt. Die­se SMS ist furcht­bar, her­ab­las­send, ar­ro­gant und durch nichts zu ent­schul­di­gen. Ich ha­be die­se Nach­richt, so nennt es auch die Psy­cho­lo­gie, in ei­nem ab­so­lu­ten Aus­nah­me­zu­stand ge­schrie­ben. In die­ser Nacht, wo ich die Nach­richt ge­schrie­ben ha­be, er­fuhr ich et­was, das mir den Bo­den un­ter den Fü­ße weg­ge­zo­gen hat. Was war das?

Ich ha­be von zwei un­ter­schied­li­chen Rich­tun­gen, von ih­rem und mei­nem Um­feld ge­hört, dass sie wie­der et­was tut, was sie mir ver­spro­chen hat, nie wie­der­zu­tun. Da­sist et­was, wo­von sie mir lei­der viel zu spät in der Be­zie­hung er­zählt und bis da­hin ver­heim­licht hat. Aus die­sem Grund ha­be ich mich das ers­te Mal von ihr ge­trennt, aber weil ich so ver­liebt war, konn­te ich nicht ge­hen. Ich such­te nach ei­ner Lö­sung, und dann hat mei­ne Ex-Freun­din mich zu ih­rer Psy­cho­the­ra­peu­tin mit­ge­nom­men, die mir dann meh­re­res er­klärt hat und den The­ra­peu­ten Aa­ron Kam­pusch emp­foh­len hat. Was ist das omi­nö­se Ge­heim­nis Ih­rer Ex-Freun­din?

Dar­über möch­te ich nicht re­den. Der An­walt Ih­rer Ex-Freun­din deu­te­te in ei­nem Bou­le­vard-TVIn­ter­view an, dass sie im Rot­licht­mi­lieu tä­tig war. Stimmt das?

Ich möch­te da­zu ehr­lich nichts sa­gen. Sie sa­gen, Sie sind auch in The­ra­pie ge­gan­gen, als Sie von der Ver­gan­gen­heit Ih­rer Ex-Freun­din er­fuh­ren. War­um braucht es da ei­ne The­ra­pie über­haupt?

In der The­ra­pie ging es um zwei Din­ge: Ers­tens, zu ver­ste­hen, was sie aus ih­rer Ver­gan­gen­heit er­zählt hat. Und zwei­tens ging es um die Fra­ge, wie kann ich mir und ihr in die­ser Aus­nah­me­si­tua­ti­on hel­fen. Da ging es auch um die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit trau­ma­ti­sier­ten Men­schen, um Selbst­ver­let­zun­gen so­wie wi­der­sprüch­li­ches Ver­hal­ten in Be­zie­hun­gen. Wir ha­ben da viel wei­ter­ge­bracht. Und dann er­fah­re ich nach drei Jah­ren und zahl­rei­chen The­ra­pie­sit­zun­gen, dass mei­ne Ex-Freun­din an­geb­lich wie­der Din­ge hin­ter mei­nem Rü­cken tut, die die­se Ar­beit ka­putt ma­chen. Ich ha­be nie re­cher­chiert, ob es wirk­lich stimmt. Aber al­lein die Nach­richt hat mich aus der Bahn ge­wor­fen. Und­des­we­gen­pas­sier­ten die­se wirk­lich blö­den SMS. Hat es Sie so aus der Bahn ge­wor­fen, dass Sie Ih­re Kon­trol­le ver­lo­ren ha­ben?

Ich kann nicht wirk­lich be­ur­tei­len, ob es Kon­troll­ver­lust war, aber auf je­den Fall ha­be ich was ge­schrie­ben, was ich nor­mal nicht schrei­ben wür­de. Wenn es nur har­te Nach­rich­ten wa­ren, war­um dann die An­zei­ge?

Ich weiß es nicht. Wir hat­ten­in­derZeitz­wi­schen­der Tren­nung und dem Tag der An­zei­ge – das wa­ren un­ge­fähr drei bis vier Wo­chen – ein gu­tes Ein­ver­neh­men. Wir ha­ben uns täg­lich nett ge­schrie­ben ( Anm. der Red.: Das do­ku­men­tiert Raf­rei­der, in­dem er die SMS of­fen­legt). Zum Bei­spiel die Fra­ge von mir: „Be­kom­men wir das eh gut über die Büh­ne?“Da ant­wor­te­te sie: „Ja, das schaf­fen wir schon.“Oder ich ha­be ge­fragt, ob ich mir ei­nen An­zug aus der Woh­nung ho­len kann? Sie ant­wor­te­te: „Ja, klar komm vor­bei.“

Und selbst am Tag der An­zei­ge um 14.25 Uhr ha­ben wir noch net­te SMS mit­ein­an­der ge­schrie­ben. Und wann kam die An­zei­ge?

Ge­gen 17.10 Uhr er­hielt ich ei­nen An­ruf der Po­li­zei, dass mich mei­ne Ex-Freun­din an­ge­zeigt hat. Was in den drei St­un­den pas­siert ist, kann ich nicht nach­voll­zie­hen. Der schwers­te Vor­wurf ist das De­likt der Kör­per­ver­let­zung. Kann man das ein­fach vor der Po­li­zei er­fin­den?

Mei­neEx-Freun­din­be­zieht sich in ih­rer Aus­sa­ge auf ei­nen kon­kre­ten Vor­fall, an ei­nen kon­kre­ten Tag im Ju­ni – und da gab es auch tat­säch­lich ei­ne Ver­let­zung. Da hat­te sie wie­der ei­ne ih­rer Pa­nik­at­ta­cken. Da­rennt sie dann los, weil sie ir­gend­et­was ge­trig­gert hat. Sie schreit los und schlägt manch­mal ge­gen Haus­mau­ern. Ein An­rai­ner rief die Po­li­zei, die auch kam. Die Po­li­zis­ten konn­ten sie be­ru­hi­gen, ich stand ab­seits, aber es gab kei­ne An­zei­ge we­gen Kör­per­ver­let­zung. Wenn es ei­ne ge­we­sen wä­re, hät­te es die­se ja ge­ben müs­sen. Wie soll es nun wei­ter­ge­hen?

Ich ha­be jetzt ein­mal Ur­laub, mei­ne Chefs Li­sa Totzau­er und Wolfgang Gei­er ste­hen­voll­hin­ter­mir.Wir­war­ten auf die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung der Staats­an­walt­schaft und die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens. Mir tut das al­les furcht­bar leid. Ich bin mir si­cher, dass auch mei­ne Ex-Freun­din nicht weiß, wie ihr ge­schieht. Es­tut­mir­soleid, dass ich nicht mehr die Kraft hat­te, die­sen schwe­ren Ruck­sack in un­se­rer Be­zie­hung zu tra­gen.

„Ich ha­be noch nie in mei­nem Le­ben ei­ne Frau ge­schla­gen. Üb­ri­gens auch kei­nen Mann“, sagt Raf­rei­der

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