Zu­cker­markt im Um­bruch

Die Frei­ga­be der Pro­duk­ti­ons­men­gen könn­te Zu­cker bil­li­ger ma­chen. Oder auch nicht

Kurier - - WIRTSCHAFT - VON ANDRE­AS ANZENBERGER

Es darf mehr pro­du­ziert wer­den. Mit 1. Ok­to­ber 2017 läuft die EU-Zu­cker­markt­ord­nung aus. Dann ist es den Rüben­bau­ern frei­ge­stellt, so viel an­zu­bau­en, wie sie wol­len. Die Aus­wei­tung der An­bau­flä­chen in den EU-Län­dern um ins­ge­samt et­wa 16 Pro­zent hat be­reits be­gon­nen. Die Zu­cker­pro­duk­ti­on wird da­her stei­gen.

Wel­che Kon­se­quen­zen das ha­ben wird, ist al­ler­dings noch nicht völ­lig klar. Als am 1. April 2015 die Milch­quo­te aus­lief, kam es zu ei­ner deut­li­chen Mehr­pro­duk­ti­on von Milch. Die Fol­ge der Markt­li­be­ra­li­sie­rung war ein Preis­ver­fall. Ein we­sent­li­cher Grund war al­ler­dings auch der rus­si­sche Im­port­stopp für Agrar­pro­duk­te aus der EU. Da­von war auch Milch be­trof­fen.

Im­port­be­schrän­kung

Bei der Zu­cker­li­be­ra­li­sie­rung gel­ten an­de­re Rah­men­be­din­gun­gen. Es ist da­her kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich, dass der Zu­cker­preis in der EU deut­lich sin­ken wird. „Die EUIm­port­be­schrän­kun­gen für Zu­cker blei­ben und Ex­port­be­schrän­kun­gen fal­len weg“, ver­weist Roh­stoff-Ex­per­te Mar­cus Schwarz auf die Chan­ce, neue Märk­te zu er­obern. Der Ein­kaufspe­zia­list der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung In­ver­to be­rät Fir­men bei der Roh­stoff-Be­schaf­fung. Er rech­net nach dem En­de der Markt­ord­nung mit schär­fe­rem Wett­be­werb und ei­ner wei­te­ren Markt- kon­zen­tra­ti­on. Au­ßer­dem wer­de es ei­ne grö­ße­re Vo­la­ti­li­tät bei Prei­sen und Men­gen im Bin­nen­markt ge­ben.

Ak­tu­ell ist der Zu­cker­preis zwar wie­der et­was ge­fal­len, er ist aber im­mer noch deut­lich hö­her als et­wa im März 2016. Das hat sich auch po­si­tiv auf die Bi­lan­zen der Zu­cker­pro­du­zen­ten aus­ge­wirkt. Neue Märk­te für den Zu­cker­ex­port sieht man vor al­lem in ei­ni­gen Län­dern Ost­eu­ro­pas. Der hei­mi­sche Zu­cker­pro­zent Agra­na will ex­pan­die­ren und zwei Zu­cker­fa­bri­ken in Ser­bi­en kau­fen. An­ders als Deutsch­land ex­por­tiert Ös­ter­reich mehr Zu­cker als es im­por­tiert. Der Welt markt­preis für Zu­cker hängt vor al­lem von den Ern­te­er­trä­gen der gro­ßen Zu­cker­pro­du­zen­ten wie Bra­si­li­en ab. Dort er­war­tet Schwarz heu­er ei­ne gu­te Ern­te. Die Ex­port­chan­cen der Eu­ro­pä­er stei­gen, wenn we­gen schlech­te­rer Ern­ten der Welt­markt­preis steigt. Die Stra­te­gie der Zu­cker­ein­käu­fer hän­ge von der be­nö­ti­gen Men­ge ab, weiß Schwarz. Bei ho­hem Be­darf wür­den die Un­ter­neh­men aus Si­cher­heits­grün­den län­ger­fris­ti­ge Ver­trä­ge ab­schlie­ßen. Bei klei­ne­ren Men­gen war­ten sie auf güns­ti­ge­re Prei­se. Ein wei­te­re Preis-Fak­tor ist der Ver­brauch im Le­bens­mit­tel­be­reich. Bei Er­fri­schungs­ge­trän­ken ist der Ver­kauf zu­rück­ge­gan­gen, ver­weist Schwarz auf ge­än­der­te Kon­sum­ge­wohn­hei­ten.

Der Ge­trän­ke­pro­du­zent Co­ca Co­la will den Zu­cker­ge­halt re­du­zie­ren. Co­la ha­be seit Be­ginn des Jahr­tau­sends et­wa zwölf Pro­zent Ka­lo­ri­en ver­lo­ren, bis 2020 sol­len es wei­te­re zehn Pro­zent sein.

Die EU könn­te bald ih­ren ei­ge­nen Zu­cker­berg ha­ben: Die Markt­ord­nung läuft aus, die Rüben­bau­ern dür­fen an­bau­en so viel sie wol­len.

Roh­stoff­ex­per­te Schwarz: Wett­be­werb wird schär­fer

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