Haft­stra­fen er­schüt­tern Salz­burg, Neu­wah­len im Herbst wahr­schein­lich

Nach Swap-Pro­zess. Der Bür­ger­meis­ter gibt am Mon­tag ei­ne Er­klä­rung ab. Nur we­ni­ge Geg­ner for­dern so­for­ti­gen Rück­tritt.

Kurier - - POLITIK - VON BERN­HARD GAUL UND THO­MAS SENDLHOFER

Am Mon­tag um 11 Uhr wird Heinz Scha­den, Bür­ger­meis­ter der Stadt Salz­burg seit April 1999, wohl sei­nen bal­di­gen Rück­zug aus der Po­li­tik be­kannt ge­ben. Al­les an­de­re wä­re ei­ne Über­ra­schung. Der in der Be­völ­ke­rung äu­ßerst be­lieb­te SPÖS­tadt­chef ist Frei­tag­abend nach 18 Ver­hand­lungs­ta­gen von ei­nem Schöf­fen­ge­richt we­gen Un­treue zu ei­ner teil­be­ding­ten Haft­stra­fe von drei Jah­ren ver­ur­teilt wor­den, ei­nes da­von un­be­dingt. Ge­mein­sam mit dem Bür­ger­meis­ter wa­ren sechs wei­te­re Per­so­nen an­ge­klagt, al­le wur­den schul­dig ge­spro­chen: So auch der ehe­ma­li­ge SPÖ-Fi­nanz­re­fe­rent des Lan­des, Oth­mar Raus. Er wur­de zu 24 Mo­na­ten teil­be­ding­ter Haft ver­ur­teilt, sechs Mo­na­te da­von un­be­dingt. Das glei­che Ur­teil kas­sier­te der ehe­ma­li­ge Lei­ter der Fi­nanz­ab­tei­lung des Lan­des, Edu­ard Pau­lus.

Die Ur­tei­le sind nicht rechts­kräf­tig.

Scha­den hat­te mit Steu­er­geld mit so ge­nann­ten SwapGe­schäf­ten spe­ku­lie­ren las­sen. Nach­dem sich 2007 ein her­ber Ver­lust ab­zeich­ne­te, hat­te Scha­den die fau­len Zins­tausch­pa­pie­re an das Land über­tra­gen las­sen, oh­ne ei­ne Ge­gen­leis­tung. Das Ge­richt be­zif­fert den Scha­den für das Land auf zu­min­dest drei Mil­lio­nen Eu­ro. „Un­treue­hand­lun­gen mit Mil­lio­nen­be­trä­gen müs­sen be­straft wer­den“, don­ner­te Rich­te­rin An­na-So­phia Geis­sel­ho­fer den An­ge­klag­ten bei der Ur­teils­ver­kün­dung ent­ge­gen. Das Ver­trau­en in die Po­li­tik sei er­schüt­tert wor­den: „Der Ge­setz­ge­ber ver­ur­teilt so ein Ver­hal­ten be­son­ders“, ur­teil­te Geis­sel­ho­fer.

Für Au­ßen­ste­hen­de über­ra­schend wa­ren die bis­her äu­ßerst zu­rück­hal­ten­den po­li­ti­schen Re­ak­tio­nen auf das har­te Ur­teil. Te­nor der Reak- tio­nen ist, dass das Ur­teil für „Eh­ren­män­ner“wie Raus und Scha­den , die sich nie per­sön­lich be­rei­chert hät­ten, ei­ne per­sön­li­che Tra­gö­die ist. Scha­den wird „ein paar Ta­ge Be­denk­zeit“ein­ge­räumt, „das ge­bie­tet der An­stand“, mein­te et­wa ÖVP-Vi­ze­bür­ger­meis­ter Ha­rald Preu­ner.

„Ha­be Re­spekt ver­lo­ren“

Na­tür­lich üb­ten sich nicht al­le po­li­ti­schen Geg­ner in der­art vor­neh­mer Zu­rück­hal­tung. Ne­ben der FPÖ for­der­ten auch die Ne­os un­ver­züg­lich den Rück­tritt Scha­dens als „lo­gi­sche Kon­se­quenz“. Bern­hard Auin­ger, SPÖKlub­ob­mann im Ge­mein­de- rat und de­si­gnier­ter Scha­den-Nach­fol­ger, stößt sau­er auf, dass die Ne­os die Aus­sen­dung an al­le Me­di­en aus­schick­ten, als die Ur­teils­ver­kün­dung noch im Gan­ge war. „Vor Se­bas­ti­an Hu­ber

(Ne­os-Klub­ob­mann, Anm.) ha­be ich je­den Re­spekt ver­lo­ren“, sagt Auin­ger. Für ihn sei die künf­ti­ge Zu­sam­men­ar­beit mit den Pin­ken nur „schwer vor­stell­bar“.

Auin­ger hat­te sei­nen Freund Scha­den nach dem Ur­teil am Frei­tag mit sei­nem Pri­vat­au­to nach Hau­se ge­bracht, wie er dem KURIER schil­dert. Da­nach gab es ein Ge­spräch, am Sams­tag noch ein Te­le­fo­nat. Der „Kron­prinz“der SPÖ lässt durch­klin­gen, dass Scha­den erst nach dem En­de der sit­zungs­frei­en Zeit im Ge­mein­de­rat im Sep­tem­ber ge­hen könn­te. Erst dann ist der Weg frei für ei­ne Neu­wahl des Bür­ger­meis­ters. Als mög­li­cher Wahl­ter­min wur­de Mit­te No­vem­ber ge­nannt. Ei­ne gleich­zei­ti­ge Vor­ver­le­gung der Ge­mein­de­rats­wahl (re­gu­lä­rer Ter­min wä­re

im Früh­jahr 2019) will Auin­ger nach der Ver­ur­tei­lung Scha­dens kla­rer Wei­se nicht.

Die An­ge­klag­ten Edu­ard Pau­lus, Oth­mar Raus und Heinz Scha­den (r.) hoff­ten ver­geb­lich auf ei­nen Frei­spruch

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