Gut­ach­ter-Streit um Mord

Wur­de Mi­re­la B. im Wahn ge­tö­tet? Psych­ia­ter Hal­ler sagt: Ja.

Kurier - - CHRONIK - VON RAFFAELA LINDORFER

Ver­schlos­sen, ver­ängs­tigt und von der Angst be­herrscht, ver­folgt und ver­gif­tet zu wer­den. So be­schreibt Ge­richts­psych­ia­ter Rein­hard Hal­ler den 21-jäh­ri­gen Alexander I., der sich am Lan­des­ge­richt Salz­burg we­gen Mor­des an sei­ner Ex-Freun­din Mi­re­la B. ver­ant­wor­ten muss. Wie be­rich­tet, be­haup­tet er, Stim­men hät­ten ihm den Mord be­foh­len.

Ei­nen An­lass, sich we­gen Stim­men un­be­hag­lich zu füh­len, gab ihm die Fa­mi­lie des Op­fers beim fort­ge­setz­ten Pro­zess am Di­ens­tag. „Jetzt hörst du ein­mal un­se­re Stim­me, da­mit du weißt, dass wir hin­ter dir sit­zen“, sag­te Mi­re­las Mut­ter zu ihm.

Wie be­reits beim Pro­zess­auf­takt im Sep­tem­ber, herrsch­ten stren­ge Si­cher­heits­vor­keh­run­gen im Aus­weich­quar­tier des Lan­des­ge­richts in der Wei­ser­stra­ße: Pro­zess­be­ob­ach­ter wur­den ge­nau kon­trol­liert, muss- ten so­gar Feu­er­zeu­ge ab­ge­ben. Im Ge­richts­saal sa­ßen Po­li­zis­ten in Zi­vil.

Fra­ge nach Zu­rech­nungs­fä­hig­keit

Hal­ler durf­te vor den Ge­schwo­re­nen le­dig­lich sei­ne Ein­drü­cke von sei­nem drei­ein­halb­stün­di­gen Ge­spräch mit dem An­ge­klag­ten schil­dern. Sein Pri­vat­gut­ach­ten, das Ver­tei­di­ge­rin Lia­ne Hirsch­brich in Auf­trag ge­ge­ben hat­te, wur­de vom Ge­richt nicht zu­ge­las­sen.

Wäh­rend Neu­ro­psych­ia­ter Ernst Grieb­nitz kei­ne Wah­ner­kran­kung fest­stel­len konn­te und I. als zu­rech­nungs­fä­hig er­klär­te, will Hal­ler ei­ne „pa­ra­no­ide hal­lu­zi­na­to­ri­sche Psy­cho­se“dia­gnos­ti­ziert ha­ben, was ei­ne Zu­rech­nungs­un­fä­hig­keit be­deu­ten wür­de. „Auf mich hat er den Ein­druck ge­macht, dass er sich zum Tat­zeit­punkt nicht aus­ge­kannt hat“, schil­der­te Hal­ler vor den Ge­schwo­re­nen.

Rechts­an­walt Ste­fan Rie­der, der die An­ge­hö­ri­gen über den WEIS­SEN RING be­treut, ver­mu­tet da­hin­ter ei­ne Tak­tik: „Der An­ge­klag­te will für psy­chisch krank er­klärt wer­den, weil er sich da­durch Vor­tei­le er­war­tet.“Da­für spre­che auch, dass I. sich vor der Tat im In­ter­net über den Maß­nah­men­voll­zug er­kun­digt hat. Laut Grieb­nitz sei es un­ty­pisch, dass je­mand, der an Wahn­vor­stel­lun­gen lei­det, sich selbst als krank er­le­be. Der 21-Jäh­ri­ge nei­ge zu ei­nem ma­ni­pu­la­ti­ven Ver­hal­ten.

Alexander I. soll sei­ne 19-jäh­ri­ge Ex­Freun­din Mi­re­la am 8. Ok­to­ber 2014 in sei­ne Woh­nung in Saal­fel­den ge­lockt und mehr als 50-mal auf sie ein­ge­sto­chen ha­ben. Der 21Jäh­ri­ge blieb am Di­ens­tag bei sei­ner Aus­sa­ge vom ers­ten Pro­zess­tag, es sei ein Ri­tu­al­mord ge­we­sen. Stim­men hät­ten ihm ge­sagt, er müs­se sie op­fern, weil er sonst der Nächs­te sei. Er ha­be au­ßer­dem Lei­chen­tei­le ver­speist.

Der Pro­zess wird am 18. No­vem­ber fort­ge­setzt. Kri­mi­nal­psy­cho­lo­ge Tho­mas Müller soll ein zwei­tes Mal be­fragt wer­den.

Mi­re­la B. und Alexander I., als sie noch ein Paar wa­ren. Im Vor­jahr soll er sei­ne Ex ge­tö­tet ha­ben

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