Gu­te Lau­ne-Mu­sik für Wi­en

Frie­de, Freu­de, Eier­ku­chen: Hit-Ga­rant Da­vid Gu­et­ta er­freu­te sein Pu­bli­kum in der Krie­au.

Kurier - - FRONT PAGE - VON GE­ORG LEYRER KU­RI­ER-Wer­tung:

Kon­zer­te von Da­vid Gu­et­ta fin­den, und das ist schon ganz lus­tig, nicht in der Ge­gen­wart statt, son­dern zu­gleich in der Ver­gan­gen­heit und in der Zu­kunft.

Der fran­zö­si­sche Star-DJ steu­ert die Ver­gan­gen­heit bei: Er bringt all die Mu­sik mit, die er mit ei­nem Welt­star nach dem an­de­ren pro­du­ziert hat, und spielt die­se vor. Das Pu­bli­kum wie­der­um sorgt für die Zu­kunft: Beim Auf­tritt Gu­et­t­as in der Wie­ner Krie­au am Sams­tag­abend gin­gen gna­den­los die Smart­pho­nes hoch, um die Show für den spä­te­ren Ge­nuss auf­zu­be­wah­ren.

In der Ge­gen­wart hin­ge­gen ist ei­ne ge­wis­se Per­for­mance-Lü­cke, die mit or­dent­li­cher Licht- und Vi­deo­show und beid­sei­ti­ger Freu­de auf­ge­füllt wird: Gu­et­ta steht und freut sich, das Pu­bli­kum steht und freut sich. Es freut sich über die Frag­men­te von Gu­et­ta-pro­du­zier­ten Welt­hits, die aus der Mu­sik auf­tau­chen, von „When Lo­ve Ta­kes Over“bis zur neu­en Sing­le „2U“(mit Jus­tin Bie­ber).

Wie sehr es sich über die wuch­tig-knar­zi­gen, für die Ver­hält­nis­se der elek­tro­ni­schen Tanz­mu­sik (EDM) recht lang­sa­men Brumm­tö­ne da­zwi­schen freut? Egal. Die Mu­sik hat bei der gu­ten Lau­ne noch nie ge­stört.

Rei­be­punkt

50 wird Gu­et­ta dem­nächst, und er sieht, nach ei­nem Haar­schnitt, nicht mehr aus wie Ot­to Waal­kes. Son­dern wie Waal­kes’ bart­tra­gen­der Hips­ter-Bru­der, der dir den bes­ten kalt­ge­brüh­ten Kaf­fee der Stadt ser­viert. Und er ist ein Phä­no­men. Kaum ein Hit­ga­rant po­la­ri­siert so wie er. So­wohl in der EDM-Sze­ne, die er zum 7-Mil­li­ar­den-Dol­lar-pro-Jahr-Bu­si­ness mit­ge­formt hat, als auch au­ßer­halb. Der DJ be­spielt die Clubs auf Ibi­za und die Hit­pa­ra­den, und da hat je­der ei­ne Mei­nung da­zu.

Gu­et­ta macht so­zia­le Mu­sik, und er hat da­mit an­ge­fan­gen, lan­ge be­vor es die so­zia­len Me­di­en ge­ge­ben hat: Aus sei­ner Hit­fa­brik kommt auf Li­kes ge­trimm­te Kon­sens­klang­pro­gram­mie­rung. Der Sound­track zu je­nen Mo­men­ten, in de­nen man im Zap­pel­licht der Groß­raum­dis­co die an­dau­ern­den Krän­kun­gen des All­tags be­son­ders drin­gend ver­ges­sen will.

Dar­über kann man sich am bes­ten dann lus­tig ma­chen, wenn man im mu­sik­ge­bil­de­ten Freun­des­kreis bil­li­ge Gut­punk­te sam­meln will.

Je­der, wirk­lich je­der ver­ach­tet Da­vid Gu­et­ta, halt mit Aus­nah­me sei­ner Fans, aber die zäh­len nicht.

Der dreht ja nur an Knöp­fen und hält die Hän­de hoch! Das kann ich auch! Nein, kannst du nicht. Gu­et­ta hat Welt­hit um Welt­hit ge­lie­fert, kru­de, in der Ar­chi­tek­tur wür­de man sa­gen: bru­ta­lis­ti­sche Block­bau­ten aus all den mu­si­ka­li­schen Baustei­nen, die auf die ver­läss­lichs­te Art das Be­loh­nungs­zen­trum im Hirn kit­zeln. Das braucht man drin­gend vor al­lem dann, wenn es spät ist und man gleich al­lei­ne nach Hau­se ge­hen muss. Wenn man ganz drin­gend an die Lie­be glau­ben will, oder auch nur an den One-Night-Stand.

Ei­ner von uns

Und wie im­mer, wenn et­was der­art auf der Hand liegt – Gu­et­ta macht Mas­sen­mu­sik, und ist des­we­gen ab­zu­leh­nen –, lohnt es sich, ge­nau­er nach­zu­den­ken. Der Sohn ei­ner fran­zö­si­schen In­tel­lek­tu­el­len­fa­mi­lie – Kom­merz ist hier Pro­test! – ist das, was nach der in­tel­lek­tu­ell über­bau­ten Atta­cke der mo­der­nen Mu­sik auf die Son­der­rol­le des Künst­lers üb­rig ge­blie­ben ist.

Er ist der al­ler­kleins­te Nen­ner: Da oben steht ei­ner von uns, und er fin­det es min­des­tens eben­so lus­tig, dass aus­ge­rech­net er da oben ist, wie wir. Lus­tig hat es Gu­et­ta sicht­lich: Er lacht und tanzt und hebt die Hän­de hoch; und es dau­ert kei­ne Vier­tel­stun­de, da ist es da, das mit den Fin­gern ge­form­te Herz, Gu­et­t­as Mar­ken­zei­chen, das U-Mu­sik-Äqui­va­lent zu An­ge­la Mer­kels Rau­ten-Fin­ger­hal­tung, die sie in welt­po­li­tisch ent­schei­den­den, aber vi­el­leicht ein biss­chen lang­wei­li­gen Mo­men­ten ein­nimmt.

Wenn die Lie­be über­nimmt, tönt es da­zu aus dem Com­pu­ter, und nä­her kommt man in den 2010erJah­ren nicht mehr ran an die Uto­pie von Frie­de, Freu­de, Eier­ku­chen (na­tür­lich aus Bi­oEi­ern). Da­zu tan­zen die Jun­gen und Schö­nen und die, die sich da­für hal­ten, und zum Glück auch die, die auf­ge­ge­ben ha­ben.

APA / DA­VID BE­CKER

Da­vid Gu­et­ta pro­du­zier­te zahl­rei­che Welt­hits und re­si­diert im Som­mer auf Ibi­za, wo er für Par­ty­stim­mung sorgt

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