Ri­si­ko­rei­che Strand­par­ti­en

Beach­vol­ley­ball. Un­trai­nier­te Hob­by­spie­ler ge­fähr­den bei Über­las­tung das Schul­ter­ge­lenk

Kurier - - LEBENSART - VON ERNST MAURITZ (TEXT) UND PILAR OR­TE­GA (GRA­FIK)

Die coo­len Vor­bil­der der Beach­vol­ley-WM und dann ein Netz am Strand, an ei­nem See oder im Bad: „Beach­vol­ley­ball ist ein tol­ler Sport. Aber un­trai­nier­te Hob­by­sport­ler soll­ten auf­pas­sen, dass sie ih­re Schul­ter­ge­len­ke nicht über­las­ten“, sagt die Wie­ner Or­tho­pä­din Alex­an­dra Po­kor­ny-Ol­sen, Schul­ter­chir­ur­gi­sche Team­lei­te­rin im Or­tho­pä­di­schen Spi­tal Spei­sing in Wi­en.

„Die Schul­ter ist von Na­tur aus un­ser in­sta­bils­tes Ge­lenk. Sie lässt ei­nen sehr gro­ßen Be­we­gungs­um­fang zu – des­halb muss sie ei­ne ge­wis­se In­sta­bi­li­tät ha­ben.“Die Ge­lenks­pfan­ne (Teil des

Schul­ter­blatts) ist im Ver­gleich zum dop­pelt bis vier­fach so gro­ßen Ge­lenks­kopf re­la­tiv klein. Für Sta­bi­li­tät sorgt die Ro­ta­to­renman­schet­te aus vier Mus­keln, die das Ge­lenk um­fas­sen. Vor al­lem an de­ren Seh­nen (die Ver­bin­dung der Mus

keln zum Kno­chen), am eben­falls sta­bi­li­sie­ren­den Bin­de­ge­we­be der Ge­lenks­kap­sel so­wie an den Bän­dern (ver­bin­den be­weg­li­che Kno­chen­tei­le) kommt es bei Über­las­tung häu­fig zu Mi­kro­ver­let­zun­gen wie Ein­ris­sen und Ent­zün­dun­gen.

„Als Fol­ge kön­nen sich auch f lüs­sig­keits­ge­füll­te Aus­stül­pun­gen der Ge­lenks­kap­sel bil­den, die auf Ner­ven drü­cken und so Schmer­zen ver­ur­sa­chen. Dies und die wie­der­hol­te Deh­nung von Ner­ven in Über­kopf­po­si­ti­on des Arms kann in der Fol­ge zu ei­nem Mus­kel­schwund füh­ren“, er­läu­tert Po­kor­ny-Ol­sen.

Gro­ßer Ener­gie­auf­bau

Ein be­son­de­res Ri­si­ko für ein un­trai­nier­tes Ge­lenk sei der Schmet­ter­schlag: Bei die­ser An­griffs­be­we­gung wird der Arm von hin­ten nach vor­ne rasch durch­ge­zo­gen.

„Da­bei kommt es zu ei­nem gro­ßen Ener­gie­auf bau in der Schul­ter und es braucht viel Kraft in der Ro­ta­to­renman­schet­te, um die­se Be­we­gung ab­zu­brem­sen und ab­zu­fe­dern.“

Wich­tig sei es, be­reits bei ers­ten leich­ten Schmer­zen von ei­nem Or­tho­pä­den ab­klä­ren zu las­sen, ob nur mus­ku­lä­re Dys­ba­lan­cen, oder be­reits ers­te struk­tu­rel­le Schä­den wie Ein­ris­se bzw. Ris­se ver­schie­de­ner Ge­we­be­struk­tu­ren, Ge­lenks­ab­nüt­zun­gen oder auch Ner­ven­schä­den vor­lie­gen. Sol­che Ver­let­zun­gen wer­den heu­te mi­ni­mal­in­va­siv ope­riert. Bei der Schul­ter­ar­thro­sko­pie (ar­thros grie­chisch für Ge­lenk, sko­pein gr. für schau­en) wer­den nur drei bis ma­xi­mal fünf ein Zen­ti­me­ter gro­ße Schnit­te ge­setzt – da­durch wird das Ge­we­be ge­schont. Das Ar­thro­skop (ein röh­ren­för­mi­ges In­stru­ment mit spe­zi­el­ler Op­tik und star­ker Licht­quel­le) er­mög­licht den Blick ins Ge­lenk. Gleich­zei­tig wer­den da­mit die chir­ur­gi­schen In- stru­men­te an die rich­ti­ge Stel­le ge­bracht. „Ein­ge­ris­se­ne Seh­nen kön­nen so wie­der zum Kno­chen ge­zo­gen und mit Dü­beln und klei­nen Fä­den fi­xiert wer­den.“Da­nach muss das Ge­lenk für ma­xi­mal sechs Wo­chen ru­hig­ge­stellt wer­den. Po­kor­ny-Ol­sen: „Im Or­tho­pä­di­schen Spi­tal Spei­sing wer­den die meis­ten Schul­ter­ope­ra­tio­nen die­ser Art in der Ta­ges­kli­nik durch­ge- führt – die Pa­ti­en­ten ge­hen am OP-Tag nach Hau­se.“

Be­vor man Beach­vol­ley­ball spielt, soll­te man un­be­dingt Auf­wärm­übun­gen ma­chen, be­tont die Or­tho­pä­din. „Die Schul­ter soll­te man zum Bei­spiel mit Arm­krei­sen oder Ham­pel­män­nern ak­ti­vie­ren.“Auch dy­na­mi­sche Stretch-Übun­gen – am bes­ten an­ge­lei­tet von ei­nem Trai­ner oder Phy­sio­the­ra­peu­ten – sei­en sehr wich­tig.

Ge­fähr­lich für die Schul­ter sind auch Stür­ze, et­wa mit dem Moun­tain­bike oder beim In­li­ne-Ska­ten. Bei ei­ner Lu­xa­ti­on – ei­ner „Ver­ren­kung“des Ge­lenks – kön­nen Seh­nen rei­ßen oder Kno­chen­tei­le ab­ge­sprengt wer­den. Auch zu ei­ner Spren­gung des Ge­lenks (kom­plet­tes Ab­rei­ßen der Band­struk­tu­ren der Ge­lenks­kap­sel) zwi­schen Schlüs­sel­bein und Schul­ter­dach (AC–Ge­lenk) kann es durch ein di­rek­tes Trau­ma kom­men: „Bei ei­ner Ar­thro­sko­pie kön­nen die Band­struk­tu­ren ver­näht und wie­der fi­xiert wer­den.“

Ge­duld ist bei Ver­let­zun­gen der Schul­ter im­mer ge­fragt: Im Schnitt dau­ert es ein hal­bes Jahr, bis sie wie­der kom­plett schmerz­frei ist.

Po­kor­ny-Ol­sen: „Vie­le Ein­grif­fe wer­den ta­ges­kli­nisch ge­macht“

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