Ver­nunft und Moral kön­nen ge­gen Macht und Eros nichts aus­rich­ten

Kurier - - LEBENSART - – HEL­MUT CHRIS­TI­AN MAY­ER

Kri­tik. „L´in­co­ro­na­zio­ne di Pop­pea“von Clau­dio Mon­te­ver­di bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len: Dass die Lie­be al­les be­siegt, dar­auf wet­tet im Pro­log Amo­re. Und er soll Recht ha­ben, denn nicht erst zum Fi­na­le ist je­dem klar, dass Ver­nunft und Moral ge­gen Macht und Eros nichts aus­zu­rich­ten ver­mö­gen.

Von die­sem zeit­lo­sen, top­ak­tu­el­len The­ma han­delt „L´in­co­ro­na­zio­ne di Pop­pea - Die Krö­nung der Pop­pea“(UA 1642) von Clau­dio Mon­te­ver­di, die jetzt als letz­te sei­ner drei er­hal­te­nen Opern bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len in Se­rie auf­ge­führt wur­de.

Wie schon an den Vor­ta­gen spielt die se­mi­kon­zer­tan- te Ins­ze­nie­rung von El­sa Roo­ke nach­voll­zieh­bar rund und so­gar im Orches­ter so­wie in den je nach Stim­mung ver­schie­den be­leuch­te­ten Ar­ka­den der Fel­sen­reit­schu­le.

Die meis­ten der fa­mo­sen Sän­ger, die den ex­trem heik­len An­for­de­run­gen voll ge­recht wer­den, kennt man schon vom Vor­tag von „Ulis­se“. Au­ßer Ne­ro­ne, den Kang­min Jus­tin Kim mit höchs­ten und f le­xi­blen Coun­ter­te­nor-Tö­nen singt, wenn er zur Lie­be zu Pop­pea an­ge­trie­ben wird. Die­se wird von Ha­na Bla­zi­ko­vá sehr fein ge­sun­gen. Car­lo Vis­to­li ist ein in­ten­siv lei­den­der Ot­to­ne und darf die ers­te Se­re­na­de der Opern­ge­schich­te sin­gen.

Un­ge­mein prä­sent und vo­lu­mi­nös singt Ma­ri­an­na Piz­zo­la­to die be­tro­ge­ne Ot­ta­via. Gi­an­lu­ca Bur­at­to ist ein pro­fun­der Se­ne­ca. Wei­ters zu er­wäh­nen sind Lu­cil­le Richar­dot als Ar­nal­ta und An­na Den­nis in meh­re­ren Rol­len.

John Eli­ot Gar­di­ner am Pult der Eng­lish Ba­ro­que So­loists und dem gut dis­po­nier­ten Mon­te­ver­di Choir, lässt auf his­to­ri­schen In­stru­men­ten mit Vi­ta­li­tät und Klang­schön­heit spie­len, wo­bei dies­mal et­was mehr Far­ben und Klan­gin­ten­si­tät nicht ge­scha­det hät­ten. Wie­der gro­ßer Ju­bel!

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